Handlung
Eigentlich sind es ja mehrere kleine Nachfolger auf einmal, denn
auch Season One ist auf Englisch ja wieder in einzelne Folgen bereits per Download
angeboten worden. Ich hingegen hatte wenig Lust auf derlei runtergeladenes Stückelwerk
und habe lieber auf die deutsche Vollversion gewartet. Erstens habe ich keine Lust, ein
Spiel auf einen Datenträger fragwürdiger Qualität selber zu brennen, zweitens auch
wenig Interesse, meine Daten an die Spieleindustrie weiterzugeben, wenn es nicht unbedingt
sein muss und drittens Spiele permanent nur als kleine Happen gehäckselt vorgesetzt zu
bekommen. Genau so wurde ja schon zuletzt mit dem niedlichen Bone-Adventure vom selben
Hersteller verfahren, dessen Fortsetzung nach den ersten zwei Folgen ja auch schon länger
auf sich warten lässt. Glücklicherweise folgen dem, was sich vor einiger Zeit als
unschöner Trend andeutete, nur die wenigsten Adventure-Hersteller und veröffentlichen
weiterhin direkt Disk-Versionen im Karton und mit Handbuch.
Aber das Warten hat sich gelohnt, denn jetzt ist die erste Staffel
von Sam and Max ja als Vollversion auf Deutsch erschienen. Das heißt, hier werden die
ersten sechs Folgen komplett auf einem Silberling im schmucken Papp-Karton präsentiert,
zudem mit einer tollen Dreingabe in Form eines Posters! Aber worum gehts überhaupt:
Season 1 besteht wie gesagt aus sechs einzelnen Kurzgeschichten,
welche auch in sich abgeschlossen sind und in denen die beiden Polizisten Sam und Max
jeweils einen Fall zu lösen haben. Daher steht uns neben der Gegend rund ums Büro immer
nur ein weiterer aus wenigen Räumen bestehender Ort zur Verfügung.
Im ersten Fall machen uns die Limo Lauser - penetrante erwachsen
gewordene Kinderstars das Leben schwer. In der zweiten Folge begeben wir uns in ein
Filmstudio, wo wir der besessenen Talkshow-Moderatorin Myra gegenüberstehen. In Folge
drei müssen wir uns ins Hauptquartier der Spielzeugmafia schleusen, um dort dem Boss das
Handwerk zu legen. Ab dem vierten Fall wirds immer irrer. Sam und Max begeben sich
zum Weißen Haus. Dort stehen wir einer riesigen lebendig gewordenen Statue von Abraham
Lincoln gegenüber, der von einem Wahnsinnigen als Spielball der Macht missbraucht wird.
Die fünfte ist meine Lieblingsfolge. Hier ist das Internet unser Gegner. Dieses bedroht
die Menschheit. Dazu können wir mittels einer Cyberbrille permanent zwischen der reale
Welt und einer abstrakten Parallelwelt hin und her wechseln. Diese ist genau so aufgebaut
wie die richtige Welt, sieht aber völlig anders aus und hat ihre eigene Naturgesetze.
Cool!
Für den sechsten Fall müssen wir uns mit unserem Desoto auf den
Mond begeben. Dort will unser Gegner die Welt per Massenhypnose beherrschen.
Die Spielzeit jeder Folge variiert natürlich je nach Tempo des
Spielers zwischen vielleicht knapp drei bis ca. fünf Stunden. Zwischen den einzelnen
Folgen bestehen immer Zusammenhänge - mal mehr und mal weniger. So tauchen neben einigen
Handlungselementen, z.B. die Figuren der vorangegangenen Folgen in den jeweils neuen
Folgen auf. Da freut sich der Spieler, wenn er bereits gesehene Charaktere wiedererkennt
und der Hersteller spart Entwicklungsarbeit und kosten, wenn er nicht so viele neue
Figuren erschaffen muss.
Wenn eine Serie so lange ruht und dann wieder von teilweise anderen
Leuten aufbereitet wird, kann es schnell passieren, dass der Spirit von damals weg ist. So
geschehen etwa bei Simon the Sorcerer 4 vom letzten Jahr. Das war wirklich richtig gut,
aber bis auf wenige Elemente, wie die Grundcharaktere, war das Spiel vom Flair her im
Endeffekt ein ganz anderes.
In diesem Fall muss ich aber sagen, dass Sam & Max 2007
tatsächlich ziemlich da anknüpft, wo sie 1993 aufgehört haben. Sicherlich auch, da
Lucas Arts Legende Dave Grossman maßgeblich beteiligt ist. Und auch Purcell selber taucht
in der Liste der Beteiligten auf. Das Ergebnis ist, dass das, was Sam & Max am meisten
ausmacht, erhalten geblieben ist. Und das wäre der skurrile, schwarze Humor, die herrlich
unsinnigen Dialoge und die durchgeknallten Stories. Grossman selbst ist übrigens für
viele LucasArts-Klassiker verantwortlich - beim Original-Sam & Max hit the Road war er
damals aber nicht beteiligt.
Besonderen Wert wurde auf die Ausarbeitung der Charaktere gelegt.
Speziell die sympathische Sybil, die in jeder Folge in einer neuen unrealistischen
Geschäftsideen aufgeht und mit voller Überzeugung von ihrem aktuellen unsinnigen Projekt
erzählt, hat es mir in Season One angetan.
Sound
Nicht zuletzt maßgebend für den gelungenen Auftritt von Sam &
Max, Sybil, Bosco und Co. ist natürlich die deutsche Lokalisation. Ohne die vorzügliche
deutsche Synchronisation wäre Season One nur halb so lustig.
Die Musik weiß durch Jazz zu gefallen, und zwar jeder Menge Jazz
und in sämtlichen Spielarten ich bin begeistert! Und wie es scheint, hat man keine
Kosten und Mühen gescheut und die Songs speziell für das Spiel geschrieben und
eingespielt. Zumindest sind im Abspann additional musicans" an Saxophon,
Trompete und anderen Instrumenten aufgeführt. Das Intro wartet z.B. mit einem rasanten
Big-Band-Track auf und der Dixiland-angehauchte Sound in der Spielhölle gibt der
Situation etwas beschwingt-Irres. Daneben gibt es aber auch noch andere Arten der
Hintergrundbeschallung. Auf dem Mond gibt es einen spacigen, leicht
Star-Treck-inspirierten Track und für die Folge im Internet wird das Grundthema mit
elektronischen Instrumenten eingespielt.
Die Grafik eine runde Sache
Dass Sam & Max auch optisch richtig ansprechend werden wird,
hatte ich ehrlich gesagt schon vermutet, da Telltale ja bereits die Comic-Serie Bone
wunderbar als Adventure aufbereitet haben. Sie verstehen sich wirklich in schöner
dreidimensionaler Comic-Grafik. Und Sam & Max 2007 sieht tatsächlich aus wie die
perfekte Weiterführung des alten Lucas-ArtsSpiels in 3D. Ich vermute, selbst der
kritischste Die-Hard-Fan, dessen Lebensinhalt einzig und alleine auf diese Serie
ausgerichtet ist, dürfte, was die Optik anbelangt, kaum was zu meckern finden. Man merkt,
dass das Spiel von der Machart und der Qualität her vom selben Hersteller gestaltet
wurde, der auch für die Bone-Serie verantwortlich war - die beiden Serien wirken wie
aus einem Guss". Nur dass Sam & Max, da etwas aktueller, grafisch sogar
noch etwas besser geworden ist.
Vergleicht man das Spiel mit dem bekanntermaßen enorm aufwändig in
Szene gesetzten Jack Keane, sind die Orte vielleicht etwas weniger mit Details
ausgeschmückt, dafür aber auch übersichtlicher gestaltet, während die
dreidimensionalen Figuren und Gegenstände sogar noch ein ganz kleines bisschen runder und
perfekt als von der Konkurrenz wirken. Aber ansonsten lassen sich die völlig
unterschiedlichen Spiele auch gar nicht weiter miteinander vergleichen also genug
davon. Zumindest beweist auch dieses Spiel, dass die Zeit von klotzigen 3D-Figuren
endgültig vorbei ist. Die Mimik und Bewegungen der Figuren sind ebenfalls hervorragend
umgesetzt. Sam läuft und turnt die ganze Zeit rum oder er macht Faxen. Wenn Max Sam im
Weg steht, haut Max ihn zur Seite, der dann mit einem Huuiii" in die Luft
fliegt. Besonders gut ausgearbeitet ist auch die Mimik der meisten Charaktere, die über
ein breites Spektrum von gekonnt animierten Gesichtszügen verfügen.
Rätsel
Hier gibt es anfangs die größten Unterschiede zum Vorgängerspiel
zu vermerken, denn was den Schwierigkeitsgrad anbelangt, hat man zunächst etwas
abgespeckt. Dieser ist in den ersten drei Folgen zunächst mal mehr und mal weniger
moderat und nur gelegentlich mal höher. Ab der vierten Folge werden die Rätsel aber auch
langsam abstrakter und haben es teilweise ganz schön in sich.
Die Aufgaben an sich sind vielfältig: Es gibt einige
Multiple-Choice-Dialoge, wobei es hier gilt, die richtige Auswahl zu treffen. Teilweise
müssen wir dabei zwischen Sam und Max hin- und herschalten, um mit der richtigen Figur
die richtige Antwortmöglichkeit zu wählen. Überhaupt sind die Dialoge ausgesprochen
abwechslungsreich. Man wird nicht immer mit den gleichen Standardsätzen abgefertigt,
sondern Sam & Max haben oft ein großes Repertoire von verschiedenen Bemerkungen zu
einem Gegenstand drauf.
Bei den objektbezogenen Rätseln haben wir meistens nicht viel mehr
als etwa fünf Gegenstände in unserem Inventar, die man anwenden kann. Ed gibt jede Menge
witzige Ideen wie den Gast" (oder sollte ich besser schreiben
Polizisten-Kollegen"?), der ab der dritten Folge im Inventar zur Hilfe bereit
steht.
Neben dem einen oder anderen Minispielchen oder einer Situation, in
der man schnell reagieren muss, finden wir, wie beim Vorgänger, in jeder Folge kleine
Verfolgungsjagden auf dem Highway. Sie sind wirklich kurz, einfach und machen Spaß. Sie
haben aber generell mehr mit Logik als mit einem flinken Finger zu tun.
Handhabung
Bis in die jüngste Vergangenheit hinein wurden immer wieder andere
Steuerungen als Point & Click ausprobiert. Manches Adventure wurde durch die
merkwürdigsten Tastatursteuerungen schon unspielbar und nur selten gelang es, dass diese
ebenso gut funktionierte oder dass das Spiel durch zusätzliche Funktionen sogar noch
bereichert wurde. Freuen wir uns also, dass man sich auch in Punkto Steuerung bei Sam
& Max am Original orientiert hat und wie dieses (wie nach wie vor die meisten
Adventures) mit einer solchen Handhabung ausgestattet ist.
Das heißt also, dass sich der Cursor wie gewohnt verändert, wenn
wir über einen Hotspot, also über Gegenstände oder Figuren fahren, mit denen wir
interagieren können. Wie man einen Gegenstand benutzt, also ob man ihn anschaut oder in
sein Inventar steckt oder ob die beiden Helden nur einen ihrer zynischen Kommentare
abgeben, kann man nicht selber entscheiden, sondern das erfolgt automatisch. Gleiches gilt
für Personen. Wählt man diese mit dem Cursor an, gibt es nur eine Möglichkeit der
Interaktion. Meistens gelangen wir dann direkt in einen Gesprächsmodus. Ich finde es
ehrlich gesagt etwas schade, wenn man nicht mehrere Möglichkeiten zur freien
Entscheidung, also etwa Betrachten" ODER Nehmen" ODER
Benutzen" zur Auswahl hat, da die Interaktionsmöglichkeiten dadurch etwas
eingeschränkt werden. Daher benötigen wir auch nur das linke Mauseohr, während das
rechte nur zum Abbrechen der Dialoge sowie der Beschreibungen der Inventargegenstände
dient.
Etwas langatmig gestaltet sich das Laufen, da es keine Rennfunktion
gibt oder der Ausgang auch nicht per Doppelklick auf selbigem direkt erreicht wird. Wählt
man ein Ziel, dann trabt Sam gemütlich dorthin. Dankbarerweise sind die Wege im Spiel
aber nie allzu lang. Klickt man die Kiste unten an, purzeln die zu verwendenden
Gegenstände heraus, wie man es kennt. Klickt man das halbe Zahnrad am oberen
Bildschirmrand an, erscheint das Menü, in dem wir speichern und laden, Grafikoptionen
vornehmen, sowie die Lautstärke getrennt nach Sprache, Musik und Geräuschen justieren
können. So soll es sein. Von hier aus könne wir auch die vermutlich wichtigste
Funktionen des gesamten Spiels, den Warp-Antrieb einschalten.
Das Speichern und Laden erfolgt über einfaches Anwählen der
Speicherfelder. Dort erscheint dann ein gut zu erkennender Screenshot des aktuellen
Aufenthaltorts. Es gibt genügend Saves für jede einzelne verhältnismäßig kurze Folge.
Fazit
Nach etwa 13 Jahren darf mit dem offiziellen Nachfolger endlich
wieder gekalauert werden, was das Zeug hält. Denn der Humor in Sam & Max ist nicht
fein ziseliert sondern ausgelassen, schwarz, skurril und kommt mit der Brechstange. Wer
den ersten Teil von 1993 mag, wird diesbezüglich auch an der First Season, also der
ersten Staffel seine Freude haben. Denn da knüpft die Reihe mehr oder weniger nahtlos an.
Vermutlich nicht zuletzt wegen Dave Grossman, der schon bei vielen großen Lucas Arts
Klassikern wie Monkey Island oder Day of the Tentacle dabei war und jetzt auch bei Season
One maßgeblich beteiligt ist. Und auch Steve Purcell selbst taucht in Vorspann auf.
Die Grafik weiß wie von Telltale nicht anders zu erwarten zu
begeistern und ist eine nahezu perfekte Fortsetzung des Klassikers in 3D. Die Rätsel sind
anfangs oft auf einem moderatem, meistens gut lösbaren Schwierigkeitsgrad. Ab der vierten
Folge wird es aber auch schwieriger, da die Rätsel von Folge zu Folge parallel zur
Handlung immer abstruser werden. Grundsätzlich ist hier eher Phantasie als logisches
Denken gefragt. Einzig und alleine die Orte, die Sam & Max aufsuchen können, sind
recht limitiert. Ich hätte mir vielleicht ein paar Locations mehr gewünscht, um den
einzelnen Teilen etwas mehr Abwechslung zu geben. Ansonsten bleiben aber keine Wünsche
offen und so steht einer äußerst positiven Endbewertung nichts im Wege.