Zurück zur Adventure-Archiv Startseite

 

This page in English (coming soon)



So Blonde


Erscheinungsdatum: 02/2008
Entwickler: Wizarbox
Publisher: dtp/Anaconda

Spielsprache: Deutsch

Homepage
Boxshots

USK: ab 12 Jahren

 

 

Ein Review von   André   27. März 2008

Wenn So Blonde fast wie eine Mischung aus den ersten beiden Teilen von Baphomets Fluch mit einem ordentlichen Schuss Monkey Island 3 aussieht, könnte es unter anderem daran liegen, dass Steve Ince mit für die Entwicklung des Spiels verantwortlich ist. Dieser war neben Charles Cecil einer der beiden Hauptgestalter von Revolution, die u.a. die legendäre Baphomets-Fluch-Reihe erschaffen haben, deren ersten beiden Teile als zwei der beste Adventures schlechthin gelten - bis die Firma nach dem dritten Teil in finanzielle Schwierigkeiten geriet, fast alle Mitarbeiter entlassen wurden und so auch er die Firma eher unfreiwillig verlassen musste. Inwieweit genau bzw. ob Ince aber auch an der praktischen Ausarbeitung von So Blonde beteiligt ist, darüber kann nur spekuliert werden. Dennoch war ich erst einmal angenehm überrascht, als ich dann die ersten Screenshots von So Blonde gesehen habe, da diese schon mehr Atmosphäre als die beiden letzten Spiele mit George Stobbart zusammen vermittelten.

 

Installation

Die Installation auf meinem neuen Rechner lief problemlos. Vor dem Spielen erscheint dann ein Fenster, in dem ich mehrere Sachen ankreuzen soll: Bei "Anti Aliasing" habe ich die Auswahl zwischen „Non maskerable 1, 2, 3, oder 4", „Level 2 oder 4". Ich werde gefragt ob ich „komprimierte Texturen verwenden" oder „vsync abwarten" möchte usw. Hä? Was weiß denn ich? Ich ignoriere das also erst mal und auch so scheint’s zum Glück zu funktionieren.

 

Handlung

Nun gut, jetzt bin ich also eine siebzehnjährige Blondine und höre auf den bezeichnenden Namen Sunny Blonde. Sunny ist ein bildhübsches aber verwöhntes Mädchen und bemüht sich zudem noch nach allen Kräften, sämtlichen Klischees und Erwartungshaltungen die man an eine solche junge Dame stellt zu entsprechen. Sunny und ihre Eltern sind mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs. Sie bändelt dort gerade eher halbherzig mit einem jungen Mann an, als ein Unglück geschieht. Es gibt ein Unwetter, sie fällt von Bord und wird mit einem Rettungsboot auf einer Insel angespült. Zu allem Unglück scheint hier die Zeit vor zweihundert Jahren stehen geblieben sein. Als sie wieder zu sich kommt, ist sie sich der Lage nicht im Geringsten bewusst. Dabei fängt sie erst einmal mit der Unbekümmertheit eines Naivchens an, die unbekannte Insel zu erkunden, zunächst mehr darum bemüht, dass der Nagellack bei der Bewältigung der Aufgaben nicht bröckelt. Schnell muss sie feststellen, dass nicht nur paradiesische Zustände auf der so friedlich wirkenden Insel herrschen und sie eine Menge von Aufgaben bewältigen muss. Piraten beherrschen die Insel, welche zudem noch mit einem Fluch belegt ist, ein Junge muss gerettet, eine Hochzeit arrangiert werden, uvm.. Zum Glück ist Sunny nur augenscheinlich von schlichtem Gemüt, aber mit einer Bauernschläue im richtigen Moment ausgestattet. Aber zunächst fängt es erst einmal am Strand locker-flockig im besten Monkey Island Stil an ...

 

Grafik – Sunny trifft Guybrush

Wer sich mal gefragt hat, wie denn wohl ein Spiel aussehen könnte, wenn man den Grafikstil der ersten beiden Baphomet-Teile mit Monkey-Island 3 kreuzt, der findet hier in diesem Spiel die Antwort. Das Team um Ince ist aber erfahren genug, die Spiele nur als Inspirationsquelle, wenn auch manchmal als sehr eindeutige Inspirationsquelle zu nutzen.

Nur ist So Blonde selbstverständlich nicht mehr so grobpixelig wie die Vorbilder von damals, alles ist natürlich den aktuellen grafischen Standards angepasst. Es gibt z.B. sehr gelungene Wassereffekte. Auch sonst wurde das Spiel mit vielen kleinen Animationen bedacht: Vorhänge wehen im Wind, Wolken ziehen vorbei, Schmetterlinge flattern überall auf der tropischen Insel, ein Frosch springt verschreckt auf, wenn man seinen Weg kreuzt und besetzt schnell wieder sein Revier, sobald man weggeht usw.. Es gibt ausgesprochen viele nicht spielrelevante Elementen zu entdecken, die Sunny beschreibt, wenn man sie anklickt. Ebenfalls gibt es immer wieder Anspielungen auf andere Adventures zu entdecken. So lugen die Ohren von Sams Kumpel Max aus einem Fass, um nur ein von zahllosen Beispielen zu nennen.

Außerdem meine ich, dass sich in einigen Elementen ein Hauch von Mango äh... Manga eingeschlichen hat. Etwa, wenn während der Dia- und Monologe neben dem Textfeld noch einmal ihr Gesicht in verschiedenen ausdrucksstarken Mimiken gezeigt wird. Dieses dient allerdings sicher zur Unterstützung der Aussage, denn die eigentlichen Gesichter der Figuren sehen ausdruckslos aus, da keine Mimik vorhanden ist.

In einigen Bildchen, die beim Laden zwischen zwei Sequenzen zur Überbrückung eingeblendet werden, sieht man z.B. Sunny in ansehnlichen Posen gezeichnet. Auch solche kleinen Details runden das eh schon sehr schöne Gesamtbild ab.

Das Intro hingegen ist etwas kurz geraten und es gibt auch keine richtigen Zwischensequenzen. Diese wurden durch eine kurze Folge von wenigen Comicbildern ersetzt. Ebenfalls werden manch kleinere Handlungen Sunnys nicht dargestellt, sondern durch eine Blende überbrückt. Das ist schade, denn ich finde, Sequenzen gehören zu einem richtig gutem Comic-Abenteuer eigentlich einfach dazu und sind immer so etwas wie die Belohnung, wenn man etwas erreicht hat.

 

Musik und Sprachausgabe

Und dann wäre da noch Sunnys Stimme. Sie ist gewöhnungsbedürftig schrill, von der Intensität her fast schon in Richtung Verona Poth bzw. Feldbusch gehend. Sunny wird von der deutschen Synchronstimme der Schwester von Britney Spears eingesprochen. Soso, das wird schon passen, auch wenn ich absolut nicht weiß, wie sie aussieht, geschweige denn, wie sie spricht, die Schwester von Britney...

Und so habe ich mich gefragt, ob sie mich denn gepaart mit dem Humor langfristig nerven würde. Denn der Humor ist eigentlich so unbeschwert wie ein Karibik-Urlaub, nicht selten aber auch etwas einfach. Zum Beispiel wird im ersten Teil des Spiels ewig lange auf der einen Pointe rumgeritten, dass sie sich fälschlicherweise in einem Urlaubs-Resort wähnt. Und auch die Handlung verfügt zunächst nicht so richtig über Tiefgang.

Aber glücklicherweise werden wir von flachen Kalauern à la Sunrise verschont und auch nach längerer Spieldauer ist diese meilenweit entfernt, so zu nerven, wie das bei eben genanntem Spiel mit den unglaublich harten Sprüchen schnell der Fall war. Mit der Zeit gewinnt das Spiel durch die recht komplexe Handlung zudem an Tiefe. So konnte ich mich auch längerfristig bestens mit der sympathischen Sunny und ihrem schrillen Organ arrangieren. Und auch die anderen Charaktere wurden meist gekonnt eingesprochen.

Abgerundet wird die Vertonung durch entspannte Tropenklänge, im Stil von - tja man kommt einfach nicht herum, diesen Namen in Verbindung mit So Blonde zu erwähnen - richtig: Monkey Island. Derer gibt es allerdings nicht allzu viele, so dass diesbezüglich dauerhaft mehr Abwechslung sicher nicht geschadet hätte.

 

Handhabung

Die Handhabung per Point & Click ist wie bei den meisten klassischen Adventures denkbar einfach. Mit der linken Maustaste betrachtet Sunny etwas, während das Drücken der rechten Taste auf einem Hotspot meist mehrere Icons – z.B. für „Reden", Anschauen" oder „Benutzen" erscheinen läßt. Das Inventar befindet sich am unteren Bildschirmrand. Hier kann man Gegenstände manchmal auch miteinander benutzen. Das Tüpfelchen auf dem i wäre vielleicht noch gewesen, wenn bereits geführte Dialoge farbig markiert gewesen wären. Mit der Space-Taste kann man eine Hotspot-Funktion einschalten und es ist ratsam, dieses gelegentlich auch zu tun, da man sonst leicht einige der kleinen gut versteckten Gegenstände übersehen kann.

Zur Tastatur greifen muss man nur, wenn man ein Minispielchen machen möchte. Hierzu muss man sich aber nicht vorher in einem Zehnfinger-Schreibmaschinenkurs anmelden, da dazu nur wenige Tasten, etwa zwei Pfeiltasten + Space oder nur das Nummernfeld benötigt werden. Das bekomme selbst ich gerade noch so hin ...

Das war´s auch schon fast. Erwähnt sei noch das ebenso einfache und praktische Optionsmenü, in welches man per Escape-Taste gelangt. Hier findet man ein paar Einstellungen wie getrennte Justierung von Musik, Sprache und Effekten, Speichern, Laden, Beenden und noch ein-zwei weitere Einstellungen. Mehr benötigt ein gutes Comic-Adventure nicht. Etwas grobmotorisch ist man bei der Skalierung vorgegangen, da man nur zwischen fünf verschiedene Werten bei der Lautstärke aussuchen kann, was eine optimale Regelung unmöglich macht. Ein Wert auf der Skala war zu leise und der nächste schon zu laut.

 

Rätsel

Ja, auch in So Blonde gibt es einige kleine Minispielchen. So gibt es z.B. einige im Stil dieser frühen Handhelds aus den 80ern, in dem es etwa darum geht, dass Sunny Wasser in einer Kokosnuss schöpfen muss. Aber Entwarnung, die Spielchen sind A) meistens leicht B) nur als kleine, kurze Häppchen eingestreut und C) man kann sie auch fast immer umgehen, wenn man nun absolut keine Lust darauf hat. Dazu einfach nur jeweils „Gewinnen" anwählen und schon können Sie die Aufgabe als erledigt ansehen. Nur beim Trommelspiel, eigentlich am niedlichsten dargestellt, konnte ich leider nicht erkennen, ob Musikalität oder ein flinker Finger gefragt war. Dieses konnte ich nur gewinnen, indem ich einfach ganz stupide möglichst schnell wahllos auf die Tasten hämmerte.

Ansonsten kann man in So Blonde alles das machen, was man von guten Comic-Adventures der alten Schule erwartet: Nämlich jeden ansprechen, alles anschauen, einsacken, was nicht festgetackert wurde, verwenden oder miteinander kombinieren. Auch kann man – soviel kann ich verraten – immer wieder zwischendurch weitere Figuren spielen: wie ein possierliches aber schwer nach Gattungszugehörigkeit zu bestimmendes Tierchen, welches man schon direkt am Anfang für sich gewinnen kann. Und noch einmal muss ich Monkey Island bemühen, denn das nicht unbedingt schwierige Blondinen vs. Brünettenwitz-Rededuell ist natürlich auch dem Klassiker entliehen, zumindest in ähnlicher Form.

Kommen wir zum eigentlichen Schwachpunkt des Spiels: Zum einen ist oftmals Trial and Error angesagt. Während viele der Rätsel von mittlerem Schwierigkeitsgrad und an sich gut nachvollziehbar sind, sind viele andere an den Haaren herbeigezogen. Hier hätte bei so manchem Rätsel konkreterer Hinweise sicher nicht geschadet.

Wie schwer So Blonde ist, hängt zudem davon ab, wie ausdauernd der jeweilige Spieler ist. Denn das Areal, sprich die Insel, ist recht groß und mit enorm vielen Details versehen. Nur wer ständig die ganze Insel akribisch nach Veränderungen absucht, hat auch Erfolg. Und je länger das Spiel ging, desto weniger war ich bereit, noch hundertmal alle Bilder abzulaufen und ständig alle möglichen Kombinationen durchzuprobieren, und immer wieder jeden NPC anzusprechen, ob er etwas Neues zu berichten hat. Und so habe ich daher stattdessen mit fortscheitender Spieldauer lieber regelmäßig die Komplettlösung bemüht. Es hätte dem Spielfluss sicher gut getan, wenn man das Spiel kürzer aber dafür straigther gestaltet und die Spieldauer nicht durch künstliche Rätsel in die Länge gezogen hätte, indem man Sunny zum x-ten Mal immer wieder über die Insel gehetzt hätte.

Und noch etwas: Die Insel ist recht umfangreich und irgendwann bekommen wir auch eine Karte. Nur verstehe ich nicht, warum man diese nicht auch benutzen kann, um direkt von einem Ort zum anderen zu gelangen. So muss man erst alle dazwischenliegenden Wege ablaufen, was das Spiel zwar länger, aber nicht unbedingt spannender macht.

 

Fehler

Einen Bug habe ich auf jeden Fall schon mal entdeckt: Wenn man das Messerwerfen im Inn direkt gewinnt, friert der Bildschirm ein. Man kann das Spiel nur noch per „Strg Alt Entf" beenden und muss neu laden. Ein Patch ist schon erschienen. Ob er auch diesen Fehler behebt, weiß ich jetzt nicht. Ansonsten lief das Spiel ziemlich fehlerfrei. Auch die langen Wartezeiten beim Wechsel von Bildern, von denen einige Spieler berichteten, konnte ich nicht feststellen. Sie hielten sich auf meinem neuen Rechner in Grenzen.

 

Fazit

Mit So Blonde hat man ein klassisches Comic-Adventure erschaffen, wie es auch schon Mitte der Neunziger hätte erscheinen können. Dabei wirken die Grafiken in erster Linie wie eine Mischung aus Baphomets Fluch 1 und 2 und Monkey Island 3, was sicher nicht zuletzt auch daran liegen dürfte, dass Steve Ince an der Entwicklung Baphomets beteiligt war.

Die Zeit ist aber nicht stehen geblieben und der zeitlose Comic-Look erstrahlt im aktuellen Glanz. Viele Details, wie zahlreiche zu erkundende Gegenstände, vervollständigen das positive optische Gesamtbild. Eine spannende Story, eine sehr lange Spielzeit bedingt durch zahlreiche Locations, meistens erfrischender und unbeschwerter Humor, der durch die Sprecher gekonnt transportiert wird, auch damit kann So Blonde überzeugen.

Als wesentliche Schwäche wäre zu nennen, dass es neben vielen logischen klassischen Inventarrätseln ebenso zahlreiche gibt, die wenig nachvollziehbar erscheinen. So kommt man oft nur durch akribisches Absuchen nach Veränderungen, ständiges Befragen, zähes Probieren oder direkt durch einen Blick in die Lösung weiter. Erwähnenswert ist noch, dass die Dialoge gelegentlich auch schon mal etwas einfach gestrickt sein können, es nur eine kurze Bilderfolgen als Zwischensequenzen und ein ebenso spärliches Introfilmchen gibt.

Daher alles in allem ein sicher noch etwas optimierungsfähiger aber trotzdem schon gelungener Neustart bei Anaconda für das Team um Steve Ince.

 

 Gesamtwertung von 78%

 

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Windows 2000/XP/Vista
  • Pentium 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 64 MB Grafikkarte DirectX9-kompatibel
  • Soundkarte DirectX9-kompatibel
  • DirectX 9.0c oder höher
  • DVDROM-Laufwerk
  • ca. 3 GB Festplattenspeicher
  • Maus, Tastatur

Gespielt unter:

  • Windows XP
  • AMD Athlon 64X2 Dual Processor 36000+, MMX, 3D Now (2CPUs)
  • 1,8 GB RAM
  • Nvidia Geforce 7050 PV / Nvidia Gforce nforce 630 a
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 150 GB

 

 

Speicherbereich
Speicherbereich

 

 

Something like Elvis
Something like Elvis

 

 

Beim Piratenschiff
Beim Piratenschiff

 

 


Die Karte von der Insel
Die Karte von der Insel

 

 


Auf der Winsome Maid
Auf der Winsome Maid!

 

 

 

Morganes Kabine
Morganes Kabine

 

 

 

Das Dorf - ein gutes Beispiel für den wundervollen Zeichenstil
Das Dorf - ein gutes Beispiel für den wundervollen Zeichenstil

 

 

 

Ebenso der Dschungel - eine Augenweide
Ebenso der Dschungel - eine Augenweide

 

 

 

Das idyllische Häuschen des Bürgermeisters ist der verwöhnten Sunny nicht luxuriös genug
Das idyllische Häuschen des Bürgermeisters ist der verwöhnten Sunny nicht luxuriös genug

 

 

 

Hach ja, die Jugend
Hach ja, die Jugend!

 

 

 

Das Dorf bei Nacht
Das Dorf bei Nacht

 

 

 

Mehr Screenshots

 


 

 

 

 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 27. März 2008

 

 

Zurück zur Adventure-Archiv Startseite