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Sherlock Holmes -
Das Geheimnis der Mumie 


Erscheinungsdatum: 12/2002
Entwickler: Frogwares
Publisher: Wanadoo

Homepage
Boxshots
Lösung englisch

Spielsprache Englisch (Französische Version ebenfalls verfügbar)

ELSPA: geeignet ab 12 Jahren

 

Ein Review von slydos   27. Dezember 2002

Die ukrainische Spieleschmiede, die wir heute unter dem Namen Frogwares kennen, stand zuletzt hinter der Entwicklung des Cryo-Adventures "Das Geheimnis der Nautilus". Es sollte eine Jules Verne-Reihe werden, bevor Cryo pleite ging. Aber die Ukrainer haben weitergemacht und werden nach dem aktuellen Spiel "Sherlock Holmes und das Geheimnis der Mumie" ein weiteres Jules Verne-Adventure herausbringen: "Reise zum Mittelpunkt der Erde" ("Journey to the Center of Earth"). Die englischen und französischen Versionen werden jeweils von Wanadoo veröffentlicht. Deutscher Distributor ist Modern Games bzw. Flashpoint.

Story

Wir schreiben das Jahr 1899. Sherlock Holmes wird von seiner Cousine in spe, Elizabeth Montcalfe, Tochter eines berühmten Ägyptologen und Sammlers, um Hilfe gerufen. Ihr Vater ist vor 6 Monaten verschwunden, teilt sie ihm schriftlich mit. Er soll laut Polizei Selbstmord begangen haben. Der Spieler/die Spielerin schlüpft in die Rolle von Sherlock Holmes und beginnt mit den Untersuchungen in Montcalfe Manor, einem Haus, das mit seinen unzähligen Artefakten mehr an ein Museum erinnert. Ein Bediensteter öffnet Sherlock, aber Elizabeth kann ihn nicht empfangen und auch der Butler verschwindet sogleich. Er muß sich also ganz alleine umschauen. So ganz allein scheint er allerdings nicht zu sein, zumindest eine der zahlreichen Mumien scheint sich selbstständig gemacht zu haben und auch draußen schleicht jemand im Dunkel herum. Sherlock gerät bei seinen Untersuchungen mehr als einmal in tödliche Gefahren während er seine Schlüsse aus den Indizien zieht, die vielleicht für einen Normalsterblichen verwirrend wären aber nicht so für den berühmten Meisterdetektiv. 

 

Installation/Spielstart

"Sherlock Holmes und das Geheimnis der Mumie" wird auf einer CD mit Handbuch in einer DVD-Box verkauft. Für die Installation benötigt es minimal 130 MB, maximal 655 MB auf der Festplatte. Wir gelangen direkt ins Hauptmenü und können dort Spieloptionen einstellen, das Spiel beginnen, speichern, laden oder beenden. Der Introfilm zeigt uns Holmes auf seiner Kutschenfahrt zu seinem Einsatzort. Er liest nochmals Elizabeths Brief. Nachdem er ins Schloß eingelassen wurde, können wir die Spielsteuerung übernehmen.

 

Steuerung/Handling

Das vollkommen mausgesteuerte ( nur mit der linken Maustaste) Spiel beginnt und wir können in 1st-Person-Perspektive ruckelfrei und sanft in alle Richtungen scrollen. Am Mauscursor können wir ablesen, ob wir uns in eine bestimmte Richtung bewegen oder mit einem Objekt interagieren können.

Gleich vorweg: Die Steuerung ist diesmal wesentlich besser gelungen als beim Geheimnis der Nautilus. Eine Mausbewegung in die linke untere Ecke zur Inventar-Tasche oder dem Link zum Hauptmenü in Form eines Buches, verschiebt nicht immer gleich den gesamten Bildbereich. Erst wenn man ganz zum Rand fährt, scrollt der Bildausschnitt. Gut so!

Der Standardcursor ist eine gut sichtbare Hand, die eine Pfeife hält. Mit der geöffneten Hand können wir ein Objekt nehmen, die deutenden Hand zeigt einen Platz- oder Szenenwechsel an, eine Hand mit Schraubenschlüssel weist darauf hin, daß man etwas manipulieren kann und schließlich bekommen wir eine Zoomansicht durch das Vergrößerungsglas. Alles ist im knappen Handbuch beschrieben, aber wir benötigen es kaum, da die Steuerung intuitiv und einfach ist. Wer an der komplizierten Steuerung bei Nautilus verzweifelt sein sollte, der kann beruhigt werden, das Handling kann sich nun sehen lassen.

Das Inventar öffnet sich auf Mausklick im Vollbildmodus. Geschlossen wird es durch einen Klick auf einen Button (einfacher wäre vielleicht Rechtsklick gewesen). Alle Objekte sind deutlich zu erkennen und werden außerdem durch eine Textzeile beschrieben, sobald sie ausgewählt wurden. Man trägt ein Inventarobjekt so lange in der Hand, bis man es wieder zurücklegt. Objekte können sowohl im Inventar kombiniert als auch im Spielbereich angewendet werden. Es gibt Gegenstände, die nicht verwendet werden, allerdings ist das Inventar jederzeit übersichtlich und birgt nie mehr als 15 Objekte. Benutzte und nicht mehr benötigte Gegenstände verschwinden.

Man erinnert sich vielleicht bei Nautilus an die schwer zu findenden Hotspots. Das gibt es bei Sherlock Holmes nur selten, aber es kann auch vorkommen, daß man hier und da den Cursor sehr präzise positionieren muß.

Im Hauptmenü sind nach dem Start noch zwei Menüpunkte hinzugefügt worden. Man kann alle eingesammelten Dokumente hier abrufen. Ein zweiter Menüpunkt sammelt alle Gedanken, die Sherlock während seines Aufenthaltes laut ausspricht in einer Art Protokoll, der neueste zuoberst. Das ist ein sehr hilfreiches Tool, da manchmal die Texte nur kurz oder manchmal gar nicht eingeblendet werden und man nicht Verstandenes so nochmals nachlesen kann. Diese Kommentare können zwar abgeschaltet werden, das ist aber wirklich nicht ratsam.

Das Spiel hat 6 Speicherplätze, die man einzeln anklicken kann. Dort wird dann automatisch der Bildschirminhalt, das Kapitel, Tag und Uhrzeit gespeichert. Alle Überschreibevorgänge müssen nochmals bestätigt werden. Da man aus gutem Grund sehr häufig speichern sollte, sind diese 6 Speicherplätze unzureichend. Da es eine Reihe von zeitabhängigen Spielabschnitten gibt, speichert man gerade dort sehr häufig und es kann sein, daß man aus Not einmal ein später benötigtes Savegame überschreibt.

Die Zeiten, die man benötigt, das Spiel erneut zu starten, zu speichern, zu laden oder wieder zu verlassen sind absolut kurz gehalten - ein weiterer Pluspunkt des soliden Handlings.

 

Grafik

Der gesamte interaktive Bereich von "Sherlock Holmes und das Geheimnis der Mumie" spielt innerhalb von Montcalfe Castle. Im Verlauf des Spiels werden immer mehr Räumlichkeiten zugänglich, man öffnet Türen zu Ausstellungsräumen, Fluren, Bibliotheken, Lagerräumen und Geheimzimmern - über 35 Räume insgesamt -   wo wirklich jedes Detail zählt und untersucht werden muß.

Man hat die Möglichkeit in den Optionen das Filtering einzustellen und kann tatsächlich eine Verbesserung der immer leicht verschwommen wirkenden Umgebung erkennen, wenn man die Maximaleinstellung wählt. Die mehr als 100 Objekte, die man benutzen oder aufsammeln kann sind in den opulenten Szenarien oft nicht auf den ersten Blick zu finden. Da muß die Maus schon in alle Richtungen schweifen, also auch nach oben oder unten, und immer auch nach hinten.

Im Haus finden wir kaum Animationen, wie Feuer oder Rauch. Nur wenn wir einen Mechanismus in Bewegung gesetzt haben, bewegt sich etwas und natürlich in den Videosequenzen, in denen wir Sherlock und andere in Persona sehen dürfen. Solche Sequenzen gibt's auch jedes Mal, wenn Sherlock es nicht geschafft hat und ins Gras beißen muß. Ehrlich gesagt, habe ich ihn ab und zu ganz gerne zusammenbrechen und sterben sehen, da er meinem alten Mathelehrer sehr ähnlich sieht! Die Videosequenzen sind zwar von recht guter Qualität, allerdings nur bei einer Person, die ich hier nicht näher benennen will, stimmen auch die Mundbewegungen und die Mimik.

 

Musik/Sound/Sprache

Die wenigen Musikthemen passen zum antiken oder kolonialenglischen  Ambiente und werden aufgeregter, je mehr sich unser Held unter Zeitdruck befindet oder in Schwierigkeiten gerät. Meist hören wir orientalisch anmutende Musik, Harfen- oder Xylophonklänge. Wenige Soundeffekte unterstützen die unheimliche Atmosphäre in dem einsamen Schloß. Die Sprachausgabe hat sich gegenüber der Demo wesentlich verbessert. Man nimmt dem Sprecher den englischen Gentleman jetzt ab und auch die anderen Stimmen sind passend gewählt - leider agieren alle Personen (bis auf eine Ausnahme) weniger ausdrucksvoll als ihre Stimmen es hergeben würden.

 

Rätsel

Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel steigert sich im Spielverlauf (5 Kapitel) von einem mittleren Level bis hin zu sehr schwer. Sherlock Holmes ist kein Spiel, daß man Genreneulingen ans Herz legen kann. Zwar weiß man durch Dokumente und Sherlocks Sprachprotokoll meist, welche Aufgabe ansteht, aber die Ausführung benötigt schon eine präzise Vorgehensweise, die fortgeschrittene Adventurespieler sich bereits antrainiert haben und somit bei einer ablaufenden Uhr nicht gleich in Panik geraten.

Zunächst müssen Objekte, Dokumente und Hotspots gefunden werden. Das erfordert manchmal Positioniergenauigkeit des Cursors. Oft muß hierbei eine bestimmte Reihenfolge eingehalten werden. An anderen Stellen ist das Spiel wiederum nicht linear und man kann am Ende einer zeitabhängigen Sequenz feststellen, daß man im anderen Teil des Hauses eventuell etwas vergessen hat. Sackgassen habe ich keine gefunden, allerdings kann Holmes an vielen Stellen sterben.

Sherlock muß Maschinen in Gang bringen, Schiebepuzzle lösen und Kodierrätsel entziffern. Hinweise gibt es dazu immer, der Spieler/die Spielerin muß eben nur den logischen Zusammenhang herausfinden.

Zeitabhängige Rätsel sind häufig und hier muß man davon ausgehen, daß man nicht mit 5 oder 6 Anläufen hinkommt. Zwar sind die Zeiten durchaus nicht knapp bemessen, aber oft sind die mit Zeitlimit versehenen Sequenzen sehr, sehr lang!  Es wird verlangt, daß man ein kompliziertes Buchstabenrätsel in einer gewissen Zeit knackt und dann auch noch korrekt auf einer Tafel notiert. Ein eingeblendeter Zeitmesser erhöht die Spannung dabei noch mehr. Allerdings wird dieses Rätsel noch durch ein japanisches Puzzle getoppt: auf einem Spielfeld von 31 x 29 winzigen Feldern müssen weiße und graue Steine nach einem noch herauszufindenden Algorithmus plaziert werden und das unter Zeitdruck!

Auch wenn man hier und da nicht so recht den Zusammenhang mit der Geschichte erkennt, so sind die Rätsel doch sehr abwechslungsreich und wie gesagt teilweise sehr knackig. So verspricht der Text auf der Box mit ca. 20 Stunden Spielzeit nichts Falsches (immer vorausgesetzt man spielt ohne Lösungshilfe).

 

Zusammenfassung

Die Hintergrundgeschichte erfahren wir, wenn überhaupt, stückchenweise durch Dokumente, Sherlocks Kommentare und die eine oder andere Begegnung mit anderen Charakteren. Erst zum wirklich überraschenden Ende erhalten wir eine ausführliche Aufklärung über die Hintergründe.

Kein Spiel, das ich Anfängern empfehlen würde oder Spielern, die nicht hartnäckig auch nach vielen Toden an der gleichen Stelle dranbleiben wollen. Ebenfalls nichts für Spieler, die die Unterhaltung und Interaktion mit vielen Charakteren lieben. Für erfahrene Adventurespieler allerdings, die die Einsamkeit der Ego-Perspektive mögen und knackige Rätsel mit Zeitlimit verkraften, eine empfehlenswerte Herausforderung.

"Sherlock Holmes und das Geheimnis der Mumie" soll 2003 in einer deutschen Fassung erscheinen. Ein genauer Veröffentlichungstermin ist noch nicht bekannt.

 

Gesamtwertung: 69%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100%  sehr gutes Spiel  (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79%    gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69%    befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59%    ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49%    ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0%  bis 39%    grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Pentium oder AMD 350 Mhz
  • 64 MB RAM
  • 8 MB Grafikkarte
  • CDROM-Laufwerk
  • 130 MB Festplatte (minimal)
  • Soundkarte

gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel
 

Das Hauptmenü
Das Hauptmenü

Holmes reist an
Holmes reist an

Sherlocks Kommentare werden auf Wunsch eingeblendet
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Jede Menge Artefakte
Jede Menge Artefakte

Achtung - Mumie!
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Die Bibliothek
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Dokumente kann man jederzeit lesen
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Holmes findet ein interessantes Buch
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Viel ist nicht übrig geblieben
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Wer schleicht denn da?
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Schiebepuzzle auf ägyptisch
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Das Inventar
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Game Over!
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Die Zeit läuft ab ...
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Überall Zerstörung
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Im Labor muß Holmes auf der Hut sein
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Elizabeth
Elizabeth

 

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Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 27. Dezember 2002

 

 

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