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Sherlock Holmes Lost Files -
Case 1:The Serrated Scalpel


Erscheinungsdatum: 1992

Entwickler: Mythos Software
Publisher: Electronic Arts

Boxshots

Spielsprache getestete Version: Deutsch

 

USK: Die USK gibt es erst seit 1994, daher keine Einstufung

 

 

Ein Review von  Sherlock   17. April 2007

 

Dies ist die allererste PC-Adventure-Umsetzung der Abenteuer des von Sir Arthur Conan Doyle erfundenen Meisterdetektivs. Das Spiel ist bereits 15 Jahre alt und war bisher nur schwer zum Laufen zu bringen, aber dank des neueren Emulators DosBox kann man auch diesem Schätzchen auf dem PC zu neuem Leben verhelfen. Es gibt insgesamt vier Versionen des Spiels, die in Deutschland zu erstehen waren. Da wären jeweils eine Disketten-Version auf Deutsch und auf Englisch und jeweils eine CD-Version auf Deutsch und auf Englisch. Die CD-Versionen sind jedoch sehr selten und so gut wie gar nicht zu bekommen. Wenn man dann das Glück hat, eine solche CD-Version bei Ebay zu finden, kostet diese gleich entsprechend ein halbes Vermögen. Ich habe mir dieses alten Klassiker mal für Euch vorgenommen.

 

Story

Eine junge Schauspielerin wird am Hintereingang eines Theaters ermordet. Alles deutet darauf hin, dass dies das Werk von Jack the Ripper ist. Dies glaubt auch Scotland Yard, aber Sherlock Holmes und sein altbewährter Freund und Helfer Dr. Watson haben eine andere Theorie ... Die Wunden des Opfers weisen auf eine gezackte Klinge hin - völlig untypisch für den Ripper. Wie sich bald herausstellt, sollten die beiden Gefährten Recht behalten. Nun gilt es, ein Netz aus Liebe, Intrige, Neid und Eifersucht zu entwirren.

 

Installation

Mein momentaner Rechner verfügt über kein Diskettenlaufwerk. Zusätzlich zur Diskettenversion hatte ich aber das Glück, sämtliche Disketten auf CD gebrannt dazu zu bekommen. Es gibt auch eine deutsche CD-Version des Spiels, aber diese ist nur sehr schwer zu bekommen. Nichtsdestotrotz verlief die Installation ohne Probleme. Disketten sowie CD sind zum Spielen nicht erforderlich. Das Spiel wurde von mir mittels DosBox völlig ruckelfrei und ohne Probleme gespielt.

 

Menüs

Es gibt kein Startmenü. Das Spiel startet direkt immer mit der Mordszene hinterm Theater und dann in der Baker Street 221B. Von dort erst lässt sich das Speicher- und Lademenü aufrufen. Jede Sequenz kann aber durch Drücken der ESC-Taste abgebrochen werden. Es gibt 30 Speicherplätze, die auch bei weitem ausreichen. Im Optionsmenü lassen sich auch Musik- und Soundlautstärke einstellen. Damit ist zum Thema Menüs auch alles gesagt.

 

Steuerung

Gespielt wird in guter alter Point & Click Manier im 3rd Person Stil. Die Steuerung gestaltet sich sehr simpel. Ähnlich wie bei den LucasArts-Vorbildern befinden sich am unteren Bildschirmrand Befehle, die auf die jeweiligen Gegenstände angewandt werden müssen. Bei Klick auf die Benutzen-Schaltfläche öffnet sich das Inventar automatisch. Man kann das Inventar aber auch durch Klick auf die Inventar-Schaltfläche aufrufen. Die Tastatur wird nur im unten beschriebenen Dart-Duell benötigt.

Im Spiel verlassen unser Meisterdetektiv und sein treuer Begleiter London nicht. Es gibt aber auch innerhalb von London viele Schauplätze, die es abzugrasen gilt. Diese Orte erreichen wir über eine groß angelegte Karte, auf der die Schauplätze in Form von Symbolen ersichtlich sind. Wird ein solches Symbol angeklickt, sehen wir, wie eine Kutsche von dem bisherigen Ort zu diesem neuen fährt.

 

Hotspots/Inventar/Dialoge

Ein Nachteil in diesem Sherlock Holmes-Fall ist das häufige Pixelhunting! Wie so oft in älteren Spielen unterscheiden sich relevante Objekte nicht bzw. kaum von Irrelevanten. Beinahe alle Gegenstände in einem Raum können untersucht und/oder benutzt werden. Das Inventar wird über die Inventar-Schaltfläche am unteren Bildschirmrand aufgerufen. Durch Klick auf Schaltflächen links und rechts wird durchs Inventar gescrollt.

Dialoge werden im Multiple-Choice-Verfahren geführt. Oft kommt es vor, dass man, weil man es nicht besser weiß, falsche Antworten auf Fragen des Gegenüber gibt. Keine Sorge: Beim nächsten Gespräch fängt man wieder von vorn an und kann eine andere Gesprächsstrategie verfolgen, die dann hoffentlich zum Erfolg führt. Hat man mal etwas nicht richtig mitbekommen und muss dieses oder jenes aus Gesprächen nachlesen, kann das Notizbuch helfen, in das unser werter Dr. Watson sämtliche Gespräche aufnimmt.

 

Rätsel

Wer Schieberätsel liebt, für den ist dieses Spiel nicht wirklich optimal, weil es keine solchen gibt. Es gilt im gesamten Spiel, nur einige wenige Inventarrätsel zu lösen. Der Handlungsverlauf ist schnurgerade und für ein Spiel der damaligen Zeit zu linear, was heißt, dass man Aktionen immer in der richtigen Reihenfolge ausführen muss, um im Spiel voran zu kommen und weitere Hinweise zu entdecken.

Trotz dass Mr. Holmes einen so professionell ausgestatteten Labortisch in der Baker Street sein Eigen nennt, kommen wir im ganzen Spiel nur zweimal in den Genuss, diesen auch zu nutzen. Hier hätte ich mir wesentlich mehr Laborarbeit gewünscht, auch wenn sie sich in diesem Sherlock Holmes Spiel sehr viel schwieriger gestaltet als in vielen seiner Nachfolger.

In einer Kneipe am Hafen müssen wir insgesamt 4 Seemänner im Dart besiegen, um gewünschte Informationen aus dem Barkeeper zu bekommen. Das ganze gestaltet sich anfänglich recht ungewöhnlich. Man startet in der Großaufnahme der Dartscheibe per Druck auf eine beliebige Taste zuerst einen Balken am unteren Bildschirmrand. Durch einen weiteren Druck stoppt der Balken. Dasselbe macht man jetzt noch mit einem Balken am linken Bildschirmrand. Der Dartpfeil landen infolgedessen auf genau dem Punkt, wo sich diese beiden Balken auf der Dartscheibe schneiden. Nach ein paar Versuchen schafft man es ganz gut auch mal ein "Bulls-Eye" (50 Punkte) abzuräumen. Schwieriger gestaltet sich aber das Ende, wenn z.B. nur 11 Punkte übrigbleiben, die man dann irgendwie mit 3 Pfeilen abräumen muss, ohne diese 11 Punkte zu übersteigen. (Für Nicht-Dart-Spieler: Man startet in der Regel mit 301 Punkten und muss sich dann auf 0 runterarbeiten.)

Ansonsten besteht die Hauptaufgabe darin, durch geschickte Gesprächsführung Hinweise aus Verdächtigen und Zeugen herauszukitzeln, um im Spiel voran zu kommen.

In Actionsequenzen ergreifen Mr. Holmes und Dr. Watson selbst die Initiative, so dass man auch hier keine Fehler begehen oder gar sterben kann.

 

Grafik/Sound

Die Grafik kann heutige Maßstäbe nicht im Mindesten erfüllen. Die Gesichter sowie die Umgebung sind recht milchig und verschwommen. Sämtliche Akteure scheinen keine Lippen zu haben. Somit schneidet auch die Lippensynchronität eher schlecht ab. Der Grafik möchte ich aber nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken. Es ist selbstverständlich, dass ein 15 Jahre altes Spiel mit handgezeichneten Hintergründen nicht mit den heutigen Grafikstandards mithalten kann. Diese Grafiken wurden allerdings mit viel Liebe gezeichnet.

Der Sound kommt im für die damalige Zeit typischen Midi-Format daher, was ich als sehr angenehm empfand. Man fühlt sich sofort in die gute alte Zeit zurückversetzt. Sprachausgabe war nur in den Anfangs- und Schluss- sowie Schlüsselsequenzen vorhanden. Das war 1992 aber noch eine Seltenheit in Deutschland und somit war das Spiel seinerzeit ein Vorreiter.

 

Fazit

Dies war mein erstes Adventure auf einem PC. Die guten Erinnerungen, die ich 15 Jahre lang damit verband, konnte ich erneut erleben. Für mich ist und bleibt dieses Spiel gehobene Adventure-Kost, die ich sehr gern immer wieder erleben will. Durch den weltweiten Online-Marktplatz eBay bin ich auf dieses alte Schätzchen gestoßen und überglücklich, es jetzt wieder mein Eigen nennen zu können. Die Spielzeit bewegt sich im Rahmen von um die 15 Stunden. Leider ist der Preis bei einer solchen Rarität recht hoch. Ab 20 Euro kann man die deutsche Disketten-Version erstehen. Ab 30 Euro ist die deutsche CD-Version zu haben (wenn man die Geduld hat, bei Ebay auf ein solches Angebot zu warten).

Grafik sowie Sound erhalten nur wenig Einzug in meine Bewertung. Viel mehr störte mich das etwas umständliche Options- und Speichermenü. Die Rätsel sind immer logisch aufgebaut, so dass man an keiner Stelle den Anschluss verliert. Die Rätselkost variiert von "sehr einfach" bis "schwer", daher dürfte sich für jeden Geschmack etwas bieten. Wer also die Geduld mitbringt, Dialoge in Form von Bildschirmtexten (á la Monkey Island, nur mit weniger Humor) zu lesen, für denjenigen ist dieser Klassiker absolut empfehlenswert! Dieses Spiel braucht sich auf keinen Fall hinter den legendären LucasArts-Spielen der damaligen Zeit zu verstecken!

 

Wertung 85 %

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • DOS 3.0 oder höher
  • 386er mit 16 MHz
  • 640 K RAM
  • VGA-Grafikkarte
  • Soundblaster oder Kompatible
  • Double-Speed CD-ROM Laufwerk

 

Getestet auf:

  • Windows XP Servicepack 2 + DOS-Box
  • AMD Semperon 3000+ mit 2,0 GHz
  • 768 MB RAM
  • ATI RADEON 9250 Grafikkarte mit 128 MB RAM
  • DirectX 9.0 kompatible Soundkarte
  • 16-fach DVD-ROM Laufwerk

 

 

Copyright © sherlock für Adventure-Archiv, 17. April 2007

 

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Das Titelbild
Das Titelbild

 

Die Übersichtskarte von London - Mit einem Mausschwenk in andere Richtungen wird die Karte erweitert.
Die Übersichtskarte von London - Mit einem Mausschwenk in andere Richtungen wird die Karte erweitert.

 

Dialoge im guten alten Multiple-Choice-Verfahren
Dialoge im guten alten Multiple-Choice-Verfahren

 

Im Inneren der Baker Street 221B
Im Inneren der Baker Street 221B

 

Der Arbeitsplatz unseres Meisterdetektivs
Der Arbeitsplatz unseres Meisterdetektivs

 

Watson schreibt brav alle Gespräche nieder
Watson schreibt brav alle Gespräche nieder

 

Das Inventar
Das Inventar

 

Diese sportliche Ertüchtigung bringt uns weitere wichtige Hinweise ein.
Diese sportliche Ertüchtigung bringt uns weitere wichtige Hinweise ein.

 

Ein typisches Zimmer im Studentenwohnheim.
Ein typisches Zimmer im Studentenwohnheim.

 

Auch vor körperlicher Arbeit schreckt Mr. Holmes nicht zurück.
Auch vor körperlicher Arbeit schreckt Mr. Holmes nicht zurück.

 

Hier knüpfen wir den einen oder anderen Bösewicht auf.
Hier knüpfen wir den einen oder anderen Bösewicht auf.

 

Ein weiterer Mord. Oder war es doch ein Unfall?
Ein weiterer Mord. Oder war es doch ein Unfall?

 

Selbstmord ist doch keine Lösung!
Selbstmord ist doch keine Lösung!