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Shutter Island


Erscheinungsdatum: 25.02.2010

Entwickler: City Interactive

Publisher: Merscom/Ubisoft


Spielsprache: deutsch

Boxshots

 

USK: Geeignet ab 6 Jahren
PEGI: 12+ (Schimpfwörter)

 

 

Ein Review von   Thelma   26. März 2010



"Das Adventure-Spiel" verspricht die Subline auf dem Hardcover zum "Spiel
zum Film", wie dort ebenfalls vermerkt ist. Sowie das Versprechen "diese
Insel wirst du nie verlassen". Ein Adventure? Oder ein Hidden-Object-Spiel?
Oder eine Genre-Mischung, wie mir der Untertitel suggeriert? Man wird
spielen und sehen.


Story


Noch vor dem Vorspann - sozusagen zum Warmwerden - stimmen mich paar kleine Suchaufgaben auf das ein, worum es in Shutter Island hauptsächlich geht: das Finden versteckter Gegenstände. Wir (Ted Daniels und Chuck Aule, die
Namen, Locations und Personenfotos orientieren sich alle an dem gleichnamigen, kürzlich erschienenen Psychothriller von Martin Scorsese mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle; das Spiel soll den Film promoten) befinden uns vor einem Mausoleum auf der Gefängnisinsel und müssen uns vor einem Unwetter schützen. Nachdem wir die passenden Gegenstände gefunden und uns im Mausoleum verschanzt haben, versetzt uns ein Zeitsprung sechs Stunden zurück an den Anfang der Handlung, und nun startet die eigentliche Geschichte mit der Überfahrt nach Shutter Island. In kurzen, selbstablaufenden Dialogen werden wir darüber ins Bild gesetzt, dass Ted und Chuck zwei Polizisten sind, die dienstlich unterwegs sind zu einem Spezialgefängnis für geistesgestörte Schwerverbrecher. Und weiter geht das Sachensuchen. Zunächst auf dem Schiff, später in allen möglichen Räumen und Locations auf der Insel und in der Anstalt.

Die Überschrift "Story" trifft es hier eigentlich nicht ganz. Eine richtige Geschichte wird nicht erzählt. Immer wenn ein Suchbild "leergesucht" ist, bekommen wir ein kleines Storybröckchen, z.B. Patientenakten mit gruseligen Details über die jeweilige Geisteskrankheit des/der Insassen/Insassin, aber sie werden nie zu einer großen, ganzen Geschichte. Wir müssen uns zwischenzeitlich zwar einem bestimmten Handlungsabschnitt widmen (z.B. Dinge zum Löschen suchen, weil eine Insassin ein Feuer gelegt hat), aber aus allen Teilen wird keine wirkliche Story. Gegen Ende verdichtet sich die Atmosphäre zwar zu einem gewissen oh-jetzt-ist-es-gleich-vorbei-Gefühl, aber eigentlich bleiben alle Fragen offen. Ich war richtig perplex, als das Spiel plötzlich zu Ende war, weil ich ständig mit einer Auflösung gerechnet hatte, die aber gänzlich ausblieb.

Über die Nähe zum Film kann ich leider nicht viel sagen. Vor dem Kinobesuch,
den ich der Chefredakteurin im Zusammenhang mit dieser Review in Aussicht gestellt hatte, habe ich dann nach Sichtung des Trailers doch gekniffen (sorry nochmal!), eindeutig zu gruselig für mich. Ich werde schon panisch beim Laternenfisch in Findet Nemo ;-)

Nur soviel: etwaige Zusammenhänge oder Pointen im Showdown des Filmes werden dem Spieler im Spiel nicht verraten. Dafür ist die Handlung viel zu
rudimentär. Denn Shutter Island ist ein HdO-Spiel.



Rätsel


Wie schon gesagt: Dreh- und Angelpunkt ist das Finden von Gegenständen. Gelegentlich muss man zwar einzelne gefundene Objekte zu einer Art Werkzeuggruppe arrangieren, etwa eine Metallstange und einen Faden, um eine
Tür zu schließen, hierbei handelt es sich aber nicht um echte Kombinationsrätsel, denn man muss lediglich alle Werkzeuge in beliebiger Reihenfolge in die entsprechende Anzahl grauer Kreise schubsen, zack, fertig. Die Such-Aufgaben werden gelegentlich durch Minispiele unterbrochen, man muss u.a. Zahnräder zum Laufen bringen, Bilder vergleichen, ein Schiebepuzzle und ein Matherätsel lösen, ein Drahtlabyrinth entwirren usw.

Die Suchaufgaben sind grafisch toll, recht phantasievoll und ansprechend gestaltet. Man sucht sowohl nach Bildern als auch nach Zahlen und Begriffen, an einem Ort - sehr nett - sogar nach Rätseln ("Ich gleite über die Erde, zu hören ist mein Zischen", angeklickt werden soll die Schlange).

Das Suchen ist meistens nicht sachlich motiviert. Ausnahmen sind das Türöffnen am Anfang, später einmal muss man Brandbeschleuniger vor der Brandstifterin in Sicherheit bringen oder Ted Wasser und Tabletten suchen, weil er "Kopfweh" hat. Sonst wird wahllos gesucht, allerdings oft im thematischem Dunstkreis der Psychiatrie (Spritzen, Handschellen, Medikamente....). Die Suchaufgaben haben manchmal richtig Charme und Witz. Beispiel: man muss Zahlen suchen und plagt sich lange mit der 6, bis man sie endlich entdeckt: sie ist die römische VI. Die Warnung bei schnellem und planlosem Klicken ist auch pfiffig gestaltet: Nebel überzieht den Raum und aus dem Off wird man gewarnt, nicht zu hektisch zu sein, weil Ted sonst wieder Kopfschmerzen bekommt ...



Sound, Grafik, Technisches und Atmosphärisches


Die Grafik besticht durch einen ausgesucht schönen und liebevollen Detailreichtum. Hat mir toll gefallen. Die Musik ist wunderschön.

Auf meinem Rechner lief das Spiel nicht ganz reibungslos: ungefähr 20x wechselte die Ansicht völlig unvermittelt zum Desktop, so als hätte ich alt-tab gedrückt, hatte ich aber nicht. Das Spiel lief aber noch im Hintergrund und konnte durch Klick auf den "Fortsetzen"-Button fortgesetzt werden.

Bei der Übersetzung haben sich ein paar kleine Fehler eingeschlichen, die beim Sachensuchen ganz schön nerven. Wenn man einen "Spaten" sucht, kommt man erstmal nicht drauf, dass man auf den "Spatel" klicken muss! "Zahnrad" soll eigentlich "Gasmaske" heißen, eine "Spraydose" ist eine Blumenspritze und von "Klemme" bin ich nicht so ohne weiteres auf den Schraubstock gekommen. Alles nicht so schlimm, denn man kann sich unbegrenzt Tipps geben lassen und bekommt nach jedem Tipp eine Zeitstrafe, bis der Tipp-Button in Form einer Taschenlampe wieder aktiv ist.

Atmosphärisch erwähnenswert: Die Suche im Dunkeln ist schön schaurig - man
sieht nur im Lichtkegel der Taschenlampe, in die sich die Maus verwendelt hat. Nachdem wir ein Feuer gelöscht haben, behindert Dampf das Finden von Gegenständen. Durch das Gefängnis hallen Schreie, die gegen Ende des Spieles
immer lauter und immer beängstigender werden.




Genre???


Tja. Wann ist ein Adventure ein Adventure? Vor dieser Frage stehe ich, wenn
ich beurteilen soll, ob die Headline "Das Adventure Spiel" hält, was sie verspricht. Es hilft nichts, ich muss anlässlich dieses kleinen Spiels das große Thema "Definition Adventure" anschneiden. Ich versuche es mal schnell und subjektiv. Für mich ist bei einem HdO-Spiel eine locker geknüpfte Rahmenhandlung mehr oder weniger ein Vorwand, um von Suchscreen zu Suchscreen zu gelangen. Bei einem Adventure ist es nicht egal, was man dort sucht. Ein reines HdO kann man ohne Probleme spielen und genießen, ohne sich um die Rahmenhandlung zu kümmern. Im Extremfall klickt man die lästigen Dialoge, die einen am erneuten Sachensuchen hindern, schnell weg - das Spiel funktioniert trotzdem. Bei einem Adventure geht das nicht. Man riskiert, wichtige Infos zu verpassen, auf die der Fortgang der Geschichte ggf. aufbaut. Die Entwicklung einer Story mit Anfang, Mitte und Schluss ist für mich ein zentrales Genre-Element des Adventures. D.h. es wäre z.B. denkbar, die Rätsel eines Adventures ausschließlich aus Suchspielen bestehen zu lassen, die sind dann aber bloß der Weg zum Ziel, nicht die Hauptsache. Bei HdO's sind sie die Hauptsache. In eine knackige Formel gegossen: HdO: Herzstück: Gegenstände suchen, Garnitur: eine Story. Adventure: umgekehrt.

Wer sich mit dieser Definition anfreunden kann, der wird nach dem Auffinden
aller versteckten Gegenstände in Shutter Island wie ich zu dem Urteil kommen: das war kein Adventure! Das war ein reines Hidden-Objects-Spiel mit einer rudimentären und (im wahrsten Sinne des Wortes) nebulösen Rahmenhandlung, die mit dem Zeigen von mehr oder weniger gruseligen Krankengeschichten zu Anfang einen Spannungsbogen aufbaut, der nie so richtig weiter geführt wird und gegen Ende in irrem Gelächter unerzählt verhallt. Gelegentlich flackert so was wie ein roter Handlungsfaden auf, aber der verheddert sich immer wieder in neuen Suchräumen.



Fazit


Wer sich Shutter Island als HdO-Spiel kauft und beim Sachensuchen ein wenig
Gruselatmosphäre genießen möchte, wird mit Shutter Island auf seine Kosten
kommen. Wer das Spiel kauft, weil er ein spannendes Adventure erwartet, wird
enttäuscht sein. Ich empfinde die Subline "Das Adventure Spiel" als
Etikettenschwindel. Möchte dem Publisher aber auch nicht Unrecht tun: in
vielen Casual Games-Sammlungen hat es sich nach meiner Wahrnehmung in
letzter Zeit eingeschliffen, Suchspiele aller Art unter der Rubrik "Adventures" zu listen.

Wegen dieser Genre-Unsicherheit möchte ich heute erstmals zwei Wertungen
vergeben! Die eine zur Orientierung für HdO-Spieler, die andere für
Adventure-Fans.





Gesamtwertung 

als HdO: 79%

als Adventure: 45%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemanforderungen:

  • Windows XP/Vista/7
  • 1 GHz Prozessor
  • 512 MB RAM
  • 150 MB freier Festplattenspeicher
  • Tastatur und Maus
  • DirectX 8.1+
  • CDROM-Laufwerk
  • Soundkarte

 

Gespielt auf:

  • Windows XP
  • NVIDEA-GeForce 6200
  • 512 MB
  • Pentium 4 CPU 1700 MHz

 

 

 

 

Überfahrt zum Ashecliff Krankenhaus - das Spiel zum Film
Überfahrt zum Ashecliff Krankenhaus - das Spiel zum Film

 

 

Die Dialogpartner zwischen den Suchaufgaben sind die Schauspieler
Die Dialogpartner zwischen den Suchaufgaben sind die Schauspieler

 

 

 

Und auch Herr Kingsley ist dabei
Und auch Herr Kingsley ist dabei

 

 

 

Die Texte der Patientenakten sind schon recht gruselig
Die Texte der Patientenakten sind schon recht gruselig

 

 

 


Einer der vielen vielen Räume, die es zu durchsuchen gilt. Hier suchen
Einer der vielen vielen Räume, die es zu durchsuchen gilt. Hier suchen
nach Zahlen

 

 

Gefundene Werkzeuge müssen in Kreise geschoben werden - eigentlich gar
Gefundene Werkzeuge müssen in Kreise geschoben werden - eigentlich gar
kein Rätseln, sondern ein Aufräumen

 

 

Wenn Ted Kopfschmerzen bekommt, sieht er invers
Wenn Ted Kopfschmerzen bekommt, sieht er invers

 

 

Delores: Hallo Schatz!
Delores: Hallo Schatz!

 

 

Hier: Suchen nach Begriffen
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Eines der Minispiele: Kabel entwirren
Eines der Minispiele: Kabel entwirren

 

 

 

 

Mehr Screenshots

 


 


 

 

 

 

 

 

Copyright © Thelma für Adventure-Archiv, 26. März 2010

 

 

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