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Sowjet Unterzögersdorf Part 1


Erscheinungsdatum: 09/2005
Entwickler/Publisher: monochrom
Spielsprache: Russisch mit deutschen bzw. englischen Untertiteln

Altersempfehlung: keine Angabe

Download ca. 100 MB

 

Ein Review von   André   05. November 2005

 

Freundschaft, Genosse! Der Titel des Spiels klingt schon ungewöhnlich und völlig skurril kommt auch das Intro zu Sowjet Unterzögersdorf rüber, welches den Charme eines alten kommunistischen Propagandafilms versprüht, auch wenn es sich hier offensichtlich um Satire handelt.

Zu russischen, völlig blechern klingenden Kampfliedern, die aus Zeiten stammen, als sich der Kommunismus noch in seiner Blütezeit befand, sieht man den roten Stern einmal fett über dem ganzen Bildschirm prangen. Dazu hört man eine mindestens genau so blechern klingende russische Stimme, die uns im Militärton mitteilt, dass das österreichische Dorf Unterzögersdorf die letzte kommunistische Bastion ganz Österreichs - ja der ganzen europäischen Union sei.



Grafik

Als dann die Spielgrafik erscheint, kommen mir sofort die beiden alten
Adventures "Darkseed" und "The Riddle of Master Lu" in den Sinn, mit denen sich dieses Spiel vom Erscheinungsbild vergleichen lässt. Auch hier wurden Menschen ähnlich wie in einem interaktiven Spielfilm in fotorealistische Hintergründe eingearbeitet. Die Animationen der Figuren wirken aber genau wie in den alten Vorbildern noch ziemlich grob, zudem sind die Hintergründe zweidimensional, mehr wie Fotografien, so dass die Bilder einen leicht surrealen, collagenartigen Charakter bekommen.
Wenn ich da an Spiele wie Darkseed denke, wurde der surrealistische Effekt durch den Künstler H.R.Giger schon damals bestimmt nicht ganz unbewusst genutzt.

Vielleicht täusche ich mich, aber ich möchte fast darauf wetten, dass man
auch bei diesem Spiel aus der Not, dass die Grafik noch nicht so perfekt rüberkommt, eine Tugend gemacht hat, indem man ein Ambiente erzeugt, als ob russische Spieleentwickler zu Zeiten des Kommunismus mit allen ihren bescheidenen Möglichkeiten versucht hätten, ein Videospiel zu erstellen.

Zum Grafikstil passt auf jeden Fall die trashige Kulisse eines alten, dem Verfall ausgesetzten Bauerhofs, und schnell assoziiert man die oft planlose Planwirtschaft, in der bekanntlich vieles leicht rückständig und oftmals - pardon - runtergewirtschaftet war. Das Diensttelefon aus brauner Plaste mit seinen bunten Knöpfchen an der Wand erweckt den Eindruck, als sei es ein Überbleibsel längst vergangener, ruhmreicher
Kosmonautenzeiten des letzen Jahrtausends und auf dem Komposthaufen hinterm Haus lagert man radioaktiven Abfall.



Handlung

Wir spielen einen leicht pummeligen Bediensteten in voller, wenn auch antiquierter Militäruniform, der gerade das Gelände kontrolliert. Als der in dieser bäuerlichen Idylle, fernab von allem Welt- und Westlichen, plötzlich  Spuren von Verwüstung und mitten auf dem Bauernhaus ein fettes "Slayer"-Grafitti entdeckt, ist guter Rat teuer und das Geschrei natürlich groß, da man ob des merkwürdigen, unbekannten Symbols erst einmal hilflos ist. Ich bin indes begeistert, denn ich merke, dass der Humor ganz nach meinem Geschmack ist und das Spiel binnen kürzester Zeit alle Sympathien auf seine Seite gezogen hat.

Beim Aufräumen des Unrats findet der Diensthabende eine erste Spur in Form einer Pantera-CD (!). Also informiert er in seiner Hilflosigkeit als erstes seinen Vorgesetzen über das aus der Weltraumforschung stammende Diensttelefon, der lauter unnütze Anweisungen erteilt. Soweit erst einmal der Anfang einer tollen Story, welche im weiteren Verlauf immer wieder mit vielen erfrischenden Dialogen und Ideen überrascht.



Sound

Ungewöhnlich aber sehr gut ist die Idee mit der russischen Sprachausgabe und deutschen bzw. englischen Untertiteln, die dem Spiel noch mehr Authentizität verleit. Ein großes Lob gibt es vom obersten Sowjet höchstpersönlich auch für die wunderbare Musikzusammenstellung. Wir können selber zwischen ca. 10-15 Tracks wählen, was wir hören wollen. Zur Auswahl stehen natürlich typisch russisches Liedgut wie Chöre und Märsche, aber auch verschiedene ruhige Klangcollagen, Noise- und Industrial-Tracks im eigentlichen Sinne.
Nicht umsonst gibt es bei den Credits einen Verweis zur Internetseite von Negativland. Zu hören gibt´s neben Negativland oder einem kurzen Kraftwerk-Sample z.B. auch eine Klangcollage mit demselben Sample eines Honnecker-Ausspruchs, der schon bei den tollen IFA Wartburg Verwendung fand. Nun gut, wer so viel Unsinn von sich gibt, muss sich nicht wundern, wenn er dafür auch ordentlich durch den Kakao gezogen wird. Zu einem hoffentlich erscheinenden zweiten Teil würde sicher auch noch alte Laibach oder Savage Republic als musikalische Untermalung gut passen.


Rätsel

Die Rätsel sind lustig und abwechslungsreich, bestehen aber trotzdem
hauptsächlich daraus, Gegenstände zu finden, in seinem Inventar zu verstauen und an der richtigen Stelle anzuwenden. Sie sind fast immer einfach, so dass ich endlich mal wieder keine Lösung gebraucht habe. Sterben kann man an einigen Stellen aber trotzdem, weshalb es wie eigentlich bei jedem Adventure ratsam ist, wenn man regelmäßig speichert. An einer Stelle muss man auch schnell handeln, aber auch dieses Rätsel ist schnell gemeistert.



Handling

Ebenfalls nicht viele Worte muss man über die Steuerung verlieren, da es
eigentlich so gut wie nichts zu bemängeln gibt. Die Installation funktioniert
problemlos. Gegebenfalls muss man kurz Win-Rar zum Entpacken installieren. Per Voreinstellung bestimmen wir noch schnell einige Details
wie die Auflösung oder ob wir lieber deutsche oder englische Untertitel hätten usw..

Das Optionsmenü an sich ist ausgesprochen sparsam und einen Lautstärkenregler habe ich gar nicht gefunden. Unseren Charakter bewegen wir per einfacher Point+Click-Steuerung durch den maroden Gutshof, wobei wir ganz klassisch mit der rechten Maustaste zwischen sprechen, laufen, Objekt ansehen oder benutzen auswählen können, um dann mit der linken Taste die Aktion auszuführen.



Fazit

Yeah! Hell awaits! Auf einem österreichischen Bauerhof trifft die russische
Planwirtschaft auf ein Slayer-Grafitti und schon sind alle hilflos. Die Rätsel des leider sehr kurzen Spiels machen Spaß. Das ganze Spiel ist völlig subversiv und es steckt voller satirischer Anspielungen bezüglich Kommunismus bzw. Sozialismus, der sich gerade leider in Wohlge- bzw.
Mißfallen auflöst. Darüber sehe ich, der nicht nur wegen der finsteren antisozialen Ein-Euro-Job-Zeiten durchaus größere Sympathien zum Sozialismus hegt, hinweg und erfreue mich über ein Spiel, welches witzig ist, wie schon lange keins mehr.

Die Grafik ist für ein Freeware-Spiel schon äußerst gelungen, aber im Vergleich zu kommerziellen Spielen natürlich nicht Up-to-date, was in diesem Fall eher einen Vor- als einen Nachteil darstellt. Durch einige Ingredenzien wie die russische Sprachausgabe, feinen Wortwitz und humorvolle Umsetzung wird bewusst ein äußerst skurriles Ambiente erzeugt.

Viel mehr Worte möchte ich auch gar nicht verlieren, um den Witz nicht noch zu zerreden. Es empfiehlt sich vielmehr, das kostenlose Spiel downzuloaden, und sich selbst ein Bild zu machen um dann hoffentlich genauso an dem Spaß teilzuhaben.

Sowjet Unterzögersdorf gefällt mir besser als so manches gekaufte Adventure und das soll auch mit reichlich Punkten gewürdigt werden. Das Spiel ist zwar leider recht kurz, was bei einem Freewarespiel allerdings kein Bewertungskriterium darstellen sollte. So ist Sowjet Unterzögersdorf neben "Jessica Plunkenstein" oder "The Goat in the Grey Fedora" sicher eines der besten Downloadspiele wenn nicht sogar das beste Freewarespiel des Jahres. Unterm Strich macht das


Gesamtwertung: 72%

 

Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Systemanforderungen:

  • unter Windows und Linux spielbar

Gespielt unter:

  • Win XP
  • AMD Athlon XP 1800
  • 512 MB RAM
  • Grafikkarte Radeon 9200 Series
  • DVD-Laufwerk
  • Festplatte 60 GB

 

 

 

 

 

 

 



 

 

 

 


 

 


 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

 


 

 

 

 

 


 

 

 

Copyright © André für Adventure-Archiv, 05. November 2005

 

 

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