Nach durchweg soliden, wenn auch konzeptionell kaum
abwechslungsreichen, so doch durchaus unterhaltsamen Adventure-Titeln, wie Rückkehr
zur geheimnisvollen Insel, Das Geheimnis der vergessenen Höhle und Secrets
of Da Vinci Das verbotene Manuskript, beschert uns das französische
Entwicklerteam, Kheops Studio, nun mit Safecracker ein Adventure der etwas anderen
Art leicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Spiel aus dem Jahre 1996. Mal
sehen, was die Franzosen diesmal ausgetüftelt haben.
Story
Die ist schnell erzählt: Der kürzlich verstorbene,
milliardenschwere Exzentriker Duncan W. Adams frönte zu Lebzeiten einem ausgefallenen
Hobby er sammelte Tresore. Je komplizierter deren Mechanik, desto besser. In einem
dieser Safes hat er sein Testament versteckt und das bereitet nun der mehr oder weniger
trauernden Familie solche Kopfschmerzen, dass sie einen Safeknacker-Experten, in dessen
Rolle der Spieler schlüpft, damit beauftragt, die Geldschränke zu finden, zu öffnen und
den letzten Willen des Verblichenen zu bergen.
Installation/Steuerung
Die Installation von einer CD lief bei mir schnell und ohne
Probleme. Anschließend kann man im Hauptmenü unter Optionen, wenn gewünscht, noch
einige Einstellungen ändern, z.B. Untertitel ein-/ausschalten, deren
Einblendgeschwindigkeit oder die Lautstärke der Soundeffekte (inkl. Musik) regeln, was
sich aber auch jederzeit während des Spielens nachholen lässt. Auch dieses Kheops-Spiel
können maximal fünf Personen unabhängig voneinander spielen. Dafür klickt man vor
Beginn eines neuen und beim Laden eines gespeicherten Spielstandes einfach eines der fünf
verschiedenen Schlüsselicons im entsprechenden Menü an. Das Speichermenü kann jederzeit
während des Spielens über die unten näher beschriebene Inventarleiste aufgerufen
werden.
Safecracker spielt sich in Egoperspektive und wird komplett per Maus
gesteuert. Verschiedene Cursor zeigen an, in welche Richtung man sich bewegen kann, ob man
sich etwas näher ansehen, aufnehmen oder manipulieren kann. Zusätzlich zeigt ein
bestimmter Cursor auch, ob man an bestimmten Stellen eventuell erst später etwas machen
kann, wenn man einen dafür benötigten Gegenstand oder eine Information gefunden hat. Um
den Überblick über die in allen Stockwerken der großen Adams-Villa verteilten
Safestandorte nicht zu verlieren, hilft uns ein gelegentlicher Blick auf die
Grundrisskarte des Hauses. Man kann von links nach rechts und zurück durch die Etagen
blättern und sieht dabei auf einen Blick an einem grünen bzw. roten Kreuz, welche Safes
bereits geöffnet oder noch verschlossen sind. Ein direkter Sprung" in einen
anderen Raum ist über die Karte jedoch nicht möglich und da kann es einem bei der
First-Person-Navigation schon mal ein wenig schwindelig werden, wenn man dafür anfällig
ist.
Eine Inventarleiste steht am unteren Bildrand zur Verfügung und
kann bei Bedarf mit einem Rechtsklick eingeblendet werden. Ganz links haben wir dann
Zugriff auf den Grundrissplan und ganz rechts führt eine Tür ins Spiel-/Speichermenü.
Dazwischen werden aufgesammelte Gegenstände abgelegt, zu denen in einem Feld am oberen
Bildrand bei Mouse-over eine knappe Beschreibung eingeblendet wird.
Rätsel
Schon erstaunlich, auf wie viele verschiedene Arten man einen Safe
verschließen kann. Theoretisch zumindest. Obwohl ich zugeben muss, dass die ein oder
andere Mechanik durchaus realisiert werden könnte, wenn sie auch komplizierter gestaltet
werden müsste, damit nicht jeder Safecracker-Spieler solch einen Tresor sofort knacken
kann. ;-) In dieser Vielfalt besteht dann auch die einzige wirkliche Abwechslung im Spiel.
Es gilt, die Geldschränke zu finden und ihren Schließmechanismus zu, äh,
entschlüsseln. Der Name des Spiels ist insofern schon fast irreführend, da man keinen
der Safes im eigentlichen Sinne knackt, sondern so öffnet, wie es angedacht ist. Das
geschieht z.B. über eine Art Schiebepuzzle, Schalterpuzzle, Soundpuzzle, verschiedene
mehr oder weniger bekannte Codeschlüsselvarianten, der Spielwelt und grafik
angepasste Minispielchen (Varianten von Sudoku, dem Hohlmaßspiel", Mastermind,
Schach, etc.) . Alle diese Rätsel sind definitiv mit Nachdenken, Beobachtungsgabe und
Logik zu lösen. Je nach Begabung wird ein Teil der Spieler bestimmte Puzzle schneller
lösen als der andere, aber keine der Aufgaben ist unfair. Nicht jeder Safe ist sofort
zugänglich, manche befinden sich in Räumen, die auch durch bestimmte Mechanismen
verschlossen sind oder deren Schlüssel in wieder anderen Objekten oder Safes versteckt
sind.
Weniger ein Rätsel als vielmehr ein Bestandteil der Geschichte sind
allerhand Briefe an den Verstorbenen, die wir im ganzen Haus verteilt finden. Sie stammen
von seinen Angehörigen und sagen in erster Linie etwas über deren Beziehungen zu Adams
aus, wobei man in einigen ganz leichte Andeutungen zu den Puzzles finden kann, die man
aber auch getrost übersehen darf. Sie bringen vielleicht noch etwas Tiefe in die
ansonsten sehr flache Story. Einige Tagebuchseiten oder Notizzettel des Verblichenen sind
da schon hilfreicher.
Feinde von zeitabhängigen Rätseln oder Labyrinthen wird es freuen
zu lesen, dass auf solche Elemente komplett verzichtet wurde. Manche Puzzle lassen den
Logiker die Augen verdrehen, wie z.B. das Brunnenpuzzle im Wintergarten. Man muss erst
diverse Dinge erledigen, um an etwas in der Mitte des Brunnens zu kommen, was man von
Anfang an sehen kann und ich habs mir genau beäugt auch sofort nehmen
könnte, weil eine entsprechende Barriere fehlt. Da haben die Entwickler wohl ein paar mal
zuviel um die Ecke gedacht. Die Lösung von zwei Codepuzzles beinhaltet englische
Zahlwörter, die einen Spieler, der dieser Sprache nicht mächtig ist, beim Entschlüsseln
leicht glauben machen könnten, dass er sich auf dem Holzweg befindet. Zum Schluss hat der
Spieler noch die Wahl, wie er die Geschichte ausgehen lassen möchte, allerdings ist dies
in keiner Weise durch den vorherigen Spielablauf zu beeinflussen, sodass man nicht
behaupten kann, diese Wahlmöglichkeit trüge zum Wiederspielwert bei.
Grafik/Sound
Die Grafik ist hübsch, aber scheintot. Da man sich ausschließlich
in einem noch möblierten, aber verlassenen Haus befindet, fallen Animationen außerhalb
der Safemechanismen völlig weg. Die Räume sind heimelig beleuchtet, doch ansonsten wirkt
die Optik nicht spektakulär und außerdem eher weichgespült OK, sie ist passend,
aber man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Entwickler einfach nur eine
Verpackung für ein paar Puzzles brauchten. Andere Charaktere fehlen völlig, da man ja
allein unterwegs ist und obendrein in Egoperspektive spielt.
Die Hintergrundmusik läuft in Schleifen ab und ist unaufdringlich,
sofern man sie entsprechend leise eingestellt hat. Sonst könnte sie schon mal beim
Nachdenken stören, wenn statt des ruhig vor sich hin plätschernden das etwas
spannungsgeladenere Thema läuft.
Es gibt nur einen Sprecher, der zugleich die Einleitungsgeschichte
erzählt und auch die Stimme des Safecrackers" selbst übernimmt, wenn er mal
einen aufgefundenen Brief vorliest oder seine Gedanken zu einem Puzzle ausspricht.
Vielleicht lag es an meinen Ohren, aber der Sprecher hat einen seltsamen Akzent und
erzählt die Einleitung dermaßen getragen, dass die Nennung eines Zeitungsgerüchtes
über die Verlobung von Adams mit einer gewissen Anna N.S. nicht lustig sondern eher fehl
am Platz wirkt. Dokumente werden übrigens grundsätzlich vorgelesen, was auch besser ist,
da die entsprechenden Grafiken nicht eingedeutscht wurden.
Da es nur eine Lautstärkeregelung für Musik und Stimme gibt, ist
es sinnvoll, die Untertitel einzuschalten, da man wegen der Musik sonst schon mal schlecht
verstehen kann, was gesagt wird und man ja nicht immer im Voraus weiß, wann ein
gesprochener Kommentar kommt, um eventuell eine Pause in der Musik abwarten zu können.
Zwar lassen sich einige Kommentare wiederholen, aber niemals diejenigen, die beim ersten
Anklicken eines neuen Tresors zu hören sind.
Fazit
In punkto Spieldauer ist Safecracker eigentlich gar nicht zu überbieten,
wenn man die Zeiträume anrechnet, in denen man nicht spielt, weil man nicht muss, will
oder kann ich habe etwas über 10 Stunden benötigt. Mangels Story oh,
bitte, das bisschen Leitfaden kann man nun wirklich nicht als Story bezeichnen!
mangels Story also, eignet sich Safecracker wunderbar als Puzzleunterhaltung für
zwischendurch. Aber ganz ehrlich? Im Internet finden sich aberfuffzich Online-Puzzles, die
mindestens den gleichen Unterhaltungswert besitzen und das auch noch nahezu kostenlos,
wenn man mal vom Internetzugang absieht. Und da finde ich einen Neupreis von ca. 40 Euro
für dieses Spiel schon eine enorme Frechheit. Für das Geld hätte es viel mehr Story und
eine makellose Vertonung der wenigen gesprochenen Sätze geben müssen. Mindestens.
Immerhin gab es keine technischen Probleme, was man heutzutage ja
auch schon erwähnen muss, weil es alles andere als selbstverständlich ist. Eine
Empfehlung kann ich aber nicht guten Gewissens aussprechen, denn für das Geld kann man
definitiv bessere Unterhaltung und vor allem in Form eines richtigen Adventures bei
anderen Spielen bekommen. Gelegenheitsspieler, die gerne puzzeln, sollten sich immerhin
vom Preis abschrecken lassen.