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Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin


Erscheinungsdatum: November 2007

Entwickler: Frogwares
Publisher: Focus / Koch Media

Homepage
Boxshots

 

Spielsprache und Handbuch getestete Version: deutsch

USK: ab 6 Jahren
PEGI: 3+

 

 

Ein Review von  Sherlock   06. Januar 2008

 

Sir Arthur Conan Doyle schuf mit Sherlock Holmes den wohl berühmtesten Detektiv der Weltgeschichte. Auf der Höhe des ewigen politischen sowie kulturellen Wettstreits Großbritanniens und Frankreichs Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der erfolgreiche französische Schriftsteller Maurice Leblanc beauftragt, einen französischen Sherlock-Holmes-ähnlichen Charakter zu erschaffen. Leblanc jedoch erschuf das genaue Gegenteil von Sherlock Holmes - Den Meisterdieb Arséne Lupin. Die Geschichten rund um den bei Frauen nicht weniger erfolgreichen König unter den Dieben wurden in mehr als 20 Romanen von Leblanc niedergeschrieben. In einem der letzten Lupin-Romane ließ Leblanc Lupin auf einen gewissen "Holmlock Shears" treffen, der Sherlock Holmes nicht unähnlich war.

Frogwares schickten Holmes nun bereits in die vierte Runde gegen das Verbrechen. Nachdem bereits im letzten Teil der Serie "Die Spur der Erwachten" Romanvorlagen von H.P. Lovecraft verarbeitet wurden, hielt Frogwares an dem Erfolgsrezept fest und präsentiert erneut einen spielerischen Krimi, in dem die Geschichten zweier völlig unterschiedlicher Helden verknüpt wurden. Mit Erfolg? Ich habe es versucht, herauszufinden. 

 

Story

Sherlock Holmes und sein treuer Begleiter Dr. Watson erholen sich gerade noch von den Strapazen des letzten Falles, der ihnen einiges abverlangte. Beim Durchsehen der täglichen Post entdeckt Watson einen Brief des auf dem Kontinent sehr bekannten und einflussreichen Meisterdiebs Arséne Lupin. In diesem Brief kündigt Lupin an, 5 Meisterwerke der Britischen Geschichte stehlen zu wollen und lädt Holmes zu einem kleinen Katz-und-Maus-Spiel ein. Watson hält diesen Brief zunächst für eine Finte, Holmes beschließt jedoch, der Sache nachzugehen. Nachdem es Lupin gelingt, tatsächlich das erste Meisterwerk zu stehlen, nimmt die Geschichte ihren Lauf. Lupin hinterlässt einige Rätsel, die es Holmes ermöglichen, bei richtiger Schlussfolgerung den Ort des nächsten Verbrechens aufzutun. 

 

Installation

Die deutsche Version wurde auf eine DVD gepackt, so dass lästiges CD-Wechseln während des Spiels ausbleibt. Verpackt ist das Ganze in einem DVD-Case, das wiederum in einem ansehnlichen aufklappbaren Pappschuber steckt. Die Installation verläuft völlig ohne Probleme. Das Handbuch ist kurz aber verständlich und bietet eine Starthilfe in das Spiel. Die limitierte Erstauflage des Spiels beinhaltet zusätzlich eine DVD mit 3 Folgen der Sherlock-Holmes-TV-Serie mit Jeremy Brett (FSK 12).

 

Menüs

Nach Spielstart gelangen wir direkt erstmal zum Startmenü, von dem aus wir ein neues Spiel starten oder ein abgebrochenes Spiel laden können. Im Optionsmenü lassen sich die Untertitel ein- und ausblenden oder die Lautstärke von Sprache, Geräuschen, Musik und der Hintergrundgeräusche getrennt einstellen. Im Steuerungsmenü kann jede einzelne Tastenbelegung nicht nur eingesehen sondern auch beliebig verändert werden. Ich bin bei der Standard-Tastenbelegung geblieben, da sich das Spiel auch mühelos nur mit der Maus spielen lässt. Optimal ist der Menüpunkt "Spiel fortsetzen". Bei Klick auf diesen wird automatisch der letzte gespeicherte Spielstand wiederhergestellt. In das Startmenü kann man jederzeit durch drücken der ESC-Taste gelangen.

Zudem gibt es die bereits bekannten Inventar-Menüs "Tasche", "Dokumente", "Dialoge", "Berichte" und "Karte" Die Karte umfasst in diesem Adventure ausnahmsweise nicht nur den Bereich um die Baker Street, sondern auch eine Karte von ganz London. Je nachdem, wo man sich befindet, kommt eine Karte der jeweiligen Umgebung hinzu. 

 

Steuerung

Es handelt sich hierbei um ein 1st-Person Point-and-Click Adventure. Die Steuerung ist recht simpel. Man benötigt lediglich die Maus, obwohl auch in Verbindung mit der Tastatur gespielt werden kann oder ausschließlich mit der Tastatur, was meines Erachtens nach aber sehr mühselig erscheint. Der Cursor wird durch ein Symbol dargestellt, das sich jeder im Optionsmenü selbst aussuchen kann.

Wie im Vorgängerspiel gibt es die übliche 360° Rundumsicht, in der wir uns durch einmaliges Klicken und gedrückt halten der linken Maustaste in normalen Gehtempo bewegen können. Durch Doppelklick und gedrückter Maustaste rennen wir dann durch das Areal, was sehr von Vorteil ist, wenn eine Umgebung scheinbar endlos weitläufig ist. Der Cursor verwandelt sich in eine Hand, wenn wir etwas nehmen können, oder in ein Auge, wenn etwas untersucht werden kann. 

 

Hotspots/Inventar/Dialoge

In diesem Teil der Serie sind wesentlich mehr Hotspots verfügbar als in sämtlichen vorherigen Teilen. Fast jedes einzelne Bild in der National Galerie kann angeklickt werden und Holmes erzählt uns etwas über den Ursprung des Bildes. Auch in der Baker Street selbst gibt es wesentlich mehr Objekte zu sehen als beispielsweise in "Die Spur der Erwachten". Nicht gefallen hat mir allerdings, dass die Holmes’sche Wohnung derart vollgemüllt war. Das Teeservice steht tagelang unbenutzt auf dem Tisch und viele Zettel und Notizen liegen auf dem ganzen Boden verteilt und dabei wird immer davon gesprochen, dass Holmes eine Haushälterin hat. Genauso unordentlich sieht es auch in Barnes Buchhandlung aus. Die Straßen könnten belebter sein. Sehr gut fand ich allerdings, dass in Holmes’ Wohnung viele Artefakte aus vorherigen Abenteuern zu finden sind. Watson weiß viel darüber zu erzählen. Auch ihn werden wir im Verlauf des Spiels immer wieder mal kurze Abschnitte lang steuern.

Das Inventar wird nur wenig benutzt. Objekte müssen erst im Inventar angeklickt werden, worauf diese rot hinterlegt werden. Im Spiel selbst sind diese dann am oberen rechten Bildschirmrand zu erkennen und können erst dann mit Personen oder anderen Gegenständen in der Umgebung kombiniert werden. Aber auch dies war im Vorgängerspiel bereits so.

Dialoge sind gewohnt lang und wie für Holmes üblich, mit britischem schwarzen Humor und der legendären Bissigkeit ausgestattet. Die Dialoge können durch Klick auf die linke Maustaste jederzeit abgebrochen werden. 

 

Rätsel

Obwohl wir erstmals in einem Sherlock Holmes Adventure zwischen der Baker Street und dem aktuellen Tatort gewechselt werden kann, auch, wenn dies nicht nötig ist, ist auch dieser Teil der Serie viel zu linear und erlaubt keinen Fehler unsererseits. Sackgassen gibt es nicht und auch der Spieltod ist ausgeschlossen. Es gibt also kein Game Over! Allerdings geht es in der Geschichte auch erst weiter, wenn ein gewisses Rätsel gelöst wurde oder alle Hinweise gefunden wurden.

Auf das bewährte Quizfragen-System wurde auch dieses Mal nicht verzichtet. Allerdings müssen die Antworten diesmal nicht mittels der Tastatur eingegeben werden, sondern durch Klick auf die Schaltflächen zu den jeweiligen Buchstaben, die alphabetisch angeordnet sind. Ich empfand die Möglichkeit der Tastatur-Eingabe wesentlich einfacher. Rätsel sind in Sherlock Holmes jagt Arsène Lupin nicht rar gesät! Es sind mehr vorhanden als in jedem bisherigen Sherlock Holmes Adventure. Noch dazu haben es die Rätsel teilweise so in sich, dass ich hier und da auch einfach mal eine Nacht über ein Rätsel schlafen musste, bevor ich es lösen konnte.

Da Lupin uns ständig neue Aufgaben stellt und Rätsel in Gedichtform schreibt wird die Jagd nach ihm nicht langweilig.

Schade finde ich, dass überhaupt keine Ermittlungsarbeiten am heimischen Labortisch mehr stattfinden. Statt weitere solche Ermittlungsarbeiten einzufügen, verzichteten die Entwickler einfach darauf. Ich hoffe, dass sich dies im nächsten Teil wieder ändert. Lupe und Maßband stehen uns allerdings auch weiterhin zur Verfügung bei der Untersuchung von Schuhabdrücken.

Darüber hinaus sind wiederum für Adventures übliche Rätsel enthalten (Inventarrätsel, Puzzles). Aber auch schwierigere Aufgaben wie das Reparieren eines Fischernetzes und das Herstellen von Schießpulver. In einem kniffligen Logikrätsel muss man auch herausfinden, welcher Spind welchem Offizier gehört.

Der Schwierigkeitsgrad schwankt zwischen sehr einfach bis sehr schwer.

An einigen Stellen habe ich mir schon ein wenig an den Kopf gefasst, wie blind man doch sein kann. Ich hätte Lupin immer auf den ersten Blick entdeckt. Zwei Meister der Verkleidung sind anscheinend aufeinander getroffen, denn Holmes selbst ist sehr gut bei eigenen Kostümierungen. 

 

Grafik/Sound

Vorab ist zu sagen, dass ich die Auflösung im Spiel erst ganz nach unten schrauben musste, bevor ich überhaupt anfangen konnte. Vorher konnte ich nur einen unifarbenen Bildschirm betrachten und den Stimmen von Holmes und Co. lauschen. Dasselbe Problem stellte sich bei mir auch schon während der Demo ein, obwohl mein Rechner den Systemanforderungen entspricht.

Bei der Grafikqualität ist ansonsten kein Unterschied zum Vorgängerspiel erkennbar. Ich finde zwar schön, dass sich an der Gestaltung der Baker Street und der Wohnung von Holmes optisch nicht viel getan hat, aber kleine grafische Schwächen, wie z.B. wenn Watson im Bett liegt und die Beine durch das Fußbrett seines Bettes streckt, wurden wiederum nicht ausgemerzt. Auch scheint Watson ständig in all seiner Kleidung, sogar in seinen Schuhen zu schlafen. Allerdings hat mir die Darstellung der Kunstwerke und Gemälde im Museum und der Galerie sehr gefallen. Diese sehen nahezu echt aus.

Für den Soundtrack wurden berühmte klassische Musikstücke ausgewählt, die je nach Situation manchmal ein wenig unpassend und aufgesetzt sowie viel zu dominant wirken. Ich hätte mir wie im vorigen Spiel mehr von diesem simplen zurückhaltenden Geigensolo gewünscht. Die Synchronisation ist fast durchweg gelungen. Bis auf Lestrade. Der Synchronsprecher von Lestrade hat mir zu sehr geschrien und seine patzige Art hat mich bald zur Weißglut gebracht.

Die Wachen im weißen Salon des Buckingham Palasts haben beide dieselbe Stimme und beherrschen scheinbar nur einen Satz. Lupin selbst hätte ich mir mit einem französischen Akzent gewünscht. Stattdessen wartet er mit typisch englischer Eleganz und Anmut in der Stimme auf. 

 

Fazit

Das Spiel kann sich gut an seine Vorgänger anreihen, auch wenn es für mich in der bisherigen Serie nur auf Platz 3 von 4 landet. Die Rätsel sind knackig und neuartig. Die Jagd nach Lupin gestaltet sich durchweg spannend und einfallsreich. Im nächsten Spiel bitte mehr davon! Ich würde mir wünschen, dass die Entwickler noch ein wenig an der Grafik feilen und die Linearität noch abstellen. Der Spieler sollte entscheiden, was als nächstes geschieht. Auf alle Fälle freue ich mich auf den für dieses Jahr angekündigten fünften Teil der Reihe, in dem es Holmes wohl mit seinem Erzrivalen Jack the Ripper aufnehmen wird. Einen großen Wunsch habe ich für dieses Spiel: Bitte wiederum kein Game Over! Für dieses Abenteuer gibts eine

 

 Gesamtwertung von 72%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 2000/XP/Vista
  • Pentium III 1,3 GHz oder höher
  • 512 MB RAM
  • 64 MB RAM Grafikkarte, DirectX9-kompatibel
  • Soundkarte DirectX9-kompatibel
  • DirectX9.0c oder höher (auf DVD enthalten)
  • 4x DVDROM oder schneller
  • 3 GB freier Festplattenspeicher

 

Getestet auf:

  • Windows XP Servicepack 2
  • AMD Semperon 3000+ mit 2,0 GHz
  • 768 MB RAM
  • ATI RADEON 9250 Grafikkarte mit 128 MB RAM
  • DirectX 9.0 kompatible Soundkarte
  • 16-fach DVD-ROM Laufwerk

 

 

Copyright © sherlock für Adventure-Archiv, 06. Januar 2008

 

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Der Startbildschirm
Der Startbildschirm

 

Das Quizfragen-System ist erhalten geblieben
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Dieser Figaro kommt einem doch schon etwas komisch vor...
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Ein Überbleibsel aus dem letzten Abenteuer
Ein Überbleibsel aus dem letzten Abenteuer


Die Gemälde wurden erstaunlich realistisch eingefügt!
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Grafikbug! Watson streckt seine Beine durch das Fußbrett seines Bettes
Grafikbug! Watson streckt seine Beine durch das Fußbrett seines Bettes

 

Der Lesesaal des Britischen Museums
Der Lesesaal des Britischen Museums


Lupin scheint uns immer einen Schritt voraus zu sein
Lupin scheint uns immer einen Schritt voraus zu sein


Ein Kreuzwort-Symbolrätsel - Sehr knifflig!
Ein Kreuzwort-Symbolrätsel - Sehr knifflig!

 

Das einzige Puzzle im Spiel
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Der Meister betört uns mit seinen Fähigkeiten
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Sherlock ist ein Meister der Verwandlung
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Eklig: Im königlichen Abfall wühlen
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Ein Albtraum in Rosa
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 Lupin hat sich zur Königin vorgemogelt
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Das eindeutig schwierigste Rätsel im ganzen Spiel!!!
Das eindeutig schwierigste Rätsel im ganzen Spiel!!!

 

Die Karte mit den wichtigsten Punkten im Tower von London
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