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Syberia 2 


Erscheinungsdatum Nordamerika: 04/2004
Entwickler/Publisher: Microids Canada

Homepage
Biographie Benoît Sokal (franz.)
Spielsprache: Englisch

 

 

Ein Review von slydos   21. April 2004

 

Sicherlich warten viele auch hierzulande auf die Fortsetzung von Syberia mit Spannung. In Nordamerika ist Syberia 2 bereits 1,5 Monate vor dem deutschen Release erschienen. Es wundert ein wenig, daß sich die Veröffentlichung so hinzieht, da bereits alle deutschen, italienischen, französischen und spanischen Synchronsprecher mit im Booklet zusätzlich zu den englischen aufgeführt sind.

Im Gegensatz zum 1. Teil ist Syberia 2 kein Adventure, daß man für sich alleine ohne Kenntnis der Vorgeschichte spielen sollte. Ohne den ersten Teil wird man kaum verstehen, was diese junge Frau in einem Zug mit einem Automaten und einem alten, kranken Mann irgendwo im verschneiten Rußland macht. Zwar wird einem über das Menü eine Zusammenfassung aus Syberia 1 in Form eines Trailers geliefert, aber der bietet auch den Kennern der Geschichte nur eine knappe Auffrischung.

 


Kate Walker
Kate Walker

Das kleine Mädchen wundert sich was Kate hier macht
Das kleine Mädchen wundert sich was Kate hier macht

 

Installation/Start/Handling

Gegenüber dem 1. Teil hat sich hier kaum etwas geändert: wieder können wir bei den 2 CDs wählen, ob wir eine Teil- (270 MB) oder Vollinstallation (1100 MB) ausführen. Technisch reibungslos wie übrigens das ganze Spiel läuft die Installation und der Start. Der Titel "Syberia II" wird zu Beginn unglaublich echt klingend in unseren Bildschirm wie in eine vereiste Fensterscheibe geritzt. Das Hauptmenü hat sich inhaltlich kaum geändert, nur seine Grafik wurde den eisigen Schauplätzen ein wenig angepaßt und wir werden mit einer orchestralen, schwermütigen Musik im Stile von Dr. Schiwago eingestimmt.

Im Intro wird Kate mit ihren beiden Leben konfrontiert: Ihre Vergangenheit in Form ihres Chefs meldet sich per Handy und versucht sie zur Rückkehr zu bewegen während gleichzeitig Hans sie im schnell dahingleitenden Zug davon zu überzeugen versucht, daß Sie ihm helfen muß. Trotzig würgt sie die Verbindung zu den dunklen Schattenbildern in der New Yorker Kanzlei ab und verspricht Hans ihre Hilfe. Der Zug hält an, das Spiel beginnt.

Das intuitive Handling mit der leichten Maussteuerung, dem aufklappbaren Inventar, veränderbaren Cursor und unbegrenzten Savegames bleibt unverändert gegenüber Teil 1.

Neu ist, daß Kate sich jetzt reibungsloser beim Klettern und Treppensteigen bewegt und nicht mehr so lange braucht, um sich in Startposition zu bringen. Abgehandelte Dialogthemen verschwinden aus dem Dialogfenster und auch Objekte werden kurzzeitig als Icon in einer Bildschirmecke mit einem beschreibenden Text angezeigt, bevor sie im Inventar verschwinden. Kate kann nun auch innerhalb von geschlossenen Räumen per Doppelklick zum Laufen gebracht werden.

Nicht geändert hat sich die Einschränkung der Spielfreiheit: Kate bewegt man auch weiterhin nur auf vorgeplanten Wegen oder in abgesteckten Arealen. Klickt man auf einen nicht vorgesehenen Punkt am Bildschirm zum Beispiel vor einer Brücke, wird Kate in so einem Fall den nächstliegenden Anlaufpunkt, aber leider perspektivisch weit hinter der Brücke ansteuern und oft wechselt dabei ungewollt die Kameraposition.

Weiterhin eingeschränkt bleibt das Spiel auch beim Erforschen und Untersuchen der Szenarien dadurch, daß nur Objekte durch die Cursoranzeige hervorgehoben werden, die wirklich für den Spielverlauf notwendig sind. Un das sind verglichen mit der Größe der Locations verdammt wenige. Das gestaltet nicht nur die Rätsel simpel sondern gewährt auch kaum Einblick in Kates Gedanken und Gefühle, außer indirekt durch die wenigen Gespräche und Videoszenen.

 

Rätsel

Die Rätsel in Syberia 2 bestehen wieder zum großen Teil aus sehr einfachen Objekt-/Inventarrätseln, wobei es dabei eine wirklich pfiffige längere Kombinationsaufgabe mit Tieren gibt, die mir viel Spaß gemacht hat. Ja, Benoît Sokal hat es sich auch diesmal nicht nehmen lassen, wieder Vögel und auch Eier in irgendeiner Form in die Rätsel einzubauen!

Man trägt selten mehr als 3-4, maximal 6 Gegenstände mit sich herum, die nicht im Inventar miteinander kombinier- oder manipulierbar sind. Aber diesmal gibt es schon mal Dinge, die man über einen Schauplatz hinaus mitnehmen kann. Einfluß auf die Zeit, die man zur Rätsellösung benötigt, haben die langen Wege, die man zurücklegen muß und die Notwendigkeit, erst mal über gewisse Sachen zu sprechen bevor man tätig werden kann.

Alle Rätsel, auch die diesmal häufiger anzutreffenden mechanischen, sind gut in die Geschichte integriert. Gestört hat mich allerdings, daß zwei, drei Schalterrätsel sich nur auf Versuch-und-Irrtum verlassen und man zwar grundsätzlich weiß, was zu tun ist, aber nicht durch Hinweise logisch zur Lösung kommt.

Auch diesmal finden wir wieder einige nützliche Dokumente, die wir in unser Dokumenteninventar aufnehmen und Kates Handy hat diesmal ganz spezielle Aufgaben.

Insgesamt eine leichte Steigerung des Schwierigkeitsgrades gegenüber Syberia 1. Die Ausprobierrätsel dauern zwar länger, sind aber keine wirklichen Herausforderungen, die etwa Gehirnakrobatik verlangen würden. Deshalb bleibt auch Syberia 2 ein Adventurespiel im Einsteigerbereich, bei dem niemand frustriert das Handtuch werfen wird. Fortgeschrittene und Spezialisten werden wieder relativ ungehindert hindurchgleiten und sich manchmal fragen, war dies jetzt ein Rätsel oder sollte ich hier nur mal die Maus testen?

 

Grafik/Sound

Grafisch hat Microids nochmals zugelegt: die vorgerenderten 2D-Hintergründe sind prachtvoll, außergewöhnlich detailreich und aufwendig gestaltet. Wieder gliedern sich die Hauptschauplätze in eine große Zahl von Szenen, in denen man verharren und die Augen wirklich wandern lassen sollte. Auch wenn wir uns diesmal überwiegend in schneeweißen, eisblauen -oder grauen Landschaften aufhalten, treffen wir auf Innenräume, wie z. B. das Bergkloster oder die Höhlenwelt der Youkis, die immer wieder staunen lassen. Die Macher spielen mit Licht und Spiegelungen. Beim 1. Teil hatte ich noch die Pfützen in Valadilene bemängelt - diesmal gibt es dazu nicht nur die passenden Geräusche sondern auch Kates Spiegelbild, wenn sie hindurchläuft.

Aber auch bei all den tollen Feinheiten, die sich die Entwickler haben einfallen lassen, so richtig echten Schneefall haben sie nicht hinbekommen. Dabei gibt es den fast überall. Er scheint aus Wolken zu kommen, die eine Runde über Tschernobyl gedreht haben, denn er leuchtet über weißem Untergrund! Außerdem läßt er sich auch nicht durch die sehr realen Windgeräusche ablenken und folgt seinem eigenen windstillen Prinzip. Auch Kate hinterläßt nicht überall dort ihre Spuren im Schnee, wo der Sound ihrer Schritte es vermuten ließe. Perfekt wäre eine Übereinstimmung von Sound und Bild gewesen.

Nochmals verbessert wurden die 3D-Charaktergrafiken in Syberia 2. Kates Bewegungen und Mimik, die jetzt auch öfters von vorne und größer dargestellt wird, kann überzeugen. Ihre eleganten Bewegungen unterstreichen ihre Worte passend und auch wenn sie nichts zu sagen hat, stehen ihr eine Anzahl von sehr echten kleinen Gesten zur Verfügung, sei es, daß sie sich über die Haare streicht oder das Gewicht von einem auf den anderen Fuß verlagert. Sie niest oder hustet auch - wer kann es ihr verdenken!

Getoppt wird das Ganze nur noch durch die eingestreuten Filmszenen, die im Gegensatz zu den meist musikfreien interaktiven Spielbereichen immer auch von filmreifen Melodien begleitet werden.

 

Die Geschichte

Kate Walker hat sich mit ihrer Entscheidung, auf den Zug aufzuspringen auf Hans Voralbergs Abenteuer eingelassen, es zu ihrem eigenen gemacht und kann gar nicht mehr zurück. Aber sie schaut auch nicht einmal rückwärts, zögert und zweifelt nicht. Fast fiebrig stürmt sie vorwärts, vollkommen auf ihr Ziel fixiert. Sie schläft nicht, ißt nicht und scheint durch Hans' Kraftlosigkeit geradezu gedopt zu sein. Nur wenn die Temperaturen es ihr unmöglich machen in ihrem luftigen, keinesfalls auf sibirische Kälte eingestellten Outfit weiterzumachen, besorgt sie sich wärmere Kleidung. Aber das sind alles nur Nebensächlichkeiten auf ihrer Mission zu Hans Voralbergs mythischem Ziel, der Mammutinsel Syberia.

Wir wissen nicht, wieviel Tage Kate bereits unterwegs ist zu Beginn des 2. Teils, aber es wird immer deutlicher, daß sie sich vollkommen von ihrem früheren Leben gelöst hat aber auch noch nichts Eigenes dagegenstellen kann außer den Traum eines genialen, kleinen, kranken Mannes. Da er es nicht mehr kann, schlüpft sie in seine Rolle und übernimmt seine Aufgaben. Syberia wird von Kate Walkers zu Hans Voralbergs Geschichte und führt sie über die letzten zivilisierten Außenposten in eine Schneewildnis.

Da Kate auf Hans und die Mission fixiert ist, erfahren wir nur noch wenig über ihre Gedanken und Gefühle. Als sie auf einen alten Bekannten trifft, fragt sie eigenartigerweise weder sich noch ihn, was er denn eigentlich dort verloren hat. Neue Charaktere, wie ein Gaunerbrüderpaar oder der verbohrte Klostervorsteher wirken etwas künstlich in die Rolle der Bad Guys gedrängt, und die knuddelige Mischung aus Seehund und Bobtail soll ein bißchen zu offensichtlich den Spielern ein gerührtes "Sieh mal wie putzig!" entlocken.

Während Syberia 1 zwar mit erfundenen Orten und relativ fantastische Automaten aufwartet, dabei aber doch im realistisch denkbaren Bereich bleibt, wechselt Syberia 2 schließlich - zumindest zeitweise - noch ins Mysteryfach.

All das soll dazu dienen, die relativ vorhersehbare Geschichte, die mit Syberia 2 den letzten Akt einer langen Reise erzählen soll, aufzupeppen. Wirkliche Überraschungen und unvorhergesehene Wendungen sind rar und die Faszination und Dramatik des ersten Teils kann nur teilweise in den 2. Teil herübergerettet werden. Vielleicht war das der Grund, warum mich das Ende ziemlich kalt ließ oder auch, weil Kates Persönlichkeit nur noch schwache eigene Züge zeigte?

 

Fazit

Hätte man Syberia 1 und 2 in einem Rutsch veröffentlicht mit einer Spieldauer von 30 - 35 Stunden, so wäre es sicher eines der faszinierendsten und eindrucksvollsten Adventurespiele. Aber Syberia 2 kann nicht für sich allein stehen kann, sondern stellt nur den letzten Akt einer bereits teilweise erzählten Geschichte dar. Ich halte das für nicht  ganz fair, dafür jeweils den Vollpreis zu verlangen.

Läßt man aber den Frust beiseite, der einen an der Ladenkasse bei solchen Gedanken überkommen kann, wird auch Syberia 2 die Fans des 1. Teils gut unterhalten und ist speziell für Anfänger - immer vorausgesetzt man hat bereits Teil 1 gespielt - empfehlenswert.

 

Bewertung: 82%


Bewertungssystem Adventure-Archiv:

  • 80% bis 100% sehr gutes Spiel (sehr empfehlenswert)
  • 70% bis 79% gut (empfehlenswert)
  • 60% bis 69% befriedigend (bedingt empfehlenswert, mit Abstrichen)
  • 50% bis 59% ausreichend (nicht gerade empfehlenswert)
  • 40% bis 49% ziemlich schlecht (eher abzuraten - etwas für Hardcore-Adventure-Freaks und Sammler)
  • 0% bis 39% grottenschlecht (lieber die Finger davon lassen)

 

Minimale Systemvoraussetzungen:

  • Pentium II 350 Mhz
  • Windows 98/ME/2000/XP
  • 64 MB RAM
  • 16 MB 3D Grafikkarte Direct3D (DirectX8.1) kompatibel
  • 16x CDROM-Laufwerk
  • 400 MB Speicherplatz auf der Festplatte
  • DirectX7-kompatible Soundkarte

Gespielt mit:

  • Windows XP
  • P IV 1,6 GHz
  • 512 MB RAM
  • 16x DVD-ROM (Artec WRA-A40)
  • nVidia GeForce 2MX400 64 MB Grafikkarte
  • Soundkarte DirectX-kompatibel


Der Wirt ist ein alter Freund von Hans Voralberg
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Die Pfützen machen jetzt auch Geräusche
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Im Bergkloster ist man nicht besonders gesprächig
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Hans braucht Hilfe
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Schneebrille ist Pflicht
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Eine kuschelige Hütte in der Wildnis
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Interessante Bücher
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Ein Plätzchen zum Angeln
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Der Chief der Youkis kann Englisch
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Eine fantastische Eiswelt
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Syberia
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Mehr Screenshots

 

 

 

 

 

 

 

Copyright © slydos für Adventure-Archiv, 21. April 2004

 

 

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