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Sowjet Unterzögersdorf Sektor 2


Erscheinungsdatum: 03/2009
Entwickler/Publisher: monochrom
Spielsprache: Russisch mit deutschen bzw. englischen Untertiteln

Altersempfehlung: keine Angabe

Download ca. 394 MB

 

Ein Review von   André   21. Juli 2009

 

Ja, ich wusste es schon immer, liebe Genossen. Der Kommunismus kommt zurück! Obwohl es den Anschein hat, als ob kapitalistische Kräfte ohne Gegenwehr die Welt immer mehr ins Unglück stürzen, wurde bereits 2005 ein erstes zaghaftes Zeichen als Vorbote der kommunistischen Offensive in Form des ersten Teils von Sowjet Unterzögersdorf ausgesendet. Und so war es nur eine Frage der Zeit, bis der zweite Teil folgen würde! Und hier ist er nun. Natürlich wieder als Gratisdownloadspiel der Künstlergruppe monochrom! Damit auch der Rest der Menschheit zu folgsamen Genossen wird.

 

Geschichte

Es lebe die Mangelwirtschaft! Wie wir im ersten Teil gelernt haben, hält das prachtvolle Unterzögersdorf ja als Bastion gegen den nicht nur in Österreich sondern in der kompletten EU verbreiteten Kapitalismus die Stellung. Und auch Teil Zwei spielt in dieser tapferen österreichischen Metropole des Widerstands. Unterzögersdorf liegt im Streit mit dem kapitalistischen US-Oberzögersdorf. Wir erinnern uns: Es fühlt sich nicht nur durch die Attacken wie das Anbringen von Slayer-Graffitis sowie zahlreichen anderen Untaten provoziert. Nein, jetzt wurde auch noch Parteisekretär Gomulka verschleppt. Wir spielen Kommissar Chrusov und unsere Mission besteht darin, den Entführten zu befreien.

 

Grafik

Bezüglich des grafischen Erscheinungsbildes gibt es keine wirklichen Veränderungen. Warum auch. Es kommen also wieder sofort alte Adventures wie "The Riddle of Master Lu" und besonders „Darkseed" in den Sinn, mit denen sich dieses Spiel von der Machart her vergleichen lässt. Auch hier wurden Menschen ähnlich wie in einem interaktiven Spielfilm in fotorealistische Hintergründe eingearbeitet. Erstaunlicherweise findet sich bei der Aufzählung der Darsteller auch Jello Biafra unter den Namen?

Wie auch immer, die Animationen der Figuren wirken aber genau wie in den alten Vorbildern noch ziemlich grob, zudem sind die Hintergründe zweidimensional, mehr wie Fotografien, so dass die Bilder einen leicht surrealen, collagenartigen Charakter bekommen.
Wenn ich da an Spiele wie Darkseed denke, wurde der surrealistische Effekt durch den Künstler H.R.Giger schon damals bestimmt nicht ganz unbewusst genutzt.

Vielleicht täusche ich mich, aber ich möchte fast darauf wetten, dass man
auch bei diesem Spiel aus der Not, dass die Grafik noch nicht so perfekt rüberkommt, eine Tugend gemacht hat, indem man ein Ambiente erzeugt, als ob russische Spieleentwickler zu Zeiten des Kommunismus mit allen ihren bescheidenen Möglichkeiten versucht hätten, ein Videospiel zu erstellen.

 

Sound

Markant ist wie gehabt die komplett russische Sprachausgabe. Das wird wohlgemerkt auch wieder über die ganze Spiellänge konsequent durchgezogen, versteht sich und trägt ja nicht zuletzt zu einen nicht unwesentlichen Teil zur Entwicklung des ganz eigenen Charmes bei, welchen das Spiel verbreitet.

In meinem letzten Review zum ersten Teil hatte ich glaube ich Laibach und Savage Republic für eine Fortsetzung als Hintergrundbeschallung vorgeschlagen. Alles Quatsch. Die Leute von Monochrom wissen natürlich viel besser, was cool ist und zum Spiel passt. Und so haben sie teilweise wieder ein paar unglaublich Schätzchen rausgekramt, welche die völlig groteske Atmosphäre des Spiels unterstreichen, so dass ich zwischendurch immer wieder innegehalten und nur amüsiert gelauscht habe, was man da wieder für obskuren Krams aufgetrieben hat, bis ich mich wieder auf das Spiel konzentrieren konnte.

Aber musikalisch geht es nicht nur lustig zu. Die Musik ist abwechslungsreich wie bei kaum einem anderen Spiel und es wurden Titel aus ganz unterschiedlichen Bereichen ausgewählt, die in offensichtlich wahlloser Reihenfolge nacheinander abgespielt werden: Passendes wie die russische Nationalhymne als Einleitungssound, hipper kletzmeresker punkiger Russenrock, die Internationale als schmissige Hammondorgelversion, eine merkwürdige Sex-Pistols-Coverversion mit dem Refrain „I wanna be communism" und vermeintlich unpassendes wie vertrackte Klickerklackertracks, fluffiger Indierock, instumentaler Easy-Listening-Surfsound à la Euroboys, 80er-Computergefiepe à la Crystal Castles, was aber doch alles funktioniert und noch ganz viel mehr...

 

Handhabung - entschleunigte Laufgeschwindigkeit

Zunächst einmal – Unser Protagonist läuft so unglaublich furchtbar lahm, was mir im ersten Teil gar nicht so aufgefallen ist oder sich zumindest nicht so sehr negativ bemerkbar gemacht hat. Das ist ein echtes Manko und es ist kaum nachzuvollziehen, warum man nicht wenigstens per Doppelklick direkt ins nächste Bild gelangt. Man kann zwar mit Q (wie Quickness) die Laufgeschwindigkeit verändern, das aber nur für einen kurzen Moment. Dann verfällt er wieder in das lahme Geschleiche. Man könnte fast meinen, es sei künstlerische Absicht, wie Chrusov da fast schon provozierend im Bummelschritt durch das Bild trödelt. Etwa um die Langsamkeit des Systems zu unterstreichen oder warum auch immer. Zu dem Thema gleich aber noch mehr.

Ansonsten spielt sich Sowjet Unterzögersdorf 2 wie der erste Teil, es gibt also nicht wirklich viel auszusetzen. Die Installation verlief problemlos. Unseren Charakter steuern wir per einfacher Point+Click-Steuerung durch Unterzögersdorf und Umgebung, wobei wir ganz klassisch mit der rechten Maustaste zwischen sprechen, laufen, Objekt ansehen oder benutzen auswählen können, um dann mit der linken Taste die Aktion auszuführen. Führen wir die Maus zum oberen Bildschirmrand, öffnet sich eine Leiste, wo man Speichern, Laden und das Spiel beenden kann. Auch finden wir hier das Inventar, welches sich in einem Koffer befindet, den wir noch einmal anklicken müssen, damit er sich öffnet und die Inventargegenstände preis gibt. Im Inventar selbst gibt es noch einmal ein „Auge"- und ein „Hand"-Symbol, welche wir auswählen, je nachdem, ob wir den Gegenstand benutzen oder ansehen wollen. Die Optionsauswahl an sich ist ausgesprochen sparsam und einen Lautstärkenregler habe ich gar nicht gefunden.

Etwas unübersichtlich wird es, wenn wir einen Gegenstand aus dem Inventar verwenden wollen, da sich schlecht erkennen lässt, ob man den ausgewählten Hotspot, auf den man den entsprechenden Gegenstand anwenden will, auch wirklich getroffen hat. Und anhand der Reaktion unseres Protagonisten lässt sich dieses auch kaum feststellen, denn der gibt ja viel lustiges Zeug von sich, aber in den seltensten Fällen mal etwas, was irgendwie in den Kontext passen würde.

 

Rätsel

Die Rätsel an sich sind sehr unterhaltsam und natürlich oft ziemlich abgedreht. Um so erstaunlicher fand ich, wie viele Rätsel ich alleine gelöst habe, was bedeutet, dass einige Aufgaben ja wohl doch irgendwie nicht so chaotisch sind, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Dennoch sind sie deutlich schwerer als im ersten Teil und so sollte man auf jeden Fall eine Menge Geduld mitbringen. Denn leider lädt das Spiel wenig ein, noch einmal umherzulaufen, um nachzuschauen, ob man noch woanders ansetzten kann, wenn es nicht mehr weiter geht, denn der Held läuft wie gesagt wirklich extrem lahm. Daher habe ich später lieber zur Komplettlösung gegriffen.

Was auf alle Fälle die Motivation fördert, weiterzusuchen, ist, dass die Umgebung ebenso umfangreich wie verschachtelt ist. Und auch wenn man denkt, schon alles gesehen zu haben, entdeckt man immer wieder neue Bilder und damit neue Möglichkeiten. So darf man das Spiel natürlich auch als eine Tour durch die völlig abstruse Spielwelt verstehen, in der die Leute von monochrom allerlei unterhaltsame Überraschungen eingebaut haben.

Die Rätsel an sich bestehen aus dem klassisches Verwenden von Gegenständen. Selten gibt es andere Aufgaben. So kann man auch mal eine Maschine wie einen Kran benutzen.

Man kann sterben, ziemlich oft sogar und ebenso willkürlich. Die Tode sind zwar ebenso unterhaltsam wie der Rest des Spiels, doch ist es unbedingt ratsam zu speichern, am besten alle Nase lang. Denn was beim ersten Mal noch Spaß macht, wird, wenn man nach einem unerwarteten Game Over nach einer oder zwei Stunden Spielzeit den ganzen Krempel im Schneckentempo noch einmal wiederholen muss, doch zur Geduldsprobe.

 

Fazit

Auch Teil zwei lebt u.a. wieder davon, dass die Bilder eines völlig maroden sozialistischen bzw. kommunistischen Dorfes gleichzeitig völlig überzogen und doch irgendwie authentisch wirkend dargestellt werden, was dadurch noch verstärkt wird, dass das Spiel selbst grafisch recht antiquiert bzw. einfach wirkt und somit der Rückständigkeit, die solchen Staaten anhaftet, auf humorvolle Art noch mehr Ausdruck verliehen wird. Der Überraschungseffekt, den der erste Teil auf seiner Seite hatte, ist vielleicht dahin, doch funktioniert das Prinzip auch bei Teil 2 ebenso gut: Er ist mindestens so subversiv und skurril wie sein Vorgänger.

Das Spiel ist vom Umfang wesentlich größer und umfassender als Unterzögersdorf 1. Angefangen von der teilweise ziemlich coolen extrem abwechslungsreichen Musik, natürlich den irren Mono- und Dialogen bis hin zu den Rätseln steckt es voller verrückter Ideen. Leider verliert man sich dieses Mal dadurch ein wenig und man weiß manchmal kaum, wo man ansetzten soll. Denn einen Weg zurücklaufen um nachzuschauen, ob man etwas vergessen hat oder woanders bei den oft sehr abstrakten Rätseln ansetzten kann, will man bei dem unglaublich lahmen Lauftempo auch nicht wirklich. Zumal auch das Benutzen von Gegenständen etwas unübersichtlich ist. Das wäre der größte Kritikpunkt, denn das bremst den Spielfluss schon ungemein. Ansonsten habe ich, der den sozialistischen bzw. kommunistischen Ideen sicher deutlich näher steht als der freien Marktwirtschaft von Merkel und Steinmeier, trotzdem wie gehabt eine Menge Spaß an der herrlich überzogenen Persiflage.


Gesamtwertung: 75%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemanforderungen:

  • unter Windows und Linux spielbar

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

Startbildschirm
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An der Agrarsteppe
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In Unterzögersdorf II stirbt man viele lustige Tode
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Vom wilden Hamster gebissen - jetzt aber schnell
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In Unterzögersdorf bevorzugt man einen ganz individuellen Modestil.
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So schnittig sahen Autos früher aus.
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gefallene Denkmäler
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Auf dem Friedhof
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Lenin
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Die fruchtbaren Böden von Unterzögersdorf
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Mehr Screenshots

 

 

 


 

 

 

 

 


 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 21. Juli 2009

 

 

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