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Sam & Max Season 1


Erscheinungsdatum: 08/2007
Entwickler: Telltale Games
Publisher: The Adventure Company/Jowood/CDV
Spielsprache: Deutsch

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Boxshots

USK ab 12 Jahren
PEGI: 12+

 

 

Ein Review von   André   25. Oktober 2007


Lucas Arts ist ja schon lange tot bzw. zumindest scheintot. Denn es ist momentan fragwürdig, ob sich die einst so innovative und maßgebliche Spieleschmiede nach den vielen Jahren jemals wieder zu einem Comeback im Adventurebereich berappeln wird. Die Nachwirkungen sind aber noch heute zu spüren: Immer wieder erscheinen zahlreiche selbstgeschriebene Fanadventures von Monkey Island, Zak Mak Kracken und Co. oder Spiele wie das brillante Jack Keane von Tentacle(!)-Studios bzw. Deck13, das im positiven Sinne den Flair der alten Spiele aufgesogen hat und mit Zitaten gespickt ist. Jetzt erscheint bei Jowood/Telltale mit Sam & Max nach langer, langer Zeit der Nachfolger des legendären Lucas Arts-Spiels.

 

Handlung

Eigentlich sind es ja mehrere kleine Nachfolger auf einmal, denn auch Season One ist auf Englisch ja wieder in einzelne Folgen bereits per Download angeboten worden. Ich hingegen hatte wenig Lust auf derlei runtergeladenes Stückelwerk und habe lieber auf die deutsche Vollversion gewartet. Erstens habe ich keine Lust, ein Spiel auf einen Datenträger fragwürdiger Qualität selber zu brennen, zweitens auch wenig Interesse, meine Daten an die Spieleindustrie weiterzugeben, wenn es nicht unbedingt sein muss und drittens Spiele permanent nur als kleine Happen gehäckselt vorgesetzt zu bekommen. Genau so wurde ja schon zuletzt mit dem niedlichen Bone-Adventure vom selben Hersteller verfahren, dessen Fortsetzung nach den ersten zwei Folgen ja auch schon länger auf sich warten lässt. Glücklicherweise folgen dem, was sich vor einiger Zeit als unschöner Trend andeutete, nur die wenigsten Adventure-Hersteller und veröffentlichen weiterhin direkt Disk-Versionen im Karton und mit Handbuch.

Aber das Warten hat sich gelohnt, denn jetzt ist die erste Staffel von Sam and Max ja als Vollversion auf Deutsch erschienen. Das heißt, hier werden die ersten sechs Folgen komplett auf einem Silberling im schmucken Papp-Karton präsentiert, zudem mit einer tollen Dreingabe in Form eines Posters! Aber worum geht’s überhaupt:

Season 1 besteht wie gesagt aus sechs einzelnen Kurzgeschichten, welche auch in sich abgeschlossen sind und in denen die beiden Polizisten Sam und Max jeweils einen Fall zu lösen haben. Daher steht uns neben der Gegend rund ums Büro immer nur ein weiterer aus wenigen Räumen bestehender Ort zur Verfügung.

Im ersten Fall machen uns die Limo Lauser - penetrante erwachsen gewordene Kinderstars das Leben schwer. In der zweiten Folge begeben wir uns in ein Filmstudio, wo wir der besessenen Talkshow-Moderatorin Myra gegenüberstehen. In Folge drei müssen wir uns ins Hauptquartier der Spielzeugmafia schleusen, um dort dem Boss das Handwerk zu legen. Ab dem vierten Fall wird’s immer irrer. Sam und Max begeben sich zum Weißen Haus. Dort stehen wir einer riesigen lebendig gewordenen Statue von Abraham Lincoln gegenüber, der von einem Wahnsinnigen als Spielball der Macht missbraucht wird. Die fünfte ist meine Lieblingsfolge. Hier ist das Internet unser Gegner. Dieses bedroht die Menschheit. Dazu können wir mittels einer Cyberbrille permanent zwischen der reale Welt und einer abstrakten Parallelwelt hin und her wechseln. Diese ist genau so aufgebaut wie die richtige Welt, sieht aber völlig anders aus und hat ihre eigene Naturgesetze. Cool!

Für den sechsten Fall müssen wir uns mit unserem Desoto auf den Mond begeben. Dort will unser Gegner die Welt per Massenhypnose beherrschen.

Die Spielzeit jeder Folge variiert natürlich je nach Tempo des Spielers zwischen vielleicht knapp drei bis ca. fünf Stunden. Zwischen den einzelnen Folgen bestehen immer Zusammenhänge - mal mehr und mal weniger. So tauchen neben einigen Handlungselementen, z.B. die Figuren der vorangegangenen Folgen in den jeweils neuen Folgen auf. Da freut sich der Spieler, wenn er bereits gesehene Charaktere wiedererkennt und der Hersteller spart Entwicklungsarbeit und –kosten, wenn er nicht so viele neue Figuren erschaffen muss.

Wenn eine Serie so lange ruht und dann wieder von teilweise anderen Leuten aufbereitet wird, kann es schnell passieren, dass der Spirit von damals weg ist. So geschehen etwa bei Simon the Sorcerer 4 vom letzten Jahr. Das war wirklich richtig gut, aber bis auf wenige Elemente, wie die Grundcharaktere, war das Spiel vom Flair her im Endeffekt ein ganz anderes.

In diesem Fall muss ich aber sagen, dass Sam & Max 2007 tatsächlich ziemlich da anknüpft, wo sie 1993 aufgehört haben. Sicherlich auch, da Lucas Arts Legende Dave Grossman maßgeblich beteiligt ist. Und auch Purcell selber taucht in der Liste der Beteiligten auf. Das Ergebnis ist, dass das, was Sam & Max am meisten ausmacht, erhalten geblieben ist. Und das wäre der skurrile, schwarze Humor, die herrlich unsinnigen Dialoge und die durchgeknallten Stories. Grossman selbst ist übrigens für viele LucasArts-Klassiker verantwortlich - beim Original-Sam & Max hit the Road war er damals aber nicht beteiligt.

Besonderen Wert wurde auf die Ausarbeitung der Charaktere gelegt. Speziell die sympathische Sybil, die in jeder Folge in einer neuen unrealistischen Geschäftsideen aufgeht und mit voller Überzeugung von ihrem aktuellen unsinnigen Projekt erzählt, hat es mir in Season One angetan.

 

Sound

Nicht zuletzt maßgebend für den gelungenen Auftritt von Sam & Max, Sybil, Bosco und Co. ist natürlich die deutsche Lokalisation. Ohne die vorzügliche deutsche Synchronisation wäre Season One nur halb so lustig.

Die Musik weiß durch Jazz zu gefallen, und zwar jeder Menge Jazz und in sämtlichen Spielarten – ich bin begeistert! Und wie es scheint, hat man keine Kosten und Mühen gescheut und die Songs speziell für das Spiel geschrieben und eingespielt. Zumindest sind im Abspann „additional musicans" an Saxophon, Trompete und anderen Instrumenten aufgeführt. Das Intro wartet z.B. mit einem rasanten Big-Band-Track auf und der Dixiland-angehauchte Sound in der Spielhölle gibt der Situation etwas beschwingt-Irres. Daneben gibt es aber auch noch andere Arten der Hintergrundbeschallung. Auf dem Mond gibt es einen spacigen, leicht Star-Treck-inspirierten Track und für die Folge im Internet wird das Grundthema mit elektronischen Instrumenten eingespielt.

 

Die Grafik – eine runde Sache

Dass Sam & Max auch optisch richtig ansprechend werden wird, hatte ich ehrlich gesagt schon vermutet, da Telltale ja bereits die Comic-Serie Bone wunderbar als Adventure aufbereitet haben. Sie verstehen sich wirklich in schöner dreidimensionaler Comic-Grafik. Und Sam & Max 2007 sieht tatsächlich aus wie die perfekte Weiterführung des alten Lucas-Arts–Spiels in 3D. Ich vermute, selbst der kritischste Die-Hard-Fan, dessen Lebensinhalt einzig und alleine auf diese Serie ausgerichtet ist, dürfte, was die Optik anbelangt, kaum was zu meckern finden. Man merkt, dass das Spiel von der Machart und der Qualität her vom selben Hersteller gestaltet wurde, der auch für die Bone-Serie verantwortlich war - die beiden Serien wirken wie „aus einem Guss". Nur dass Sam & Max, da etwas aktueller, grafisch sogar noch etwas besser geworden ist.

Vergleicht man das Spiel mit dem bekanntermaßen enorm aufwändig in Szene gesetzten Jack Keane, sind die Orte vielleicht etwas weniger mit Details ausgeschmückt, dafür aber auch übersichtlicher gestaltet, während die dreidimensionalen Figuren und Gegenstände sogar noch ein ganz kleines bisschen runder und perfekt als von der Konkurrenz wirken. Aber ansonsten lassen sich die völlig unterschiedlichen Spiele auch gar nicht weiter miteinander vergleichen – also genug davon. Zumindest beweist auch dieses Spiel, dass die Zeit von klotzigen 3D-Figuren endgültig vorbei ist. Die Mimik und Bewegungen der Figuren sind ebenfalls hervorragend umgesetzt. Sam läuft und turnt die ganze Zeit rum oder er macht Faxen. Wenn Max Sam im Weg steht, haut Max ihn zur Seite, der dann mit einem „Huuiii" in die Luft fliegt. Besonders gut ausgearbeitet ist auch die Mimik der meisten Charaktere, die über ein breites Spektrum von gekonnt animierten Gesichtszügen verfügen.

 

Rätsel

Hier gibt es anfangs die größten Unterschiede zum Vorgängerspiel zu vermerken, denn was den Schwierigkeitsgrad anbelangt, hat man zunächst etwas abgespeckt. Dieser ist in den ersten drei Folgen zunächst mal mehr und mal weniger moderat und nur gelegentlich mal höher. Ab der vierten Folge werden die Rätsel aber auch langsam abstrakter und haben es teilweise ganz schön in sich.

Die Aufgaben an sich sind vielfältig: Es gibt einige Multiple-Choice-Dialoge, wobei es hier gilt, die richtige Auswahl zu treffen. Teilweise müssen wir dabei zwischen Sam und Max hin- und herschalten, um mit der richtigen Figur die richtige Antwortmöglichkeit zu wählen. Überhaupt sind die Dialoge ausgesprochen abwechslungsreich. Man wird nicht immer mit den gleichen Standardsätzen abgefertigt, sondern Sam & Max haben oft ein großes Repertoire von verschiedenen Bemerkungen zu einem Gegenstand drauf.

Bei den objektbezogenen Rätseln haben wir meistens nicht viel mehr als etwa fünf Gegenstände in unserem Inventar, die man anwenden kann. Ed gibt jede Menge witzige Ideen wie den „Gast" (oder sollte ich besser schreiben „Polizisten-Kollegen"?), der ab der dritten Folge im Inventar zur Hilfe bereit steht.

Neben dem einen oder anderen Minispielchen oder einer Situation, in der man schnell reagieren muss, finden wir, wie beim Vorgänger, in jeder Folge kleine Verfolgungsjagden auf dem Highway. Sie sind wirklich kurz, einfach und machen Spaß. Sie haben aber generell mehr mit Logik als mit einem flinken Finger zu tun.

 

Handhabung

Bis in die jüngste Vergangenheit hinein wurden immer wieder andere Steuerungen als Point & Click ausprobiert. Manches Adventure wurde durch die merkwürdigsten Tastatursteuerungen schon unspielbar und nur selten gelang es, dass diese ebenso gut funktionierte oder dass das Spiel durch zusätzliche Funktionen sogar noch bereichert wurde. Freuen wir uns also, dass man sich auch in Punkto Steuerung bei Sam & Max am Original orientiert hat und wie dieses (wie nach wie vor die meisten Adventures) mit einer solchen Handhabung ausgestattet ist.

Das heißt also, dass sich der Cursor wie gewohnt verändert, wenn wir über einen Hotspot, also über Gegenstände oder Figuren fahren, mit denen wir interagieren können. Wie man einen Gegenstand benutzt, also ob man ihn anschaut oder in sein Inventar steckt oder ob die beiden Helden nur einen ihrer zynischen Kommentare abgeben, kann man nicht selber entscheiden, sondern das erfolgt automatisch. Gleiches gilt für Personen. Wählt man diese mit dem Cursor an, gibt es nur eine Möglichkeit der Interaktion. Meistens gelangen wir dann direkt in einen Gesprächsmodus. Ich finde es ehrlich gesagt etwas schade, wenn man nicht mehrere Möglichkeiten zur freien Entscheidung, also etwa „Betrachten" ODER „Nehmen" ODER „Benutzen" zur Auswahl hat, da die Interaktionsmöglichkeiten dadurch etwas eingeschränkt werden. Daher benötigen wir auch nur das linke Mauseohr, während das rechte nur zum Abbrechen der Dialoge sowie der Beschreibungen der Inventargegenstände dient.

Etwas langatmig gestaltet sich das Laufen, da es keine Rennfunktion gibt oder der Ausgang auch nicht per Doppelklick auf selbigem direkt erreicht wird. Wählt man ein Ziel, dann trabt Sam gemütlich dorthin. Dankbarerweise sind die Wege im Spiel aber nie allzu lang. Klickt man die Kiste unten an, purzeln die zu verwendenden Gegenstände heraus, wie man es kennt. Klickt man das halbe Zahnrad am oberen Bildschirmrand an, erscheint das Menü, in dem wir speichern und laden, Grafikoptionen vornehmen, sowie die Lautstärke getrennt nach Sprache, Musik und Geräuschen justieren können. So soll es sein. Von hier aus könne wir auch die vermutlich wichtigste Funktionen des gesamten Spiels, den Warp-Antrieb einschalten.

Das Speichern und Laden erfolgt über einfaches Anwählen der Speicherfelder. Dort erscheint dann ein gut zu erkennender Screenshot des aktuellen Aufenthaltorts. Es gibt genügend Saves für jede einzelne verhältnismäßig kurze Folge.

 

Fazit

Nach etwa 13 Jahren darf mit dem offiziellen Nachfolger endlich wieder gekalauert werden, was das Zeug hält. Denn der Humor in Sam & Max ist nicht fein ziseliert sondern ausgelassen, schwarz, skurril und kommt mit der Brechstange. Wer den ersten Teil von 1993 mag, wird diesbezüglich auch an der First Season, also der ersten Staffel seine Freude haben. Denn da knüpft die Reihe mehr oder weniger nahtlos an. Vermutlich nicht zuletzt wegen Dave Grossman, der schon bei vielen großen Lucas Arts Klassikern wie Monkey Island oder Day of the Tentacle dabei war und jetzt auch bei Season One maßgeblich beteiligt ist. Und auch Steve Purcell selbst taucht in Vorspann auf.

Die Grafik weiß wie von Telltale nicht anders zu erwarten zu begeistern und ist eine nahezu perfekte Fortsetzung des Klassikers in 3D. Die Rätsel sind anfangs oft auf einem moderatem, meistens gut lösbaren Schwierigkeitsgrad. Ab der vierten Folge wird es aber auch schwieriger, da die Rätsel von Folge zu Folge parallel zur Handlung immer abstruser werden. Grundsätzlich ist hier eher Phantasie als logisches Denken gefragt. Einzig und alleine die Orte, die Sam & Max aufsuchen können, sind recht limitiert. Ich hätte mir vielleicht ein paar Locations mehr gewünscht, um den einzelnen Teilen etwas mehr Abwechslung zu geben. Ansonsten bleiben aber keine Wünsche offen und so steht einer äußerst positiven Endbewertung nichts im Wege.


Gesamtwertung: 85%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows XP/Vista 32Bit
  • 256 MB RAM
  • Intel Pentium 4 mit 1,5 GHz
  • 3D-Grafikkarte mit 32 MB
  • 1,5 GB freier Festplattenspeicher
  • DVD-Laufwerk

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

Ein erstklassiger Vorspann für ein ebensolches Spiel!
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Sam
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Max
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Halbelf Bosco
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...und bei Nacht
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Der Anfangsbildschirm
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Auf dem Mond
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Boscos Mutti
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Das Büro
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Copyright © André für Adventure-Archiv, 25. Oktober 2007

 

 

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