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Salammbô


Erscheinungsdatum: 05/2003
Entwickler/Publisher: The Adventure Company Europe
Spielsprache: deutsch

Boxshots


USK: Freigegeben ab 12 Jahren

 

Ein Review von slydos   22. Mai 2003

 

 

Installation/Start

"Salammbô" kommt auf 2 CDROMs in einer wirklich schön gemachten Klappfolder-Version mit Tasche für das deutsche Handbuch. Das ganze steckt dann in einem Kartoneinschub in DVD-Größe. Die 810 MB werden reibungslos installiert und man kann beim Start eines neuen Spiels das Intro verfolgen, das auch separat abspielbar ist. Unser Alter Ego ist Spendius, ein Sklave, der in den Kerkern von Karthago dahinvegetiert. Unsere erste Aufgabe wird es sein, ihm zur Flucht zu verhelfen ...

Steuerung/Handling

Das 1st-Person-Spiel "Salammbô" ist vollkommen mausgesteuert. Dabei bedient man sich der seit "The 7th Guest" bekannten animierten Knochenhand in einer etwas abgewandelten Form. Sie wird nur an den Stellen sichtbar, an denen ein Szenenwechsel möglich ist, sonst ist nur ein kleines Kreuz für die Sichtmitte vorhanden. Sie wird zur greifenden Hand, wenn man etwas aufnehmen kann und zwei rotierende Zahnräder deuten an, daß man etwas manipulieren oder mit jemandem sprechen kann.

Wir können uns stufenlos 360 Grad um uns selbst drehen und aufwärts oder abwärts schauen.

Während des Spiels werden auf Rechtsklick gleichzeitig das scrollbare Inventar (am unteren Bildschirmrand) und in der rechten unteren Ecke einige zusätzliche Navigationspunkte angezeigt. Hier kann man entweder das Hauptmenü z. B. zum Speichern eines Spielstandes, die Karte oder das Journal aufrufen.

Das Journal bietet nicht nur eine vorzügliche Übersicht über das bisher Geschehene in Comicformat, sondern ist auch hilfreich bei einigen Rätselaufgaben - wann das der Fall ist, sagen uns die Untertitel.

Ein weiterer Button führt zur Darstellung unseres Helden, wir können dann Inventarobjekte auf ihn anwenden, z. B. Nahrung oder Kleidung.

Die Optionen bieten einige Möglichkeiten Bildschirm und Sound einzustellen und auch Untertitel zu- bzw. abzuschalten. Die Menüoberfläche mutet metallisch an und wird lebendig, wenn sich bei jedem Übergang eine Art Verschlußblende vor ihr schließt. Menüpunkte sind als Piktogramme dargestellt, beim Darüberfahren erhält man jeweils die deutschen Erklärungen dazu.

Es können bis zu 5 Spieler ihre Spielstände getrennt speichern, von denen es leider nur 10 gibt. Savegames werden mit Zeitangaben und einem Szenenbild per Mausklick gespeichert - eigene Texteingaben sind nicht vorgesehen. Mit der Taste F5 kann man eine Schnellspeicherung vornehmen. Eine ausgezeichnete Funktion beim erneuten Start von "Salammbô" nach einer Pause ist die Menüfunktion "Laufendes Spiel wieder aufnehmen". Man fängt dann an dem Punkt an, an dem man auch aufgehört hat, ohne zu speichern.

Im Prinzip eine einfache Steuerung, wenn da nicht große Probleme mit der Orientierung wären. Das Gelände ist unübersichtlich und beim Wechsel in eine neue Szene geht man oft nicht gerade vorwärts und hat zum Schluß den Szeneneingang im Rücken, sondern wird einfach im neuen Bild auch neu positioniert, was zu größerer Verwirrung führen kann. Es existiert zwar eine Karte des Geländes, aber sie gibt nur einen groben Überblick. Wenn man dann zum 5. oder 6. Mal bei den Menschenfressern gelandert ist, obwohl man in die entgegengesetzte Richtung wollte, dann läßt das schon an der eigenen Kartelesekunst zweifeln.

Das Bedienung der Maus bei größeren Bewegungen ist ein wenig unhandlich - man muß oft die Maus hintereinander wiederholt ganz am Rande seines Mauspads aufsetzen und ziehen (ich nenne das Mauspad-Bügeln). Das ist besonders bei den knappen zeitabhängigen Sequenzen unangenehm.

Das genaue Anpeilen von Zielen, z. B. beim Bogenschießen, funktioniert hingegen ausgezeichnet.

 

Story/Adaption

Unserem Spiel liegt eine Romanvorlage des französischen Schriftstellers Flaubert zugrunde, der die Geschichte Karthagos nach der Seeniederlage gegen Rom schildert. Nach den Kämpfen verlangt das Söldnerheer, das aus verschiedenen Landsleuten aus Europa und Nordafrika bestand, seinen Lohn, den die Handelsstadt Karthago aber verweigert. Die Söldner rebellieren. Flaubert hat sich wiederum auf tatsächliche historische Ereignisse aus dem 3. Jahrhundert vor Christus bezogen, wobei er unsere Hauptfigur Salammbô, die Tochter des karthagischen Heerführers Hamilkar Barkas im ersten punischen Krieg gegen die Römer und ihre Liebesbeziehung zu Mathô, dem Anführer der Söldnerrebellen, allerdings erfand. (Die meisten von uns kennen eher Hamilkars Sohn Hannibal, der es später wagte, die Römer in ihrem eigenen Territorium anzugreifen.)

Wer sich den Spaß am Ausgang der Geschichte nicht verderben lassen will, sollte die nächsten (in Grau) Abschnitte überspringen!

Flaubert erlaubt sich die dichterische Freiheit, den (tatsächlichen) tragischen Niedergang der Söldnertruppe in der ebenso tragischen, privaten Liebesgeschichte von Salammbô und Mathô zu spiegeln. Dagegen schreibt Philippe Druillet die Geschichte Flauberts und die historischen Ereignisse um:

Durch Intrigen und Einflußnahme des Sklaven Spendius, unseres Hauptdarstellers, siegen die barbarischen Söldner! Keine Tragik also, kein großes Theater, sondern der ganz gemeine Wahnsinn des Krieges (wie wir ihn auch heute noch kennen).

Keiner der Akteure wird einem sympathisch - weder Spendius, der für sein eigenes Schicksal ganze Kompanien vernichtet, noch Mathô und die anderen Führer, die sich von einem Hanswurst etwas vormachen lassen und auch nicht Salammbô, die sich trotz ihrer Bedenken dem Sieger an den Hals wirft. Eigentlich möchte man alle nur mit der Kneifzange anfassen! Jedenfalls ist mir kein Adventure im Gedächtnis, wo mir die eigene Spiel-Figur derart unsympathisch war und sicher einen der öfters angebotenen Tode verdient hätte. Kein Spiel für Leute, die gerne in Schwarz und Weiß, Gut und Böse einteilen - das ist hier nicht drin.

 

Grafik

Auch die Grafik entspricht nicht der Gartencenter-Optik aus anderen 1st-Person-Adventures. Dunkle Endzeitstimmung wohin das Auge blickt: kalte Blautöne statt warmen nordafrikanischen Wüstensandes aufgelockert durch ein paar gekreuzigte Kadaver, metallisch-ölig auch das verlassene Innere von Karthago, giftiggrün das Trinkwasser in den Wasserleitungen und schwefelgelb der drohende Himmel mit der fast schon zur Supernova entwickelten blutroten Sonne.

Ebenfalls blutrot sind die Augen der meisten Charaktere bis auf die von Salammbô, die als einzige etwas menschenählicher gezeichnet wurde, aber durch ihren perfekten Körper mit dem blaugrau angehauchten Teint und dem seltsam abwesenden Blick auch eher wie eine Gestalt aus einer anderen Welt wirkt. Die Charaktere haben wirklich nicht mehr viel menschenähnliches, sei es der karthagische Schatzmeister mit seinem Aussehen von Jabba oder die an eine Alienarmee erinnernden Söldner. Selbst Kampfelefanten und Reittiere sind entfremdet und erinnern kaum noch an das, was sie darstellen sollen. Prachtvoll detailliert, aber ebenso fremd wie alle anderen, die Menschenfresser von nebenan, mit ihren abgemagerten aber drahtigen Körpern und den leuchtenden Glupschaugen, die immer auf ein Häppchen lauern.

Auch unser Held scheint keine realen Eltern gehabt zu haben, sein Gesichtsausdruck erinnert an jemanden, der dauernd in eine Zitrone beist und dem dabei seine Michael-Jackson-Nase in die Nähe seiner zusammengekniffenen Augen gerutscht ist. Auch kleidungsmäßig sind wir eher avantgarde, ganz vorne weg Salammbô und die beiden anderen Frauen im Spiel, die sich ihre Push-Up-Brustharnische im besten Gartentorschnörkel auf den Leib haben schmieden lassen.

Alle diese ungewöhnlichen Gestalten bewegen sich recht wenig, aber wenn sie es tun, dann geschmeidig und ... menschlich. Auch Sprechmimik und Gesten sind ausgezeichnet getroffen und sehr kongruent zur deutschen Sprachausgabe. Die wenigen Filmsequenzen, in der wir unseren "Helden" erleben dürfen, sind hervorragend.

Ganz im Gegensatz zu den kalt-düsteren Schauplätzen des Spiels stehen die Comic-Grafiken des Journals. Erklären sie doch den Verlauf des Spiels in perfekter Zweidimensionalität und kräftigen, warmen Farben immer dann, wenn unser Held einen Schritt vorwärts getan hat. Auch wenn die Farben mal etwas "zu warm" werden sollten, und Spendius den Tod im rotglühenden Maul des Molochs findet.

Rätsel

Die Rätsel von "Salammbô" sind vielfältig, einfallsreich, sehr logisch und steigern sich in ihrem Schwierigkeitsgrad. Es gibt reine Objekt-/Inventarrätsel, Dialogrätsel, Kodier-/Dekodierrätsel, ein sehr schönes Farbmischrätsel zu Beginn, Rätsel im Memorystil, mechanische Rätsel, Strategierätsel und einige, teilweise sehr knappe zeitabhängige Rätsel. Daneben muß man seine Reaktionsfähigkeit mit Pfeil und Bogen und bei bestimmten Wurf-Spielen beweisen. Der Schwierigkeitsgrad dieser Reaktionsspiele liegt nicht sehr hoch, etwa ähnlich wie in "Thorgal", aber besser eingebunden in die Handlung.

Einige Rätsel sollte man mit den Angaben im Journal lösen - man wird auf diese Möglichkeit durch eingeblendete Texte hingewiesen.

Falsche Handlungen oder auch falsche Fragen oder Antworten können zum Tod von Spendius führen. Aber nach einem Game Over gelangt man per Mausklick direkt wieder an einen Punkt zurück, von dem man es erneut versuchen kann. Das Laden gespeicherter Spiele ist nur selten notwendig.

"Salammbô" ist aufgrund der Logik der Rätsel und des leichten bis mittleren Schwierigkeitsgrades für Einsteiger geeignet. Den meisten Aufwand fordern die zeitabhängigen Rätsel, beid denen man z. T. eine ganze Reihe von Aktionen ausführen muß. Das notwendige Durchsuchen der Örtlichkeiten läßt einen dabei unweigerlich diverse Male sterben. Dabei führt das schlechte Umsetzungsverhältnis der Mausbewegungen gepaart mit häufigem Orientierungsverlust zu Frust.

Es gibt keine Sackgassen, allerdings wünscht man sich an einer bestimmten Stellen des Spiels, doch einige Stunden früher eine Handlung nicht begangen zu haben. Aber man kann trotzdem weiterkommen. "Salammbô" ist in begrenztem Umfang nichtlinear (man kann Objekt A vor Objekt B nehmen oder Aktion 1 vor Aktion 2 ausführen), aber an bestimmten Schlüsselstellen muß man bestimmte Aufgaben einfach gelöst haben, bevor es weitergeht.

 

Sound/Musik/Sprache

Über die gelungene deutsche Sprachanpassung werden sich viele Fans freuen, die noch bei "Thorgal" über die englische Sprachausgabe enttäuscht waren. Ganz besonders ist hier Alexandra Lange zu danken, die mit Ihrer unverwechselbaren Stimme den Sprecherinnenpart bei "Salammbô" übernommen hat. Man kann sie auch immer wieder hören, wenn man sich das Journal vorlesen läßt.

Musik gibt es nur selten (statt des angekündigten Mozart gibt's Dvoraks "Symphonie der neuen Welt"), aber sie kommt immer auf, wenn es spannend wird oder während der Filmsequenzen. Soundeffekte sind dezent und unterstützen die düstere Atmosphäre.

 

Fazit

Obwohl ich an einigen Stellen über das Handling und die komplizierte Orientierung geflucht habe, so überwiegen beim Gesamteindruck doch die Qualität der Rätsel, die fordern aber keinesfalls überfordern, und der Story, bei der man vieles über die realen Hintergründe der Zeit erfährt auch wenn Druillet an manchen Stellen die historischen Fakten verändert. Die düstere Geschichte mit ihrer ebenfalls kalten und düsteren Grafik mag nicht jedem gefallen. Etwas ist "Salammbô" in jedem Fall - nämlich ungewöhnlich und mit ca. 20 Stunden Spielzeit (ohne Lösung versteht sich!) von mittlerer Spieldauer.

 

Bewertung: 75 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Pentium II /AMD 333
  • WIN 98/ME/2000/XP
  • 64 MB RAM
  • 810 MB freier Speicherplatz auf der Festplatte
  • 8-fach CDROM-Laufwerk
  • Soundblaster 16bits-kompatible Soundkarte
  • Grafikkarte mit Tausenden Farben
  • DirectX 7.0 (mitgeliefert)

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 22. Mai 2003

 

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Salammbô
Salammbô

 

Einstiegsmenü
Einstiegsmenü

 

Mathô - Anführer der Söldner
Mathô - Anführer der Söldner

 

Das Journal
Das Journal


Bei Rätsellösung gibt's meist einen Film
Bei Rätsellösung gibt's meist einen Film

 

Die Karte
Die Karte



Reittiere
Reittiere

 

Ein bestimmter Farbton muß gemischt werden
Ein bestimmter Farbton muß gemischt werden

 

Hauptmann Autharite
Hauptmann Autharite

 

Ladebildschirm
Ladebildschirm



Kommt schneller als man denkt
Kommt schneller als man denkt



Bogenschießen ist sehr leicht
Bogenschießen ist sehr leicht

 

Die Trinkwasserleitung
Die Trinkwasserleitung

In Karthago gibt's an jeder Ecke eine Karte "You are HERE"
In Karthago gibt's an jeder Ecke eine Karte "You are HERE"

Am Tresen gibt's Informationen
Am Tresen gibt's Informationen

 

Schäferstündchen des Schatzmeisters Hannon
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Nahe dem Ziel - im Tempel der Tanith
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