Simon the Sorcerer ist wieder da - und
diesmal in 3D! Das verkündete Headfirsts Homepage seit 3 Jahren oder länger. Zunächst
hatten die Entwickler eine Fortsetzung der ersten beiden Teile in 2D geplant und schon zum
Teil ausgeführt - aber nichts da - damit findet man ja keinen Publisher! Was uns hier
aber an 3D-Grafik präsentiert wird, scheint wie die Rache der Entwickler an allen, die
sagen, daß ohne 3D nichts mehr geht. Man entschied sich
schließlich für die Zusammenarbeit mit Hasbro, einem alten Familienunternehmen,
hauptsächlich bekannt durch die Brettspiele Monopoly, Scrabble und Cluedo. Als dann im
Januar 2001 Hasbro von Infogrames gekauft wurde, ging's regelrecht bergab mit Simon. Was
sich hinter den Kulissen im Lizenzgeschäft abgespielt hat, kann ich nicht nachvollziehen,
aber wer natürlich wieder in die Röhre gucken mußte, waren die Fans. Wie dem auch sei,
ungefähr 1 1/2 Jahre nach dem geplanten Termin erhalten wir die Möglichkeit, die
Fortsetzung der Simon-Story zu erleben.
Um es gleich vorweg zu nehmen: ich habe lange kein Spiel gespielt,
daß solch zweischneidige Gefühle hervorrief und einen Review dadurch nicht gerade
erleichtert. Mal sehen woran das lag...
Geschichte
In den ersten beiden Teilen wurde Simon, damals noch ein
normaler" 12jähriger, durch ein magisches Portal in die Welt von Calypso und
Sordid transportiert. Calypso ist der gute Zauberer - da bleibt für Sordid nur noch der
Part des Bösewichts. Natürlich hilft Simon Calypso, bekämpft Sordid und rettet die
Welt. Am Ende des 2. Teils hat Simon jedoch seinen Körper an den wirklich üblen Sordid
verloren und bleibt körperlos zurück.
Hier schließt der dritte Teil nahtlos an.
In der Startsequenz können wir Runt, Sordids Gehilfen, beobachten.
Er hat für seinen Meister, der sich immer noch in Simons Körper befindet, einen neuen
gewaltigen Monsterkörper geschaffen, den der Magier gerne überstreift, um durch den
Nexus die Weltherrschaft zu übernehmen oder so ähnlich - habe das bei StarTrek schon
nicht richtig begriffen.
Calypso, Melissa Leg und einige Priester bringen Simons Leib und
Seele zu einer Pyramide in die Kammer der Wiedergeburt. Sie wissen, dass nur er ihnen
gegen Sordid helfen kann. Sie können zwar den Wiederbelebungszauber durchführen aber
letztlich muß Simon sich dessen würdig erweisen um von der Zwischenwelt wieder ins Reich
der Lebenden zurückkehren zu können. Er ist auf sich allein gestellt. Simon erwacht im
Innern der Pyramide. Das Spiel beginnt
Installation/Start
Zwei CDs und ein 20seitiges, bebildertes Handbuch befinden sich in
der DVD-Box. Die Covergestaltung der Box ist, wie sich herausstellen soll, eins der
grafischen Highlights des Spiels! Die Installation der benötigten 430 MB auf der
Festplatte unter WinME verläuft reibungslos und wir gelangen ins Startmenü. Die Option
"Einstellungen" ermöglicht Änderungen von Grafikoptionen und zum Sound. Man
kann auch die Tastaturbelegung ändern, das Spiel starten, verlassen oder deinstallieren.
Die folgende Introsequenz, die uns mit wahnsinnigen Kamerafahrten einen kleinen Einblick
in Simons neuen Aufgabenbereich gibt, kann durch die ESC-Taste abgebrochen werden. Mich
hat es später etwas genervt, dass diese Introsequenz einfach immer erscheint, sowohl beim
Starten als auch beim Verlassen. Wenn man sie ein paar Mal gesehen ha,t reicht's
eigentlich.
Hat man die ESC-Taste gedrückt, gelangt man nach einiger Wartezeit
im Hauptmenü - hier kann man ein Spiel laden oder beginnen. Bei einem neuen Spiel wird
uns nochmals kurz die Vorgeschichte erzählt beginnend im Star Wars-Stil mit bewegender
Musik und einem in der Unendlichkeit verschwindenden Text. Nachdem Simon erwacht ist,
können wir beginnen, die Tastatursteuerung auszuprobieren.
Handling
Bis auf die Menübedienung wird unser Held mit den Pfeiltasten
gesteuert. Shift läßt ihn langsamer oder schneller laufen, CapsLock lässt ihn rennen.
Er kann auch kriechen mit der X-Taste, Gegenstände untersuchen mit der Z-Taste und
Aktionen durchführen mit STRG oder ENTER. Die Grundbedienungselemente werden auch im
knappen Handbuch erklärt. Kommen wir jedoch an spezielle Punkte im Spiel, wo wir
beispielsweise Dart spielen oder die Handhabung eines Zauberbuchs erlernen müssen, meldet
sich eine "entzückende" gute geflügelte Fee mit kurzem Röckchen und
Turnschuhen, sonst jedoch eher an Mutter Beimer erinnernd, zu Wort.
Die Dialoge zwischen ihr und ihrem Schützling Simon sollte man
nicht nur wegen des verbalen Schlagabtauschs beachten. Sie führt uns jeweils in neue oder
gerade an dieser Stelle benötigte Steuerungselemente ein. Und sie tut es nur einmal! Also
zuhören und gegebenenfalls notieren, denn im Handbuch steht meistens nichts darüber.
Einmal schienen mir ihre Anweisungen geradezu konfus,
möglicherweise auch durch die Übersetzung bedingt, jedenfalls bediente ich beim
Feuerwerk so lange die falschen Tasten, bis ich mir absolut sicher war, keinen
Eingabefehler mehr gemacht zu haben. Da half nur noch die Lösung weiter. Das Feuerwerk
ist eines der Minispiele", bei dem man neben Fingerfertigkeit auch eine gute
Reaktionsfähigkeit haben sollte. Ich glaube, es ähnelt den Tests, die z.B.
Fluglotsenanwärter machen müssen. Es ist eine Umsetzung von Zuordnungen von Ereignissen
zu bestimmten Tasten, die dann je nach Erscheinen von Symbolen passend gedrückt werden
müssen. Dumm ist es bei diesem Spiel, daß man immer wieder auf einen der Ausgangpunkte
(Lebensfelder) zurückgeworfen wird und sich immer wieder an das Minispiel heranarbeiten
und eine Menge von Dialogzeilen erneut anhören muß, bevor man wieder starten kann.
Ich hätte mir speziell zu den Minispielen zusätzliche
Informationen im Handbuch gewünscht.
Wenn Simon interagieren kann, so sehen wir das Objekt im Augenicon
oben rechts. Nimmt er ein Objekt auf oder wird eines über das Inventar gewählt, dann ist
es im Handicon daneben zu erkennen. Ein gutes Feature ist, das man mit der C-Taste schnell
durch das Inventar von Objekt zu Objekt springen kann ohne das Menü selbst öffnen zu
müssen. Hierzu muß man nämlich die Leertaste drücken und ein Zauberbuch öffnet sich.
Hier ist neben der Tastenbedienung auch die Maus zugelassen. Über das Zauberbuch erreicht
man neben dem Inventar ebenfalls die Punkte Speichern, Laden, Verlassen und Optionen. Die
Kombination von Inventargegenständen ist per Tastatur recht umständlich. Es gibt
nämlich Stellen, wo man recht schnell Objekte kombinieren und verwenden muß.
Wir sehen unseren Helden (in diesem 3rd-Person-Spiel) meist aus
einer Perspektive direkt hinter ihm. Je nach Umgebung auch mal von vorne oder aus weiterer
Entfernung.
Es ist nicht so leicht, ihn einfach geradeaus laufen zu lassen -
daraus wird oft ein Zick-Zack-Lauf. Dies wird an manchen kritischen Punkten zum
Verhängnis.
Gute und hilfreiche Features, die tatsächlich mal Gebrauch von der
3D-Umgebung machen sind die Rundumsicht", die man mit der TAB-Taste aufrufen
kann und auch die X-Taste, womit sich Simon kriechend weiterbewegt. Hier wechselt die
Perspektive zu 1st-Person und man sieht genau das, was Simon auch sieht und das ist mehr,
als man aus der 3rd-Person-Sicht sehen könnte. Man kann Simon dann auch mit den
Pfeiltasten drehen, damit er seine Umgebung sondieren kann.
Alles in allem ist die Steuerung Mittelmaß - ich habe schon
wesentlich Besseres aber auch wesentlich Schlechteres erlebt. Speziell die Objektanwendung
ist umständlich und die Steuerung unseres Zauberers bedarf einer gehörigen
Konzentration, besonders wenn man unter Zeitdruck steht.
Simons Welt ist sehr groß. Deshalb muß er eine Menge weiter Wege
zurücklegen. Nach der Ersterkundung für meinen Geschmack viel zuviel und das Herumlaufen
dient nur noch der Spielverlängerung. Zum Glück gibt es an einigen Stellen
Telefonzellen, mit denen sich Simon an andere Orte teleportieren lassen kann. Betritt er
eine Zelle, erscheint die Übersichtskarte des Bereichs und dort sind die ansteuerbaren
Punkte verzeichnet. Zu einem späteren Zeitpunkt kann Simon dann noch per Regenvogel
reisen, allerdings landen diese Vögel auch nur an bestimmten Punkten und arbeiten z.B.
auch nur tagsüber.
Zum Speichern eines Spielstandes müssen wir über die Leertaste das
Zauberbuch öffnen und dort die Auswahl "Disk" treffen. Dort hat man 42 Slots in
denen man einen Namen für das gespeicherte Spiel vergeben kann. Die Zahl scheint
zunächst ausreichend, engt aber bei zunehmender Spieldauer ein. Eine unbegrenzte Zahl
wäre hier angebracht gewesen.
Positiv: Nur einmal im Spielverlauf muß von CD1 zu CD2 gewechselt
werden.
Grafik
Nun kommen wir zu einem sehr wunden Punkt: Simon the Sorcerer 3 hat
ja die dritte Dimension entdeckt. Vor 2 Jahren, als das Spiel so gut wie fertig war,
hätte man über die absolut grobkantigen und eckigen Charaktere, Objekte und Szenerien
hinweggesehen. Mußte das nun wirklich sein? Wieso 3D, wenn man nicht in der Lage ist eine
Hand als Hand darzustellen? Simon selbst macht darüber noch Scherze: Meine Hände
sehen aus wie Würfel!". Anscheinend wurde die minimal mögliche Anzahl von Polygonen
verwendet - kein schöner Anblick! Ich persönlich lege in einem Adventure nicht den
Schwerpunkt auf Grafik, aber wenn man dabei Probleme bekommt, etwas zu erkennen, dann wird
es auch mir zuviel. Einziger Lichtpunkt der Charaktergrafiken: Speziell unser
Hauptdarsteller zeigt vielfältige Mimik und Gestik, immer passend zum Text und sehr
ausdrucksstark. Alle Gesichter wurden in 2D erstellt und dann wie ein Flaschenetikett auf
dem Kopf angebracht.
Die Zauberwelt ist riesig und bietet jede Menge von Locations, die
Simon völlig frei erkunden kann. Leider vermisst man hier ebenfalls Abstufungen oder
feinere Texturen - alles grob und kantig. Unser Held läuft, wie so oft schon bei anderen
3D-Spielen angemerkt, in Wände und Gegenstände.
Während es beim Wald nicht so ins Gewicht fällt, daß er recht
unbelebt ist, so regt sich in der Stadt recht wenig Leben. Ganze 2 Charaktere, mit denen
der Held nicht interagieren kann, bevölkern die Straßen.
Bezogen auf das große Gebiet, das man durchstreifen kann, trifft
man auf relativ wenige andere Lebewesen. Einige von Ihnen kennt man bereits aus den
Vorgängerspielen, wie den Sumpfling oder die beiden Dämonen, andere sind neu wie die
Lara-Croft-Konkurrenz Melissa. Während der Unterhaltungen und auch beim Rätsellösen
bieten Animationssequenzen Auflockerung.
Rätsel/Action
Kommen wir zum angnehmeren Teil. Die Rätsel sind zwar nicht immer
logisch doch einfallsreich und abgedreht wie das Spiel selbst. Beispielsweise ist es
unlogisch, wenn man beim Dartspiel einen Pfeil durchs Fenster schießt, hinausgeht und
dort nichts vorfindet aber nach Erledigung einer ganz anderen Aufgabe wieder zurückkommt
und der Pfeil ist dann plötzlich da.
Die reinen Rätselteile sind jedoch meistens ein Genuß. Sie sind
vielfältig und sehr unterschiedlich. In jedem der 6 Kapitel ist eine Hauptaufgabe zu
lösen. Dazu muß man eine Vielzahl von Unteraufgaben bewältigen. Zunächst geht es
darum, in dem sehr großen Gebiet Objekte und Ansprechpartner zu finden. Inventarobjekte
müssen findig verbunden werden und können mehrfach auf verschiedene Arten genutzt
werden. Irgendwann erhält Simon auch ein "Chakara" - eine Art Jojo das er auf
die verschiedensten Arten Nutzen kann, z.B. um weit entfernte Dinge zu erreichen.
Die Rätsel sind in die 3D-Welt eingewoben und so kommt es oft
darauf an, Probleme aus einer anderen "Perspektive" anzugehen. In Simon the
Sorcerer 3D hat unser Held auch erstmals die Möglichkeit, die Welt bei Nacht zu erleben,
denn einige Dinge kann man halt nur im Dunkeln erledigen. Es gibt auch eine Reihe von
Farbrätseln, Texträtsel, Rhythmusrätsel ... und andere Überraschungen.
Der Handlungsverlauf ist nicht rein linear. Man kann die
geschachtelten Rätsel in unterschiedlicher Reihenfolge lösen bis zu einem gewissen
Punkt.
An einigen Stellen benötigt Simon eine bestimmte Menge des hier
üblichen Zahlungsmittels: "Kröten". Er kann sie auf verschiedenste Arten
erhalten und sein Krötenkonto wird oben rechts neben dem Augen- und dem Handicon
angezeigt.
Neben reinen Rätselaufgaben muß unser 3D-Held aber auch jede Menge
Aufgaben erledigen, die in die Sparte Action, Jump&Run und Geschicklichkeit gehören.
Gleich zu Beginn des Spiels, ich will es mal Aufwärmphase nennen, muß Simon einer
rollenden Steinkugel á la Indiana Jones unter Zeitlimit entgehen. Hier werden die kleinen
Finger erstmals trainiert, denn die Zeit ist knapp bemessen und der Tod (er wird danach
jedesmal auf einem Lebensfeld wiederbelebt) kommt oft.
Zu erwähnen ist, daß mir die gleiche Szene bereits früher im
Adventure "Spud" einige Schwierigkeiten bereitete, damals jedoch freute ich mich
noch über den guten Gag, bei Simon ist das nur noch ein warmer Aufguß. Allerdings ist
dieses "Training" zu Beginn schon wichtig, denn wir werden später noch weit
Schwierigeres bewältigen müssen, da ist es gut, die Tastenbelegung zu verinnerlichen.
Simon muß springen, rennen, schießen, schleichen, schaukeln,
balancieren, kleine und große Wesen fangen und vieles mehr. Dabei gibt es nicht selten
ein Zeitlimit, das z. B. im Gegensatz zu "Jules Verne - Das Geheimnis der
Nautilus" sehr, sehr eng gesetzt ist. Diese "Minispiele" werden dem
ungeübten Actionspieler eine Menge Probleme bereiten, müssen sie doch selbst bewältigt
werden - da hilft auch kein Walkthrough. Wenn man einige Stunden damit verbracht hat,
Enten auf dem Jahrmarkt zu schießen, um einen Preis zu gewinnen, dann kann der
Frustfaktor schon erheblich steigen. Während die meisten dieser "Minispiele" in
engem Zusammenhang mit der Story stehen, so gibt es doch einige, die mir eher der
Spielverlängerung zu dienen scheinen. Es ist ja auch kein neuer Einfall, eine Reihe von
Jahrmarktsbuden aneinanderzureihen, deren Attraktionen man dann erledigen muß. Zuletzt
gesehen in: "Casanova". Allerdings bleibt Simon mit ca. 30% Actionanteil
gegenüber "Casanova" mit ca. 50% knapp noch unter der Grenze zum
Action-Adventure.
An einigen besonders kniffligen Stellen kann man nicht speichern -
so das bereits erwähnte Feuerwerk. Wenn Simon stirbt, wird er auf einen der Lebenssteine
zurückkatapultiert und muß sich erst wieder heranarbeiten. Diese "Minispiele"
sind mir selten nach wenigen Versuchen gelungen und haben mich teilweise frustriert und
zum Spielabbruch gebracht. Dabei wird man aus der Story herausgerissen und der Spaß, den
man durchaus an anderen Stellen hatte, wird einem regelrecht vermiest. Ich denke, daß
hier bei Anzahl und Schwierigkeitsgrad übertrieben wurde; man muß dem Adventurefan nicht
dauernd demonstrieren, daß er hinsichtlicht Reaktion und Geschicklichtkeit eine Null ist
- das weiß er/sie selber.
Bugs
Technische Fehler und Unzulänglichkeiten gibt's bei Simon en masse.
Oft wird man nur einfach auf die Windowsoberfläche zurückkatapultiert und kann danach
weiterspielen. An einer Stelle ging speziell für mich nichts mehr: als ich einem Dummling
einige magische Bohnen übergeben wollte wurde Simon schwarz und das Spiel brach immer
wieder an der gleichen Stelle ab. Ohne hilfreiche Simon-Spieler, die mir Savegames
zukommen ließen, hätte ich das Spiel nicht beenden können.
In einigen Teilen des Simon-Universums blieb bei mir der Bildschirm
weiß! (Nebenan einige Beispiele.) So habe ich die Kirche nie richtig zu Gesicht bekommen,
kenne die Perückenliebhaberin nur als Umriß und mußte beim Kastanienspiel blind spielen
(hier hatte ich einfach Glück: ich drückte hier und da mal eine Taste und gewann
schließlich ohne je sehen zu können worum es eigentlich ging.
Den Glockenturm konnte ich beim ersten Besuch nur kriechenderweise
verlassen. Ein andermal konnte ich in eine Höhle hineinkriechen, kam aber nicht mehr
heraus. Es gab eine Telefonzelle im Spiel, die unsichtbar war, jedenfalls dann wenn ich
sie zum Teleportieren benutzte. Es gibt noch mehr Beispiele. Mir scheint, daß nicht nur
meine Grafikkarte damit Schwierigkeiten hatte.
Inhaltlich habe ich auch nie verstanden, warum ich immer zuerst an
einen anderen Ort teleportiert wurde, wenn ich den Zwerg mit dem Hammer gewählt hatte.
Stieg ich ein 2. Mal ein, kam ich schließlich richtig an.
An mehreren Stellen konnte Simon "durch die Wand sehen".
Es mag vielleicht an Melissas Reizen gelegen haben, jedenfalls gab es eine Stelle im
Kellergang, da erschien plötzlich Melissas Icon im Auge von Simon oben rechts. Natürlich
befand Sie sich hinter der Wand, aber man konnte sie dennoch anklicken und der Spruch:
"Sie duldet mich nur!" folgte.
Hier und da wurde es übersehen, eine deutsche Übersetzung
anzufertigen. Zu Beginn von Teil 3, beim Zusammentreffen mit Melissa und Calypso z.B. Hier
und da erschien auch eine englische Bezeichnung im Zauberbuch.
Seien sie jetzt harmlos oder tödlich - bei der Menge der Bugs fragt
man sich wirklich, ob es nicht in der Wartezeit bis zur Veröffentlichung doch noch die
Möglichkeit von Tests und Verbesserung gegeben hätte?
Dialoge/Texte/Sprache/Sound
Simon, ein wenig älter geworden, hat nichts von seinem
lausbübischen Charme verloren wenn er etwas bekommen will, kennt er weder Selbstzweifel
noch Rücksichtnahme. Halt ein richtig "nettes Kerlchen"! Simon hat wirklich
einen Spruch für jede Gelegenheit, Beleidigungen für Freund und Feind und läßt kein
Fettnäpfchen unbetreten. Mit ihm kann der Spieler so richtig gemein sein, kleinen Jungen
Zähne herausbrechen, Lieblingshamster rösten und Staubsaugervertreter mit Liebeskummer
so richtig aufmuntern: "Wahrscheinlich ist sie jetzt gerade mit ihrem neuen Freund
zusammen! ". (W.C. Fields hätte seine Freude!) Leicht machen es ihm auch wieder
seine skurrilen Mitakteure, die Simons Sarkasmus geradezu herausfordern: Der Schatzsucher
im Loch, die vernarrte Prinzessin, der fettleibige Zauberer, Prinz Tapfer ..... und
natürlich der Sumpfling.
Absolut gelungen ist die Umsetzung des englischen Textes, sowohl des
gesprochenen als auch des geschriebenen Wortes. Hierbei wäre eine 1zu1-Umsetzung fatal
gewesen aber das deutsche Übersetzungsteam hat ganze Arbeit geleistet und das Spiel auf
deutsche Verhältnisse umgestrickt. Inschriften auf Grabsteinen, Gedenktafeln (z.B. für
Rex Gildo), Hinweisschilder - es wurde an alles gedacht.
Das Spiel strotzt nur so von Anspielungen auf andere Spiele und
Spielfiguren, Filme und Bücher. Nett auch die Product Placements für Hasbro-Spiele durch
Simon selbst! Man findet so vieles wieder und alles wird gnadenlos durch den Kakao
gezogen! Der Humor von Simon gehört auch diesmal wieder zum Besten, was die Adventurewelt
zu bieten hat - überraschend, manchmal leise versteckt oder hart an der Schmerzgrenze,
provozierend, niemals unschuldig.
Oft fühlen wir uns ertappt, wenn Simon sich direkt an den Spieler
wendet und ihm beruhigend zuraunt, dass es sich ja doch nur um ein Spiel handelt. Auch
andere Charaktere nutzen diesen klassischen Verfremdungseffekt, wenn z. B. der Wirt Simon
anvertraut, dass das Wimmern des Geistes wohl von außerhalb des Bildschirms kommt! (Hier
sitzt der manchmal vor Lachen manchmal durch die Qualen des Spieles wimmernde Spieler!)
Das Spiel wird empfohlen ab 6 Jahren. Kinder in diesem Alter werden
jedoch wenig mit den mehr oder weniger versteckten Anspielungen und der Ironie anfangen
aber sich trotzdem amüsieren können. Spaßig sicherlich auch, wenn Eltern ihnen dann die
perverse Perückensekte oder radikalen Holzwürmer zu erklären versuchen.
Ein ausgezeichnetes Script und eine exzellente Übersetzung werden
abgerundet durch die professionelle Sprachausgabe. Speziell Simons deutsche Stimme, die
wir bereits aus den ersten beiden Teilen kennen, sorgt für Kontinuität und macht diesen
Charakter so unverwechselbar. Zusammen mit den tollen Musikthemen und einer
unaufdringlichen aber immer passenden Geräuschzugabe (wenn Simon von Gras auf
Steinpflaster wechselt stimmen z.B. Bild und Ton immer top überein) eine, zumindest für
diese Bereiche, überzeugende Darstellung.
Gesamteindruck
Ich habe mich auf den dritten Teil von Simon the Sorcerer gefreut,
da ich schon die ersten beiden Teile für äußerst unterhaltend hielt. Am Ende jedoch
trotz tollen Humors, trickreicher Rätsel, riesigen, frei erforschbaren Welten und einer
Spieldauer, die mit ca. 60 Stunden und länger dem Spieler auch wirklich was zu bieten
hat, war mein Eindruck weder heiß noch kalt. Enttäuscht hat mich, dass die
programmtechnischen Bugs bei der langen Wartezeit nicht ausgeräumt wurden. Dies zusammen
mit dem teilweise holprigen Handling, den langweiligen Laufereien und den teilweise sehr
frustrierenden Actioneinlagen lassen keinen kontinuierlichen Spielspaß aufkommen. Ein
wahres Wechselbad. Die abgedrehte Story und den Witz sollte wirklich niemand verpassen,
aber Vorsicht - wer sowieso vor Tastatursteuerung und anspruchsvollen
Geschicklichkeitseinlagen zurückschreckt, der wird hier nicht froh!
Meine Bewertung: 68%