Sterling´s Gift ist ein englischsprachiges Independent-Adventure
von White Rabbit Adventure Games. Gespielt wird es in der Ego-Perspektive. Da es wie die
Carol Reed-Abenteuer ebenfalls aus fotorealistischen Standbildern besteht und der erste
optische Eindruck, den die Screenshots erwecken, eine gewisse Ähnlichkeit zu besagter
Serie mit der britisch-schwedischen Detektivin verspricht, wurde mein Interesse an diesem
Spiel natürlich direkt geweckt. Ob mir das Adventure ebensoviel Spaß wie die Spiele von
MDNA gemacht hat, kann man in diesem Review nachlesen.
Grafik
Und tatsächlich sind die Spiele von der Machart ein wenig
vergleichbar. Das fängt wie gesagt natürlich bei der auffälligsten Gemeinsamkeit, den
sehr schönen fotografierten Standbildern an, die ebenfalls nicht animiert sind. Die
Bilder bei Sterling´s Gift werden in guter Qualität präsentiert, sind allerdings nicht
so kunstvoll nachbearbeitet, sondern realistisch belassen. Das ganze Spiel findet im und
rund um das Haus statt. Mit dem alten Gemäuer hat man ein schönes und interessantes
Motiv gefunden, welches den Spieler auffordert, es genau zu untersuchen.
Allerdings ist die Fortbewegung zwischen den einzelnen Bildern noch
nicht hundertprozentig optimal gelöst: Wenn man sich nämlich zum nächsten Bild nach
links oder rechts dreht, laufen die Bilder hintereinander fort, so dass ich anfangs den
Eindruck hatte, ich würde mich parallel zum vorigen Ort bewegen. Es sieht dadurch auch
ein wenig wie eine Diashow anstelle einer Spielwelt aus. Vor allem dauert es aber recht
lange, sich auf diese Art von Bild zu Bild zu bewegen. Leider kann man die langsamen
Übergänge nicht abstellen.
Geschichte
Das Geschichte ist eine Mischung aus Realität und Fiktion. Das
heißt, General Custer, das Museum und einiges andere gibt bzw. gab es tatsächlich,
während die Story erfunden ist. Wenn man also Infos möchte, ist es sinnvoll, den
History-Button vor Spielbeginn zu wählen.
Wenn wir das Neill-Cochran-House-Museum besuchen wollen, stellen wir
fest, dass der Gastgeber nicht da ist und er lediglich eine Nachricht am Briefkasten
befestigt hat. Er teilt uns mit, wir könnten uns ruhig umsehen und wenn wir Probleme
hätten, das Schloss einer Box zu öffnen, sollten wir die beiliegende Büroklammer
nehmen, da das Schloss eh nicht richtig funktioniere. Zudem stehen alle Türen des
Gebäudes zum Erkunden offen. Das nenne ich mal ein gesundes Vertrauen zu seinen
Mitmenschen! Bei der Erkundung des Museums finden wir besagte Box. Darin befindet sich
neben anderen Dingen auch ein Brief von Libby Custer, der Frau von General George Custer.
Wir erfahren, dass Libby im Bürgerkrieg einen blinden Weisen namens Sterling gerettet
hat. Zum Dank erhielt sie ein Geschenk Sterling's Gift. Unsere Aufgabe ist es, den
Hinweisen nachzugehen und das im Haus versteckte Geschenk zu suchen.
Sound
Die Musik gefällt gut und könnte glatt aus einem Carol
Reed-Adventure übernommen sein. Die Tracks bestehen aus ruhigen Klavier- oder
Keyboardklängen. Sie sind eher minimalistisch und beschaulich und laden zum entspannten
Rätseln ein. Dialoge gibt es gar nicht, da wir eigentlich keinen Menschen treffen. Es
gibt nur ein, zwei kurze Filmsequenzen, in denen kurz geredet wird.
Handhabung
Geliefert wird Sterling´s Gift in einer schlichten aber nett
gestylten DVD-Box. Auf ein paar mitgelieferten Blättern bekommen wir alle nötigen
Informationen zum Spiel. Sterling's Gift ließ sich problemlos installieren und lief ohne
Abstürze oder andere Schwierigkeiten. Ist das Spiel einmal installiert, wird die CD nicht
mehr benötigt.
Nach der Einführung kann bzw. muss man auswählen, ob man Hints
(Hinweise), History (also geschichtliche Informationen) und/oder Spoiler haben möchte.
Diese Auswahl kann man nur beim ersten Start treffen. Diese gewählten Optionen erscheinen
dann an verschiedenen Stellen im Spiel als Symbole am unteren Bildschirmrand und besagte
Infos sind nur dann zu sehen, wenn man das entsprechende Symbol anklickt. Dann erfolgt das
eigentliche Starten des Spiels, was sich als etwas problematisch da gar nicht so einfach
erweist. Man muss nämlich zunächst einen ersten Spielstand anlegen und bestätigen.
Diesen muss man laden und dann kann man das Spiel beginnen. Darauf muss man erst einmal
kommen.
Ebenfalls noch nicht ganz ausgeklügelt ist, dass man sich beim
Laden eines Spielstandes jedes Mal am Eingang des Museums befindet, obwohl man an einer
anderen Stelle abgespeichert hat. Der Spielfortschritt bleibt natürlich erhalten.
Wir bewegen uns also wie üblich mit der Maus von Bild zu Bild. Mit
der linken Maustaste führen wir alle Aktionen durch, mit der rechten erscheint am oberen
Bildschirmrand eine Leiste, auf der sich drei Optionsmöglichkeiten zum Laden, Speichern
und Beenden befinden. Der Sound lässt sich wie bei kleineren Spielen so oft üblich, gar
nicht regulieren. Das ist nicht ganz so schlimm, da die Musik ruhig ist und es ja so gut
wie keine Gespräche gibt, die wegen zu lauter Musik untergehen könnten.
Am oberen Bildschirmrand befinden sich die gesammelten Gegenstände,
die direkt einsehbar sind und auf die wir direkt zugreifen können, ohne ein Inventar
öffnen zu müssen.
Rätsel
In Sterling's Gift muss man sehr viel suchen und sich alles genau
anschauen ohne dass man viele Gegenstände finden kann insgesamt kann man diese an
ein, vielleicht auch zwei Händen abzählen. Fast jede Schublade kann geöffnet, Vasen von
innen betrachtet werden, nur dass dies meistens nicht von Relevanz ist.
Überhaupt gibt es nur wenige Rätsel, wobei das
Endrätsel" recht knifflig ist. Ansonsten sind die Aufgaben an sich eigentlich
meistens nicht sehr schwierig. Allerdings fand ich sie nicht zuletzt deshalb verwirrend,
weil ich von Beginn an erst gar nicht wusste, was zu tun ist. Man findet nämlich direkt
am Anfang des Spiels ein Tagebuch, das leider in einer Schnörkelschrift abgefasst wurde,
die ziemlich schwer zu lesen ist. Zudem ist das Buch ewig lang. Es umfasst 73 Seiten (!)
und es ist einfach nervig, dieses durchzulesen. Ich hatte dazu zumindest keine Lust und
habe es gelassen. Natürlich kommt hinzu, dass solch ein Schriftbild auf Englisch noch
schwerer zu lesen ist. Wer davon noch nicht die Nase voll hat, kann direkt mit den zwei
insgesamt mehrseitigen Briefen weitermachen, die neben dem Tagebuch liegen. Ohne die
Informationen aus dem Tagebuch weiß man auf jeden Fall von Anfang an erst gar nicht,
worum es geht und was man eigentlich machen soll, da es viele wichtige Informationen zu
den Rätseln enthält. Schade ein Umstand, der leicht vermeidbar gewesen wäre.
Nicht zuletzt empfand ich auch die Handhabung der Gegenstände als
unübersichtlich. Da die Icons - etwa zum Öffnen eines Schranks relativ klein oder
oft am Bildschirmrand versteckt sind, wird schon das Benutzen und Untersuchen der
Gegenstände zur Geduldsprobe.
Einige Gegenstände muss man auf einen Tisch stellen, obwohl der
entsprechende Hotspot darauf fehlt. Allerdings bekommt man in der Einführung dazu einen
entsprechenden Hinweis, da die Macher wohl gemerkt haben, dass man kaum von alleine darauf
kommen kann, die Gegenstände dort zu deponieren. Einige Objekte müssen manipuliert bzw.
untersucht werden wie etwa die Karte des Hauses, wobei ich gar nicht verstanden habe,
warum hier dieser und jene Gegenstand kombiniert werden musste, wenn ich nicht permanent
die Hint bzw. Spoiler-Funktion beansprucht hätte. Zusammen mit der langsamen Steuerung
durch das Haus entwickelt sich das mit der Zeit zu einer recht zähen und langwierigen
Angelegenheit.
Fazit
Sterling´s Gift ist zwar nicht so umfangreich, ansonsten von der
Machart der Carol Reed-Reihe wie gesagt gar nicht so unähnlich. Und so könnte es
eigentlich ein nettes Spiel für zwischendurch sein. Zwar trifft man in den (laut eigenen
Angaben) etwa 6 Stunden Spielzeit praktisch keine Menschenseele, aber das Haus als
Location bzw. die einzelnen Motive für die Standbilder sind sehr gut gewählt und in
Szene gesetzt. Ebenso stimmig ist die schöne, ruhige Musik. Trotzdem bin ich nicht
wirklich warm geworden mit Sterling's Gift. Denn leider gibt es viele kleine Schwächen
und Stolpersteine wie die umständliche Rätselgestaltung, die mit der recht lahmen
Steuerung und der unübersichtlichen Handhabung der kleinen Icons für einen schleppenden
Spielaufbau sorgen. Das 73 Seiten lange Tagebuch mit der schwer zu lesenden
Schnörkelschrift direkt am Anfang verhinderte zudem, dass ich überhaupt Zugang zum Spiel
bekommen habe. Daher