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Sherlock Holmes -
The Case of the Silver Earring 




Erscheinungsdatum UK: 09/2004
Erscheinungsdatum Deutschland: vorr. 11/2004

Entwickler: Frogwares
Publisher: Digital Jesters

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Boxshots



Spielsprache und Handbuch getestete Version: Englisch

PEGI: 7+

 

Ein Review von slydos   08. September 2004

 

Basil Rathbone, der wohl beste Sherlock Holmes Darsteller, beschloß nach 14 Kinofilmen seiner Detektivrolle den Rücken zu kehren, weil er neben dem Wunsch nach Veränderung auch eine tiefe Abneigung gegen den Charakter des 'unfehlbaren' Detektivs entwickelt hatte. Das Publikum scheint hingegen niemals genug von Sherlock zu bekommen, der die Wissenschaft der Deduktion zur Meisterschaft gebracht hat. Wir Normalos können uns beim Lesen, Schauen und Spielen von seinen Detektivgeschichten immer ein klein wenig wie dieser geniale Geist fühlen. Und sollten wir beim Versuch, seine komplexen Gedankengänge nachzuvollziehen, mal nicht die richtigen Schlüsse ableiten, dann können wir uns 100%ig darauf verlassen, daß Sherlock Holmes uns alles haarklein mitteilen wird. Nicht nur seine Klienten schätzen diese Verläßlichkeit - wenn Sherlock Holmes einen Fall angenommen hat, ist er so gut wie gelöst - sondern auch wir Spieler und Hilfsdetektive. Wir können sicher sein, daß so gut wie keine Frage letztlich offen bleibt, das gibt uns bereits vorab ein gutes Gefühl.

Für Frogwares, das ukrainische Entwicklungsstudio, das uns bereits im Jahr 2002 ein Sherlock Holmes-Spiel servierte, schrieb ein echter Sherlock-Fan eine ganz neue Geschichte im Stil von Arthur Conan Doyle. Während im Vorgängerspiel, "Das Geheimnis der Mumie", der Detektiv nur in den Videoszenen zu sehen war und auch kein echtes Holmes-Feeling aufkommen konnte, wurde sein Nachfolger, "The Case of the Silver Earring", vollkommen neu konzipiert. Statt einsamer 1st-Person-Perspektive mit nur wenig Kontakt zu anderen Charakteren, schlüpfen wir diesmal in die Rolle des Detektivs und auch die seines Freundes Dr. Watson in 3rd-Person Perspektive und treffen eine Vielzahl betroffener und verwickelter Personen. Wenn notwendig, stellen wir auch noch so kleine Anhaltspunkte mit Lupe, Maßband und Reagenzglas sicher und lassen den Chronisten Watson alles in sein umfangreiches Notizbuch übertragen.

 

Geschichte

Sherlock Holmes und Dr. Watson nehmen an einer Party des erfolgreichen Baulöwen Sir Melvyn Bromsby teil, die er zur gesellschaftlichen Einführung seiner in der Schweiz erzogenen und eben 18 Jahre alt gewordenen Tochter gibt. Es ist gerade 11 Uhr abends an diesem denkwürdigen Abend im Oktober 1897, als Sir Bromsby vor die Anwesenden tritt, um eine Rede zu halten. Man erzählt sich, daß es eine wichtige Rede sein wird, die die Zukunft des Unternehmens betrifft. Aber als er gerade seine Gäste begrüßt, fällt ein Schuß, der den Hausherrn tödlich trifft. Holmes wartet natürlich nicht auf die Ankunft der Polizei, sondern nimmt die Ermittlungen sofort auf.

Ohne zuviel von der immer komplexer werdenden Geschichte zu verraten, sei gesagt, daß dies nicht das einzige Verbrechen bleiben wird. Holmes und Watson ermitteln in Zusammenarbeit mit der Londoner Polizei und Inspektor Lestrade, der sich wie so oft schnell auf die offensichtlichen Verdächtigen einschießt. Aber so einfach, wie es anfangs scheint, wird es weder für die Ermittler noch für die Spieler, denn die Spuren reichen sogar bis nach Südamerika und Indien. Auch der geniale Sherlock Holmes benötigt immerhin 5 Tage um alle Informationen für seine abschließende 20minütige Wer-hat's-getan-Rede zum Fall des silbernen Ohrrings zu sammeln.

 

Installation

Die 2 CDROMs und das englische Handbuch zum Spiel finden wir in einer DVD-Box. Das Spiel steckt zusammen mit einer weiteren DVD-Box mit dem Spielfilm "Sherlock Holmes and the Secret Weapon" in einem Kartoneinschub. Eine wirklich ausgezeichnete Beigabe, denn die Darsteller Basil Rathbone (Holmes) und Nigel Bruce (Watson) haben das Detektivduo bisher am besten verkörpert. ("Secret Weapon" ist wie die meisten ihrer Filme im Gegensatz zur literarischen Vorlage in der Gegenwart der 40er Jahre angesiedelt. Holmes kämpft darin gegen die Nazis und muß sich gleichzeitig mit seinem Erzfeind Moriaty auseinandersetzen. Wer den Film noch nicht kennen sollte - Holmes setzt in dieser Geschichte in besonderem Maße seine Fähigkeit zur Verkleidung und Verstellung ein.)

Die Installation von "The Silver Earring" (1,5 GB) läuft problemlos. Zum Schluß gibt's noch die Möglichkeit eine Testversion des Programms GameShadow zu installieren. GameShadow ist ein automatisches Spiele-/Patch-Aktualisierungsprogramm, das mit Vorsicht zu genießen ist. Zwar wird ausdrücklich jede Art von Spywareinstallation dabei ausgeschlossen, aber allein die Tatsache, daß man nicht weiß, welche Änderungen es vornimmt, reicht um davor zu warnen. Im Übrigen gehe ich davon aus, daß Spiele grundsätzlich immer noch so entwickelt werden, daß Patches nicht zur Standardausstattung gehören und ich bei einem eventuellen Einsatz selber entscheiden kann, ob ich ihn installieren will oder nicht.

 

Technisches

Nun, "Sherlock Holmes - The Case of the Silver Earring" zeigte bei meiner Konfiguration nur ein einziges technisches Problem, das aber auch nicht durch einen Patch behoben werden mußte: nach einer etwas längeren Lösung eines magischen Quadrates wollte ich per ESC-Taste ins Hauptmenü zurückkehren um den Spielstand zu sichern, leider fand ich mich dabei unvermutet auf der Windows-Oberfläche wieder. (Vielleicht sollte man anmerken, daß Spiele generell - Murphys Gesetz - bevorzugt an Stellen abbrechen, an denen man einen ziemlich hart erkämpften Spielfortschritt speichern möchte.) Nach dieser Erfahrung vermied ich, Zoomansichten mit der ESC-Taste zu verlassen.

Es fielen daneben eigentlich nur kleinere grafische oder inhaltlich/logische Fehler auf, die keinen Einfluß auf den Spielablauf haben: Holmes tritt einmal durch eine geschlossene Tür ein, Holmes und Watson tragen in einer Szene Schutzmasken, was aber nicht sichtbar wird und im Notizbuch finden wir ein falsches Datum. Wie üblich haben die Entwickler auf die Spiegelung der Charaktere in Spiegeln verzichtet (ich werde nicht müde, diesen Fehler anzugeben, auch wenn's langweilig wird). Eine weitere Ungereimtheit wäre noch zu nennen, wenn Sherlock und Watson ein Haus betreten und vor der Tür Mantel und Hut tragen, hinter der Tür aber nicht. Erbsenzählerei? Schließlich befinden wir uns in einem Spiel, bei dem wir aus jedem Flohhusten unsere Schlüsse zu ziehen haben!

 

Menüs

Nach dem Start gelangen wir ins hübsch-ornamentale Belle-Epoche-Hauptmenü, das während des Spiels durch die ESC-Taste erreichbar ist. Hier gibt es die Möglichkeit zum Speicher- oder Ladebildschirm zu wechseln. Die Anzahl der Savegames wird im Handbuch mit 'nicht limitiert' angegeben, allerdings gibt es in der Speicheransicht einen Querbalken auf dem eine Markierung immer weiter nach rechts verschoben wird, je öfter wir speichern. Ich habe aber trotz häufigen Speicherns keinen Spielstand überschreiben müssen.

Die Speicherung erfolgt durch Klick auf ein leeres Speicherfeld, das dann mit einem Szenenbild und dem Termin gefüllt wird. Angenehm, daß das zuletzt gespeicherte Spiel immer oben links erscheint, wenn wir in den Ladebildschirm wechseln.

Grafik- und Soundeinstellungen, die sich zunächst automatisch an unsere Videokarte anpassen, können im Optionsmenü jederzeit während des Spiels geändert werden, von der Bildschirmauflösung über Farben, Frequenz, Helligkeit bis hin zu Kantenglättung und komplexem Schattenwurf. Ebenfalls im Optionsmenü kann man die Dialoggeschwindigkeit drosseln, was bedeutet, daß man nach jedem Satz klicken muß, um den nächsten zu hören und zu lesen. Dies ist genau wie die Möglichkeit, Untertitel zuzuschalten, besonders für die fremdsprachlichen und hörgeschädigten Spieler interessant und nützlich. Leider gibt es bei den Videoszenen keine Untertitelung (bis auf einen kleinen Teil des Schlußvideos). Während der fremdsprachliche Spieler sich hier noch hinüberretten kann, bleibt für taube Menschen halt nur der Stummfilm oder die Hilfe von Dritten. Schade, das trübt den sonst ausgezeichneten Eindruck.

 

Steuerung

Wir steuern unsere beiden Detektive Holmes und Watson abwechselnd. Nur im ersten Kapitel haben wir auch die Möglichkeit, zwischen beiden über die Gebäudekarte frei hin- und herzuschalten. In allen anderen Spielsituationen wird uns vorgegeben, wer der aktuell handelnde Spielcharakter ist. Und das ist, wie soll es anders sein, natürlich meistens der Meisterdetektiv selber. Sollten sich beide am gleichen Schauplatz befinden, können wir den handelnden Charakter durch das Cursoricon unterscheiden, Holmes hat eine Pfeife, Watson Papier und Feder.

"The Silver Earring" wird bis auf den Einsatz der ESC-Taste durch die Maus kontrolliert. Um unsere beiden Hauptpersonen zu steuern, klicken wir mit dem Standardpfeilcursor auf einen Punkt am Bildschirm und sie versuchen sich dorthin zu bewegen. Wenn es zwischen Charakter und Zielpunkt ein Hindernis gibt, kann es vorkommen, daß der Charakter sich nicht fortbewegt. Wir können also nicht einschätzen, ob unsere Klicks fruchtbar sind oder nicht. Das wäre auch nicht weiter schlimm, gäbe es da nicht zwei, drei Spielsequenzen, in denen es extrem auf Schnelligkeit und Präzision ankommt. Da kann ein falscher Klick bereits das "Aus" oder "Game Over" bedeuten.

Ändert sich der Cursor in ein Fußstapfenicon, so können wir durch einen Klick darauf gleichzeitig unsere Figur bewegen und einen Kamerawechsel herbeiführen. Manchmal funktioniert das mit dem Bewegen allerdings nicht, was in den zeitabhängigen Sequenzen wiederum unangenehm werden kann.

Ein Doppelklick läßt unseren Charakter schneller laufen. Aber halt, er tut es nur dort, wo es die Höflichkeit zuläßt und kein falscher Eindruck produziert wird, also z. B. nicht in Anwesenheit von Damen, während man am Bühnenarbeiter schon mal vorbeitrampeln kann. Eine nette Nuance, die mir sehr passend erschien. Erwähnenswert dabei ein abgeschwächter Syberia-Effekt, d.h. Holmes dreht sich erst mit mehreren kleinen Schrittchen in Position und läuft dann los.

 

Hotspots/Inventar/Notizbuch

Bei Charakteren, mit denen wir sprechen können, verändert sich der Cursor in ein kleines Bild dieser Person. Zunächst hatte ich mir gewünscht, daß auch der Name des Gesprächspartners angezeigt würde, aber das habe ich nach Einsicht in das 'allwissende' Notizbuch fallen gelassen. Hier werden nämlich alle Gespräche mit Bild, Name, Zeit und Ort automatisch gespeichert.

Über Spuren, Gegenständen oder Türen verändert sich unser Cursor in eine Hand. Derselbe Gegenstand kann manchmal nur aus einer bestimmten Perspektive aufgenommen oder bearbeitet werden. Deshalb sollte man mit dem Fußabdruckicon öfters mal die Perspektive wechseln, um neue Hotspots zu finden.

Wenn unsere Detektive eine bemerkenswerte Entdeckung machen, wie z. B. eine Fußspur, so wird diese Info ebenfalls im Notizbuch unter der Rubrik 'Berichte' automatisch gespeichert.

Finden wir ein Dokument, so wird es erst ins Inventar aufgenommen. Es erfolgt keine automatische Übernahme ins Notizbuch. Wir öffnen dazu die Inventarleiste am unteren Bildschirmrand mit Rechtsklick und suchen uns das entsprechende Dokument. Wenn wir mit der Maus darüberfahren, erscheint in diesem Fall nicht nur eine Objektbeschreibung sondern auch das Verb 'Lesen'. So wird sichergestellt, daß wir uns durch diesen zusätzlichen Klick im Klaren über die Aufnahme des Dokuments in unser Notizbuch sind. Ein wenig umständlich und nicht ganz logisch, da wiederum andere Dokumente, die wir während eines Gesprächs oder einer Videosequenz erhalten, automatisch und von einem speziellen Klang begleitet ins Notizbuch wandern.

Scrollen kann man das Inventar mit Klicks auf die Pfeile links und rechts oder mit dem Mausrad. Objekte werden mit Linksklick aufgenommen und wieder dorthin zurückgelegt. Objekt-Kombinationen innerhalb des Inventars sind ebenfalls möglich. Sowohl die Inventarleiste als auch die Dialogleiste un das Dialogfenster sind durchscheinend blau, wirken aber manchmal störend, besonders wenn alles gleichzeitig angezeigt werden.

In der linken Ecke des Inventars befindet sich unser Notizbuch mit den vier Rubriken Gespräche, Berichte, Dokumente und Karte. Bei den ersten dreien wählen wir auf der linken Seite einen Eintrag aus und sehen den Inhalt auf der rechten Seite. Die Rubrik 'Karte' ist nur im ersten Kapitel des Spiels wirklich brauchbar, da man nur dann frei zwischen unseren beiden Freunden hin- und herschalten kann. Später wird sie zwar für den Ortswechsel zwischen den Schauplätzen verwendet, ist aber eigentlich überflüssig, da man nicht selbst entscheiden kann, wann und wohin man wechselt.

 

Rätsel

Das Spiel hat also eine sehr lineare Struktur, die es uns nicht erlaubt, zwischen den einzelnen Schauplätzen in eigener Regie zu wechseln, mit Ausnahme des ersten Kapitels in Sherringford Hall, wo wir uns jederzeit zwischen Draußen = Watson oder Drinnen = Holmes entscheiden können.

Erst wenn wir alle Details eines Ortes erkundet haben, können wir zum nächsten aufbrechen und auch der wird uns vorgegeben um den Ablauf der Geschehnisse nicht zu verändern.

Innerhalb eines Hauptschauplatzes sind wir ebenfalls eingeschränkt in unserer Bewegungsfreiheit. Beispielsweise können wir in einem Theater erst hinter die Bühne, wenn wir dafür einen guten Grund finden. Ebenfalls nehmen wir nur Dinge ins Inventar auf, die wir zuhause am Labortisch untersuchen wollen oder tatsächlich sinnvoll einsetzen können. Wir strafen das ins Auge springende Werkzeug solange mit Mißachtung, bis wir dafür eine Anwendungsmöglichkeit gefunden haben. Zwar ist dieser Vorgehensweise keinesfalls die Logik abzusprechen, allerdings senkt der hohe Grad an Linearität das Schwierigkeitsniveau. Ebenfalls vereinfachend wirkt die Tatsache, daß es nur relativ wenige und dazu ausschließlich spielrelevante Hotspots gibt. Zwar können wir voraussetzen, daß Holmes mit seinem Adlerblick sofort alle relevanten Dinge erkennt, aber manchmal hätte man sich doch mal einen Kommentar gewünscht, der keinen direkten Fallbezug hat und daß er Dinge angeschaut, mit denen er nichts anfangen kann. Außerdem verschwinden die meisten Hotspots, wenn wir sie angeschaut oder bearbeitet haben. Will sagen, die Objekt-/Inventarrätsel sind allesamt logisch aber von sehr niedrigem Schwierigkeitsgrad.

Wenn wir mal die Chance zu einer ungewöhnlichen Objektkombination hätten, erhalten wir einen Wink mit dem Zaunpfahl, so daß wir kaum irgendwo ernstlich hängen bleiben werden. An Holmes' Labortisch heißt es gleich :"Das sollte ich am Mikroskop mal näher untersuchen."

Durch die fast automatisch ablaufenden Dialoge (wir sprechen einfach mit allen nacheinander über alle Themen, die danach aus unserem Fragenkatalog verschwinden) wird das Einsteigerrätselniveau nicht überschritten. Erst wenn wir aufgrund der gesammelten Informationen weitere Interviews führen oder Untersuchungen anstellen müssen, wird es etwas kniffliger.

Natürlich haben die Entwickler einiges angestellt, um uns an einem gar zu einfachen Durchmarsch zu hindern und sie hatten Erfolg. Wir müssen unsere grauen Zellen bei einigen Logikrätseln anstrengen und werden mit einem kleinen aber feinen Irrgarten, oder besser Irrwald erschreckt, bei dem es wirklich auf die Sekunde ankommt.

Aufregend auch zwei nächtliche Schleichsequenzen á la Baphomets Fluch 3, bei denen uns ein bellender Hund immer wieder den Garaus machen kann. Sherlock stirbt zwar nicht, aber er hat versagt (defacto haben WIR versagt, Holmes alleine würde natürlich ohne Fehlversuch durchkommen!) und die Konsequenzen werden uns beim Game Over vorgeführt.

Der Clue im "Silbernen Ohrring" sind Fragen zum Fall in Quizform zum Schluß eines jeden Kapitels. Wir kommen dabei nur weiter, wenn wir die richtigen Indizien aus den Rubriken Gespräche, Berichte und Dokumente heraussuchen und die Fragen dazu korrekt mit Ja oder Nein beantworten können. Und das ist bei dem komplexen Fall mit der Vielzahl an Informationen nicht ohne. Hat man den Gesprächen konzentriert gelauscht und alle Dokumente bis zuende gelesen und dann noch diese Informationen richtig interpretiert, wird man an dieser Stelle durch das Weiterkommen und eine neue Videosequenz belohnt. Hat man zeitweise geschlafen oder seine Ohren auf Durchzug gestellt, dann hat man ein Problem und muß in den Notizbuch-Rubriken eine Menge nacharbeiten. Und die Menge der Informationen dort wird natürlich mit der Zeit nicht kleiner. Mir gefielen diese Fragehürden ausgezeichnet, da man sich hier wirklich detektivisch im Sinne von Sherlock Holmes betätigen muß und seine aktuelle Einschätzung der Verdächtigen nochmal überdenken kann.

 

Grafik/Sound

Die vorgerenderten Hintergründe sind einfach prachtvoll. Bereits unser erster Schauplatz, Sherringford Hall, das wir später auch tagsüber begutachten können, kann begeistern. Aber auch bei den späteren, sehr unterschiedlichen Locations spielen Detailreichtum und tolle Texturen eine große Rolle. Besonders erfreulich ist es, daß die Schauplätze unseres Spiels durch viele Charaktere belebt werden. Und mit dem größten Teil von Ihnen können wir auch sprechen. Ihre Gesichter und Mimik scheinen bei jedem einzelnen einem real existierenden Menschen abgeschaut zu sein, so individuell und echt wirken sie.

Sobald unser Titelheld animiert wird oder sich in einer der Videoszenen bewegt, fallen uns seine schönen Ricardo-Montalbàn-Latin-Lover-Augen so richtig auf, die etwas vom Thema ablenkend, gnadenlos in Großaufnahmen eingesetzt werden. Zum Ausgleich wurde der gute Watson mit einem Silberblick ausgestattet. Leider leidet die Ausdruckskraft der Gesichter ein wenig unter der nicht ganz perfekt gelungenen Lippensynchronität, denn alles würde noch runder wirken, wenn die ausgezeichneten Sprechstimmen, nehmen wir mal die Kurzauftritte der Straßenjungen aus, auch noch vollkommen synchron zu hören wären. Etwas schwach gegenüber der eleganten Gestik und Mimik wirkt der steife Gang unserer Charaktere besonders in der Totalen von hinten. Dagegen bewegt sich Holmes sobald er läuft wieder recht geschmeidig.

 

Fazit

Vieles in "Sherlock Holmes - Der Fall des silbernen Ohrrings" erinnert an Syberia (Grafik, Steuerung, Rätsel). Mir hat es aber noch weitaus besser gefallen, denn es war wirklich keine Sekunde langweilig und die detaillierte Schlußenthüllung bot noch die eine oder andere Überraschung. Die ebenso komplexe wie spannende Geschichte ist nicht nur gut erdacht sondern auch gut erzählt. Tja, kombiniere, Watson, das ergibt eine

Wertung von 88%

 

Addendum: Die deutsche Version

Die deutsche Lokalisation ist wie immerbei dtp professionell gemacht und gibt keine großen Ansatzpunkte für Kritik. Ich hatte mir allerdings von Henning Venske als Dr. Watson etwas mehr Verve versprochen, an manchen Stellen fehlte ihm wirklich der Schwung und ich hatte das Gefühl, er wolle eine Gute-Nacht-Geschichte zum Besten geben und nicht seine Anmerkungen zu einem spannenden Kriminalfall machen. Die Sprachausgabe war bei beiden Hauptdarstellern in der englischen Version gelungener und bedenkt man, daß man dort noch eine nette Draufgabe in Form eines Videofilms hinzubekommt, kann ich sprachkundigen Spielern nur empfehlen, sich diese Version zu besorgen, denn es gibt auch sonst keine merklichen Verbesserungen - die Sequenzen mit Zeitlimit und Schleicheinlagen sind nämlich in der deutschen Version nicht entschärft worden.

Bewertung
der deutschen Version: 86%

27.12.04

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100%  sehr gutes Spiel  (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79%    gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69%    befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59%    ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49%    ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0%  bis 39%    grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 98/2000/ME/XP
  • Pentium III 500 MHz
  • 192 MB RAM
  • 32 MB Grafikkarte, DirectX 9.0 kompatibel, (NVidia Geforce oder ATI Radeon)
  • Soundkarte, DirectX 8.1 kompatibel
  • 1,5 GB frei auf der Festplatte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Ultima Artec)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel
 

Das Hauptmenü
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