Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

This page in English (coming soon)

 

 

Sherlock Holmes -
Die Spur der Erwachten


Erscheinungsdatum Deutschland: 23.11.2006

Entwickler: Frogwares

Publisher: Focus Home Interactive / Frogster Interactive

Homepage

Boxshots

 

Spielsprache und Handbuch getestete Version: Deutsch

USK: ab 12 Jahren
PEGI: 12+

 

 

Ein Review von  Sherlock   02. Dezember 2006

 

 Ein neuer Fall des Meisterdetektivs steht an. Mit "Die Spur der Erwachten" legte das Ukrainische Entwicklungsstudio Frogwares nun bereits den dritten Sherlock Holmes nach 2002 "Das Geheimnis der Mumie" und 2004 "Das Geheimnis des silbernen Ohrrings" vor. Nachdem im ersten die 1st Person und im zweiten Teil die 3rd Person als Spielperspektive gewählt wurde, besann man sich nun wieder auf seine Wurzeln und kehrte zur 1st Person Perspektive zurück. Altbekannte Ermittlungsmethoden und Elemente der Spurensicherung stehen auch diesmal wieder dem Spieler zur Verfügung.

Selbstverständlich ist auch dieses Mal Holmes' alter Freund Dr. Watson an des Rätsels Lösung maßgeblich beteiligt. Sir Arthur Conan Doyle, der die legendären Geschichten um die Ermittlungen des Sherlock Holmes erfand, würde sich über die Popularität, auch nach so vielen Jahren, sicherlich freuen. 

 

Story

Der Meisterdetektiv Sherlock Holmes langweilt sich. England ist nicht mehr das, was es einmal gewesen ist. Die Kriminalitätsrate ist stark zurückgegangen seitdem bekannt ist, dass Mr. Holmes derart geschickt seine Fälle löst. Aber plötzlich verschwindet der Diener eines Klienten von Dr. Watson scheinbar spurlos.

Nach einigen Holmes'schen Ermittlungen deutet alles auf die mysteriöse Cthulhu-Sekte hin. Nach weiteren vermissten Personen auf der ganzen Welt ist eines klar: Die Ermittlungen werden sich auch bei diesem Abenteuer nicht auf die britische Insel beschränken. Die Spuren führen in die Schweiz, nach Nordamerika und Schottland. Die Verdächtigen haben sehr einflussreiche Freunde und schrecken auch vor Morden nicht zurück. Dies ist der vielleicht gefährlichste und düsterste Fall des Sherlock Holmes. 

 

Installation

Das Spiel selbst kommt auf einer DVD mit einem ausfühlichen gedruckten Handbuch in einer DVD-Box im aufklappbaren Pappschuber daher. Die 3 GB Installation des Spiels verläuft absolut problemlos. 

 

Technisches

Mir sind im gesamten Spielverlauf nur einige wenige Grafikfehler aufgefallen. Da wäre zum einen, dass man scheinbar mühelos durch manche Objekte (z.B. Fässer und Kisten) hindurchgehen kann. Zum anderen fiel mir einige Male auf, dass, wenn Holmes ein Zimmer untersucht und Watson vor der Tür wartet und Holmes das Zimmer dann wieder verlässt, die Tür ohne Probleme durch Watson hindurchschwenkt. An anderen Stellen nahm der Himmel, je nach Kamerastellung, eine andere Farbe an.

Keinen dieser Fehler empfand ich aber als besonders störend. Der Spielverlauf war flüssig, ohne längere Ladezeiten. 

 

Menüs

Nach dem Spielstart erwartet uns ein schönes Spielmenü mit allen wichtigen Funktionen, das wir auch während des Spiels beinahe jederzeit mit der ESC-Taste aufrufen können. Das Speichermenü ist sehr unkompliziert. Es gibt unzählige Speicherstände. Trotz häufigen Speicherns musste ich keinen einzigen Speicherstand überschreiben und hatte stets einige freie Speicherplätze zur Verfügung. Ähnlich wie beim Vorgänger wird ja nach Menge der gespeicherten Spiele oben eine Markierung auf einem Querbalken nach rechts geschoben. Der Spielstand wird in Form eines kleinen Screenshots, dem Datum und der Urzeit des Speicherns angezeigt. Das Laden eines Spielstandes erweist sich auch als einfach. Der zuletzt gespeicherte Spielstand steht oben links, wenn wir in den Ladebildschirm wechseln.

Im Optionsmenü lassen sich alle nötigen Einstellungen wie Sound-Lautstärke, Auflösung, Helligkeit, Untertitel usw. regeln, ohne das Spiel neu starten zu müssen. Untertitel werden sowohl im interaktiven Spielteil als auch während der Videosequenzen angezeigt. Die Geschwindigkeit dieser Untertitel lässt sich allerdings nicht verändern, so dass sich Hörgeschädigte oder fremdsprachige Spieler zurückgesetzt fühlen dürften. Nichtsdestotrotz sprechen die Akteure in diesem Holmes'schen Abenteuer nicht so schnell, dass man es nicht schaffen würde, die Dialoge zu erfassen. Außerdem können sämtliche Dialoge im Notizbuch nachgelesen werden. 

 

Steuerung

Wie eingangs erwähnt, spielen wir in diesem Abenteuer wieder in der Ego-Perspektive, was mich vorab etwas skeptisch gemacht hat. Die Skepsis wich aber ganz klar der Überraschung, was man aus einem 1st Person Adventure machen kann. Während man in anderen vergleichbaren Spielen allein in einsamen Welten seinen Weg beschreitet, gibt es hier sehr viele Charaktere, mit denen man sich unterhalten kann. Zudem weicht Dr. Watson nur sehr selten von Holmes' Seite.

An festgelegten Punkten kommt man auch in den äußerst kurzen Genuss, Dr. Watson spielen zu dürfen. Ein Hin- und Herschalten zwischen den zwei Charakteren ist nicht möglich.

Die Steuerung erfolgt außer über die ESC-Taste entweder ausschließlich mit der Maus oder in Kombination mit der Tastatur. Durch klicken der mittleren Maustaste oder einer veränderbaren Tastenkombination kann der Spieler zwischen gebückter und aufrechter Haltung wechseln, was an einer einzigen Stelle im Spiel notwendig ist.

Durch Doppelklick mit der Maus rennt Mr. Holmes bzw. Dr. Watson, was einige lange Wege zwischen einzelnen Orten sehr verkürzt. Zudem wird durch Rechtsklick die Tasche geöffnet, in der sich das Inventar, die Dialoge, Berichte, Dokumente und die Karte anhand von Registerkarten aufrufen lassen. In der Karte werden alle wichtigen Wegpunkte gekennzeichnet und können, sofern die Ermittlungen am aktuellen Standort abgeschlossen sind, angelaufen werden.

 

Hotspots/Inventar/Dialoge

Fast alle Hotspots werden durch ein Handsymbol gekennzeichnet, wenn man nahe genug an sie herankommt. Eher selten tauchen ein Auge oder ein paar Zahnräder als Symbol auf. Oft kann man im ersten Moment noch nichts mit diesen Gegenständen anfangen, aber man weiß, dass sie früher oder später noch eine Verwendung haben werden, dann muss man eben an diese Orte zurückkehren. Mit Personen nimmt man Kontakt auf, indem man sich ihnen gegenüber stellt und die linke Maustaste drückt.

Das Inventar wird durch einen Rechtsklick geöffnet. Hier werden logischerweise alle Gegenstände abgelegt, die man im Spielverlauf einsammelt. Werden Dokumente gefunden, so werden diese sofort ins Notizbuch übertragen. Mr. Holmes gibt zu diesen Dokumenten zwar den einen oder anderen Kommentar ab, aber um deren Inhalt zu erfahren, muss man erst sein Notizbuch öffnen. Einige Dokumente sind schwer zu lesen, so dass ich mir eine "Vorlesen"-Funktion gewünscht hätte.

Bei gesammelten Beweisen, die bereits der näheren Untersuchung am Mikroskop, bzw. der Analyse unterzogen wurden, werden Berichte angefertigt, die ebenfalls im Notizbuch einzusehen sind. Sämtliche Dialoge, Dokumente und Berichte kann man durch das Mausscrollrad oder durch Klicken der zur Verfügung stehenden Scrollpfeile nach unten oder nach oben verschieben. Die Aufnahme eines Dokuments oder sonstige Eintragungen ins Notizbuch werden sowohl akustisch als auch mit einem Symbol in der rechten oberen Bildschirmecke angekündigt. Auch aufgenommene Gegenstände werden so angezeigt.

Was die Hotspots betrifft, so hätte ich mir einige mehr gewünscht. Interaktiv sind nahezu nur die Gegenstände, die irgendwann im Spielverlauf auch benutzt werden können bzw. zum Lösen des Falls erheblich sind. 

 

Rätsel

Auch im neuesten Sherlock Holmes Adventure gibt es eine sehr lineare Struktur, die es uns nicht erlaubt, etwas Falsches zu tun, oder einen Ort zu besuchen, für den Mr. Holmes noch keine Veranlassung sieht. Viele Gegenstände können erst aufgehoben werden, wenn es dafür einen Zweck gibt. Durch ein nicht gerade überfülltes Inventar fällt es an einigen Stellen leicht, herauszufinden, was zu tun ist. Bei Gesprächen mit Personen gibt es kein Multiple-Choice-System mehr. Holmes und Watson reden vollkomen selbstständig mit allen Gesprächspartnern. An einigen Stellen kommt man so allerdings nicht weiter. Man benötigt gewisse Gegenstände aus dem Inventar, über die man mit den Leuten spricht.

Die Bewegungsfreiheit ist innerhalb eines Schauplatzes uneingeschränkt. Man kann mittels der Karte nur innerhalb eines dieser Schauplätze bestimmte Punkte anlaufen, aber den Schauplatz nicht eigenständig wechseln.

Es gibt einige Inventarrätsel, die auch logisch aufgebaut sind. Sofern Gegenstände nicht zusammenpassen, wird dies mit einem Geräusch quittiert, das an Kettengerassel erinnert.

Bei der Beweisanalyse am Schreibtisch erhalten wir von Holmes viele Hinweise, wenn etwas mit chemischen Elementen untersucht oder erhitzt werden soll.

Ähnlich wie beim Vorgänger gibt es auch hier wieder eine Art Quiz an bestimmten Stellen im Spiel. Anders als beim Vorgänger müssen Behauptungen hier aber nicht mit Dialogen, Berichten und dergleichen unterstützt werden. Man muß die Antworten per Tastatur eingeben. Logische Schlussfolgerungen oder aber das Nachlesen in Dokumenten und Berichten müssen hierbei zurate gezogen werden. Nachteilig ist hier, dass an diesen Punkten im Spiel nicht abgespeichert werden kann, bevor die richtige Antwort erfolgt ist.

Im gesamten Spiel gibt es keine Zeitaufgaben. Man wird zwar seitens Holmes oder Watson zu schnellem Handeln aufgefordert, aber in Wahrheit hat man alle Zeit der Welt, alles genauestens zu untersuchen. 2 oder 3 mal kann Holmes auch ertappt werden und das Spiel ist beendet. Diese Stellen sind aber bei weitem nicht so kompliziert zu bewältigen, wie im Vorgängerspiel.

Es erwarten uns auch einige Logik- und Schieberätsel, von denen mir zumindest eines bis heute nicht ganz logisch erscheint, was ich aber nach Stunden des Herumprobierens dennoch hinter mich gebracht habe. Dabei handelt es sich um ein Zahlenrätsel eines kleinen Jungen. Ein Labyrinth, das keine wirkliche Herausforderung darstellt, müssen wir hier auch bewältigen. Eine Verfolgungsjagd in Nordamerika empfand ich für das Spiel äußerst abwechslungsreich und amüsant. Sie lockerte die eingesessene Stimmung erheblich auf.

 

Altersfreigabe

Wegen einiger schauriger Szenen gerade im ersten Spielviertel würde ich eine Freigabe ab 16 statt ab 12 für angemessen halten.

 

Grafik/Sound

Was die Entwickler hier geleistet haben ist wirklich grandios. Trotz der 360 Grad Rundumsicht gab es ruckelfreie Bewegungen. Hier haben die Entwickler nochmals ganze Arbeit geleistet. Beim Untersuchen von Leichen ist die Liebe zum Detail besonders hervorgetreten. Wenn man die Hände mit der Lupe untersucht, sieht man jede Falte, jede Lebenslinie, jeden Schmutz unter den Fingernägeln! Allerdings ist mir aufgefallen, dass sich die Gesichtszüge je nach Emotion nicht oder nicht richtig mitbewegen.

Der düstere Soundtrack untermalt die Eindrücke der Umgebung erst richtig. Man könnte meinen, hinter jeder Ecke lauert das Böse. Es kam, wo es angebracht war, Gruselatmosphäre auf.

Die Synchronstimme von Holmes, Michael Bideller, wurde vom Vorgängerspiel übernommen. Watson wird diesmal von Aart Veder gesprochen. Die gehobene Ausdrucksweise beider brachte für mich das Holmes-Feeling. Auch der übliche britische Humor ist nicht auf der Strecke geblieben.

Witzig: An einer Hauswand am Londoner Hafen steht "Bromsby Enterprises" - eine Firma, die im 'Silbernen Ohrring' eine wichtige Rolle gespielt hat. Auch treffen wir einige alte Bekannte wieder! Mehr wird aber nicht verraten!

Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings. Ich kann nicht beurteilen, wie dies in der Originalfassung des Spiels gelungen ist, aber manchmal haben die Synchronsprecher versagt: Einige Menschen sterben. Wenn ich solche Tode erleiden müßte, würde ich wie am Spieß schreien. Die Synchronsprecher schreien aber nicht, sie sagen "OOOOOOOhhh", als wenn sie sich beim Ostereierbemalen den Daumen grün gemalt hätten. Also leider kein Engagement.

 

Fazit

Ein echter Sherlock Holmes, wie er im Buche steht! Wenn es mehr solche 1st Person Spiele gäbe, würde ich sicherlich häufiger zugreifen. Ein Spiel, nicht nur für Holmes-Fans, das an keiner Stelle langweilig wird und die Spannung von Stunde zu Stunde erhöht. Vorab konnte ich nichts mit der Cthulhu-Sekte anfangen, aber nun bin ich bestens informiert. Eine von Beginn an durchdachte und fesselnde Geschichte, die Adventure-Anfänger und -Fortgeschrittene in ihren Bann ziehen dürfte. Lediglich die wenigen Synchronisationsschwächen sind mir sauer aufgestoßen. Daher ergibt sich eine sehr gute

 

Gesamtbewertung: 86%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 2000/XP
  • Pentium III mit 1,3 GHz
  • 512 MB RAM
  • 64 MB DirectX 9.0 kompatible 3D-Grafikkarte
  • DirectX 9.0 kompatible Soundkarte
  • 4-fach DVD-ROM Laufwerk
  • 3 GB freier Festplattenspeicher

Getestet auf:

  • Windows XP Servicepack 2
  • AMD Semperon 3000+ mit 2,0 GHz
  • 1 GB RAM
  • ATI RADEON 9250 Grafikkarte mit 128 MB RAM
  • DirectX 9.0 kompatible Soundkarte
  • 16-fach DVD-ROM Laufwerk

 

Copyright © sherlock für Adventure-Archiv, 02. Dezember 2006

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 

 

Zum Vergrößern auf die Screenshots klicken


Das Spielmenü erreichen wir über die ESC-Taste
Das Spielmenü erreichen wir über die ESC-Taste

 

Der Chef persönlich
Der Chef persönlich

 

So sieht der Arbeitsplatz eines Detektivs aus
So sieht der Arbeitsplatz eines Detektivs aus

 

Das Inventar
Das Inventar

 

Sherlock erklärt den Sachverhalt
Sherlock erklärt den Sachverhalt

 

Das Quiz mit jeweils einer Frage nicht ganz so tückisch wie früher
Das Quiz mit jeweils einer Frage nicht ganz so tückisch wie früher

 

Tschüß, Ladebalken!
Tschüß, Ladebalken!

 

Unsere Karte von London
Unsere Karte von London

 

Gesprächspartner erkennen den berühmten Detektiv sofort!
Gesprächspartner erkennen den berühmten
Detektiv sofort!

Makabre Opferrituale führt die Sekte durch!
Makabre Opferrituale führt die Sekte durch!

 

Wir sind viel auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen
Wir sind viel auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen

 

Aus dem Jungen wird bestimmt mal etwas!
Aus dem Jungen wird bestimmt mal etwas!

Zwei solcher Schlösser gilt es zu knacken
Zwei solcher Schlösser gilt es zu knacken

 

Auch Verrückte werden handzahm, wenn man sie gut behandelt
Auch Verrückte werden handzahm, wenn man sie gut behandelt

 

Ein beeindruckender Dampfer in New Orleans
Ein beeindruckender Dampfer in New Orleans

 

Benutzbare Objekte werden durch entsprechende Symbole angezeigt
Benutzbare Objekte werden durch entsprechende Symbole angezeigt

 

Der Höhepunkt des Verderbens naht!
Der Höhepunkt des Verderbens naht!

 

Mehr Screenshots